18. Juni 2026
«ADLANE SAMET. MASKOUNE مسكون»
Ausstellung im Kunsthaus Zofingen, vom 25. Juni bis am 2. August 2026 - Vernissage am Donnerstag, 25. Juni 2026, 19 Uhr

Bild: © Adlane Samet, Reflet perdu, 2026, Acryl auf Leinwand, 180 x 130 cm
Unter einem dramatischen rot-rosa Himmel steht ein fantastischer Stier mit langen Hörnern in einer Alpenlandschaft. Gelbe Berge und ein einsames Haus erschaffen eine Welt zwischen Traum und Mythos. Im Vordergrund liegen Vögel und seltsame Mischwesen aus Tier und Fantasie im Schatten. Dadurch entsteht die geheimnisvolle und symbolische Atmosphäre, die das gesamte Werk von Adlane Samet prägt.
Adlane Samet wurde 1989 in Algerien geboren und an der École des Beaux-Arts in Algier streng akademisch ausgebildet. Heute lebt und arbeitet er in Marseille, einer Stadt voller Gegensätze, in der Schönheit und Härte eng nebeneinander liegen. Diese Spannungen zeigt er nicht direkt, doch sie sind in jedem Pinselstrich und in jeder intensiven Farbe spürbar.
Farben spielen in Adlane Samets Bildern eine zentrale Rolle – nicht als Dekoration, sondern als eigene Sprache: Das Rot des Himmels, das grelle Gelb der Berge und das tiefe Schwarz der Schatten wirken stark und fast unwirklich. Alles scheint über die sichtbare Realität hinauszugehen. Verzerrte Körper, übergrosse Hände und starre Blicke erzeugen den Eindruck, dass die Figuren zwischen Traum und Wirklichkeit schweben. Jede Gestalt wirkt, als trage sie Erinnerungen in sich, die sich kaum in Worte fassen lassen.
Ein Atelieraufenthalt im Kulturzentrum PROGR in Bern wurde zu einem wichtigen Wendepunkt für diese Werkreihe. Auf seiner Reise durch das Wallis und bei seiner Ankunft in der Schweiz machte der Künstler Erfahrungen, die ihn nachhaltig prägten. Seitdem verbindet seine Malerei zwei Welten: das Algerien seiner Kindheit mit seinen Ängsten, Geschichten und Fantasien, und die Schweiz mit ihrer ruhigen Ordnung, ihren Bergen und ihren schwarzen Raben. Zwischen diesen beiden Welten entscheidet sich Samet nicht – er malt genau aus diesem Zwischenraum heraus.

Bild: © Adlane Samet, l’origine du monde, 2026, Mischtechnik auf Leinwand 110 x 60 cm
Besonders deutlich zeigt sich diese innere Veränderung in seinem Umgang mit der Schlange. Lange Zeit war sie für ihn ein dunkles und bedrohliches Symbol. Während seines Aufenthalts in der Schweiz bekam sie jedoch eine neue Bedeutung: Sie wurde zu einem Zeichen des Lebens selbst, fast etwas Heiligem. Die Schlange steht nun für Wandel, Wiedergeburt und die Entdeckung neuer Seiten des Selbst.
Auch seine Technik zeigt diese Haltung. Seine Malerei wirkt frei und spontan, ist aber gleichzeitig sehr bewusst gestaltet. Die Acrylfarben bleiben lebendig sichtbar: Pinselstriche, unregelmässige Konturen und absichtlich verzerrte Perspektiven gehören zu seinem Stil. Die Farben sind intensiv und kraftvoll. Seine Werke entstehen oft schnell und direkt, ohne lange Korrekturen. Was zuerst spontan wirken kann, basiert in Wirklichkeit auf seinem grossen technischen Können.
Der Künstler selbst sagt: «An der Kunsthochschule wurde ich gezähmt. Frei wurde ich erst, als ich die Regeln der Akademie gebrochen habe.» Diese Rückkehr zu einer roheren Malweise ist deshalb keine Schwäche, sondern eine bewusste Entscheidung.
Im algerischen Arabisch könnte man Adlane Samet einen «maskoune» nennen: eine Seele, die von alten Geschichten und Erinnerungen bewohnt wird. Diese Erinnerungen leben tief im Körper und in den Gefühlen, noch bevor sie in Worte gefasst werden können. Samet malt deshalb nicht einfach das, was er sieht, sondern das, was in seinem Inneren lebt. In seinen Werken stehen Gefühle und Stimmungen im Mittelpunkt. Sie zeigen sich in den Bewegungen der Farbe, im künstlerischen Duktus und in der starken Energie seiner Bilder. Seine hybriden Figuren und fantastischen Kreaturen wirken zugleich kindlich und mythisch und tragen Wahrheiten in sich, die sich mit gewöhnlichen Formen kaum ausdrücken lassen.

Bild: © Adlane Samet, Djinn N°4, 2026, Acryl auf Leinwand, 60 x 50 cm
Jedes Gemälde von Samet ist wie ein Fenster in eine Welt, die nicht ruhig oder geordnet ist, sondern widersprüchlich, zerbrechlich und voller Energie. Seine Bilder zeigen das Verborgene hinter der Oberfläche – unsere Unsicherheiten, Ängste und Gefühle, die oft unausgesprochen bleiben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kraft der Farbe, die Bewegung des Körpers und die Spuren menschlicher Erinnerung.
Die Ausstellung entstand mit der Unterstützung der Galerie Esther Woerdehoff, Paris, und in Zusammenarbeit mit der residency.ch in Bern.
Künstlerische Leitung: Eva Bigler, Kuratorin, Kunsthaus Zofingen
cp
Kontakt:
https://kunsthauszofingen.ch/2025/fenster-zur-welt-algerien/
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Kommentare von Daniel Leutenegger