12. Juli 2013
Neue Professur zur Geschichte und Bedeutung der documenta Kassel
Universität und Kunsthochschule Kassel intensivieren die wissenschaftliche Aufarbeitung der documenta. Zu Geschichte und Bedeutung der weltgrössten Schau moderner Kunst wird zum Wintersemester für zunächst zwei Jahre eine Gastprofessur eingerichtet. Besetzt wurde die Professur mit der Berliner Kunsthistorikerin Dr. Dorothea von Hantelmann (Bild).

Foto: http://www.kunsthochschule-kassel.de
Dorothea von Hantelmann will in Forschung und Lehre vor allem mit den
Beständen des Kasseler documenta-Archivs arbeiten. Die Professur soll darüber
hinaus dazu beitragen, das Thema documenta in den vier Jahren bis zur nächsten
Ausstellung sichtbarer zu machen.
«Diese Professur ist eine grosse Chance, die documenta mit
ihrem Archiv einerseits und die Kunsthochschule und die Universität
andererseits zu verbinden», erklärte Prof. Christian Philipp Müller, Rektor der
Kunsthochschule. «documenta und documenta-Archiv sind ein einmaliger
Standortvorteil der Kunsthochschule. Den wollen wir nutzen.»
Die Vizepräsidentin der Universität, Prof. Dr. Claudia Brinker-von der Heyde sagte: «Der Anstoss zur documenta ist aus der heutigen Kunsthochschule Kassel hervorgegangen; die Universität, die Kunsthochschule und ihre Vorgänger-Institutionen sind seit der ersten Schau 1955 bis dato auf enge und vielfältige Weise mit der documenta verbunden. Da ist es naheliegend und folgerichtig, die wissenschaftliche Aufbereitung der weltweit bedeutendsten Schau für zeitgenössische Kunst mit einer Professur am Ausstellungsort Kassel zu fokussieren. Mit Dorothea von Hantelmann haben wir eine profilierte Kunsthistorikerin gewonnen, die mit ihren Forschungsschwerpunkten exakt in unser Wunschprofil passt.»
Die documenta-Professur wird zum kommenden
Wintersemester als Gastprofessur für zunächst zwei Jahre geschaffen. Sie wird
finanziert aus Mitteln des Hochschulpaktes 2020 und ist an der Kunsthochschule
der Universität Kassel angesiedelt.
Von Hantelmann (43) war zuletzt wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Sonderforschungsbereich «Ästhetische Erfahrung im Zeichen der
Entgrenzung der Künste» an der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte ihrer
Forschung sind Kunst und Ästhetik der Gegenwart sowie Geschichte und
gesellschaftliche Funktion von Museen und Ausstellungen. Die gebürtige Hamburgerin
studierte Kunstgeschichte an der FU Berlin und promovierte dort 2006. Derzeit
arbeitet sie an einer Habilitation zur gesellschaftlichen Bedeutung von
Ausstellungen im historischen Wandel. Zu ihren Publikationen zählt unter
anderem «How to Do Things with Art» (Zürich 2010) sowie «Notizen zur
Ausstellung» in der Serie «Notizbuch» für die documenta 13 (Kassel 2012).
Von Hantelmann will im Rahmen ihrer Professur eng mit dem documenta-Archiv der Stadt Kassel zusammenarbeiten und das Archivgut für Forschung und Lehre nutzen. «Das documenta-Archiv ist eine Schatzgrube. Es birgt einmalige Quellen, anhand derer Studierende an die Auseinandersetzung mit der Geschichte, Rezeption und Inszenierung der Ausstellungsreihe herangeführt werden können, und die zugleich Auskunft geben über die Bedeutung der documenta als Statement unserer Zeit», erklärte die Kunsthistorikerin.
Den Kern des
Archivs bilden die Akten und Materialien der documenta-Organisation. Ausserdem
beherbergt das documenta-Archiv eine der bedeutendsten Spezialbibliotheken
Deutschlands für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und ein Medienarchiv
mit 30’000 Fotos und rund 2’000 Videos.
«Wir sind hocherfreut über das Engagement der Universität für
die documenta als dem herausragenden Markenzeichen Kassels», sagte Kassels
Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen. Die Universität zeige
damit auch, dass sie die Bedeutung des documenta-Archivs für die
wissenschaftliche Forschung anerkenne. Damit werde es möglich, den Schatz» des
documenta-Archivs deutlicher an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen.
Mit der Professur wird aber auch die documenta selber zwischen
den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen stärker präsent. Von
Hantelmann plant neben den universitären Veranstaltungen auch Veranstaltungen
für die breite Öffentlichkeit. «Wir wollen das, was an Material und
Forschungsergebnissen vorhanden ist, zeigen, zugänglich machen und darüber mit
Bürgern und Künstlern diskutieren», erklärte die Kunsthistorikerin.
Der Geschäftsführer der documenta-GmbH, Bernd Leifeld, betonte: «Die Einrichtung einer documenta-Professur ist ein erster Mosaikstein in dem
jahrelangen Bemühen, die documenta als Institution auch zwischen den
Ausstellungen zu verstetigen und damit zu etablieren. Die neue documenta-Professur
kann Anstoss sein, alle Kräfte zu bündeln, um die singuläre Stellung der
documenta neben den einzelnen Ausstellungen in der Welt der mehr als 170
Kunstbiennalen bewusst zu machen und durch Kooperation mit anderen
Institutionen in der documenta-Stadt und darüber hinaus zu sichern.»
Die documenta ist die weltweit bedeutendste Schau
zeitgenössischer Kunst. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt. Die erste
Ausstellung 1955 ging auf eine Initiative von Arnold Bode zurück, Professor an
der damaligen Werkakademie, einer Vorgängerin der Kunsthochschule.
Quelle / Kontakt:
http://www.kunsthochschule-kassel.de/willkommen/?sub=2&show=detail&id=1289
Kommentare von Daniel Leutenegger