10. September 2025
«VIRGINIA OVERTON. MATERIAL GIRL»
Ausstellung Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus, bis am 9. November 2025

Bild: Virginia Overton, Untitled (yellow square), 2024 © Virginia Overton – Foto: White Cube (Theo Christelis)
Virginia Overton (*1971 in Nashville) fertigt Skulpturen aus ausgedienten Materialien an. Sie verwendet etwa freigelegte Stahlträger und Holzbalken aus Gebäuden oder zerlegt ausgediente Fahrzeuge und Reklameschriftzüge. Aus den Einzelteilen montiert, schraubt und schweisst sie grossformatige Strukturen, baut architektonische Eingriffe oder kreiert Wandobjekte. So wird beispielsweise ein Kranwagen zur Brunnenskulptur mit spielerischem Wasserkreislauf. Die Künstlerin zitiert damit das Readymade-Prinzip, lenkt den Blick jedoch auf die Gebrauchsspuren, Geschichte und die ursprüngliche Funktion der verwendeten Elemente. «Ein Stück Holz bleibt ein Stück Holz – auch im Kunstkontext», sagt Overton. Diese Materialtreue verankert ihre Werke fest in der Realität, nah an sozialer und funktionaler Lesbarkeit.
Beeinflusst von der Post-Studio-Kunst, wie sie durch die Minimal Art geprägt wurde, arbeitet sie bevorzugt vor Ort, stets im Bezug zum konkreten Ausstellungsraum. Ihre Werke verbinden kunsthistorisches Bewusstsein und Materialästhetik mit einem reflektierten Umgang mit ökologischen, sozialen und ökonomischen Fragen.

Bild: Virginia Overton, Untitled (white diamond), 2025, Courtesy die Künstlerin – Ausstellungsansicht Kunst Museum Winterthur, 2025 – Foto: Cédric Mussano
Overton legt grossen Wert auf Nachhaltigkeit: Viele ihrer Skulpturen sind reversibel, das Material wird nach den Ausstellungen wiederverwendet und nicht zwischen Kontinenten hin und her transportiert. Ihre «Do-it-yourself» Strategie beruht auf Pragmatismus: Sie fügt der Welt kein neues Material hinzu, sondern neue Konstellationen, in denen organische, synthetische und mechanische Komponenten aufeinandertreffen und unsere Wahrnehmung schärfen. Es gelingt ihr, eine Ästhetik der Sachlichkeit zu formulieren, welche die poetischen Aspekte von Proportionen, Schwerkraft und Gleichgewicht einfängt. Ihre Werke eröffnen Bedeutungsräume zwischen Konstruktion und Dekonstruktion, zwischen (Bau-)arbeit und Kunst, zwischen Funktion und Symbol.
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König eine Publikation zu den Entstehungsprozessen ihrer Skulpturen, mit Fotografien der Künstlerin sowie Texten und Installationsansichten.
kmw
Kuratiert von Lynn Kost
Kontakt:
https://www.kmw.ch/ausstellung/virginia-overton

Bild: Virginia Overton, Kunstgiesserei, St.Gallen, 2025 – Foto: Moritz Lehner
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Kommentare von Daniel Leutenegger