23. Februar 2025
ZUM TOD DES SCHWEIZER MALERS UND ZEICHNERS ANDY WILDI
Der am 19. Oktober 1949 in Baden geborene Schweizer Maler und Zeichner Andy Wildi (Bild) ist am 17. Februar 2025 In Lugano gestorben. In den Jahren 1973, 1975 und 1978 wurde er mit dem Eidgenössischen Kunststipendium ausgezeichnet. Ab 1984 lebte und arbeitete er im Tessin, zuerst in Novaggio, ab 2021 in Caslano. Wildi schuf auch Wandmalereien und ist bekannt als Gestalter witziger paradoxer Bildsituationen. Neben der Malerei und der Zeichnung umfasste seine künstlerische Bandbreite Aktionskunst, Fotografie, Bühnenbild, Filmdekor, Objektkunst und Happening. (*)

Bild: Andy Wildi – Foto: © https://andywildi.ch/

Bild: © Andy Wildi, Helvetia, 1986, Oel auf Leinwand, 70 x 60 cm.
Andy Wildi, 1949 in Baden geboren, besuchte die Kunstgewerbeschulen Zürich (F+F) und Basel. Er arbeitete als freier Künstler in Baden, wo er 1968 erstmals auch ausstellte. 1974 war er Mitbegründer der Ateliergemeinschaft Spinnerei in Wettingen, 1984 zog er ins Tessin, nach Novaggio im Malcantone. Seit 2021 lebte und arbeitete er in Caslano am Luganersee.
Ein Studienaufenthalt führte ihn nach England. Er war drei Mal Träger des Eidgenössischen Kunststipendiums und schuf sich auch mit Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum einen Namen, mit grossformatigen Wandbildern und der Bemalung eines nicht zu übersehenden Sattelschleppers für die Migros Aargau/Solothurn.
Seine Werke sind in bedeutenden Kunstsammlungen vertreten und in der Deutschschweiz und im Tessin in Ausstellungen zu sehen. Neben seinem Hauptwerk, den grossformatigen Bildern, erwies sich Andy Wildi auch als Meister der kleinen Formate, sei es in Acryl auf Leinwand oder mit der Farbstiftzeichnung. Immer wieder widmete er sich auch der dritten Dimension, so entstanden Holzobjekte von überdimensionierten Blei- und Farbstiften oder die Werkgruppe mit Leitern aus den unterschiedlichsten Materialien. Andy Wildi schuf Bühnenbilder für die Badener «Claque», das legendäre Spektakel «Jerry Dental Kollekdoof», übernahm die Ausstattung des TV-Jugendfilms «Liliput», arbeitete bei Inszenierungen für die Badenerfahrt mit, beim Zirkus PIC o PELLO und bei der Inneneinrichtung der schrägen «Gambrinus-Bar». An der Zürcher Bahnhofstrasse stand im Sommer 2009 ein von ihm bemalter riesiger Blumentopf, und auf dem Toggenburger Sagenweg waren grosse, bemalte Holztafeln mit Sagenfiguren aus dem gleichnamigen Buch zu bewundern. Werke des vielseitigen Küntlers finden sich als Illustrationen und auf Titeln von Büchern des Verlags Zweitausendeins sowie auf mehreren Weinetiketten. 2021/22 entstand seine Werkgruppe «Stadtwanderung Napoli» mit unkonventionellen Ansichten der Stadt am Vesuv, die er mit einer Künstlergruppe besuchte.
Stille war das Thema seiner Kunst, er war ein stiller Mensch und still durfte er nach kurzer Krankheit gehen.
https://andywildi.ch/biografie.html

Bild: © Andy Wildi, Filou, 2018, Acryl auf Leinwand, 50 x 70 cm.
Ci ha lasciato Andy Wildi, tra i più raffinati pittori svizzeri
Aveva scelto di vivere in Ticino, per oltre 25 anni a Novaggio e in ultimo a Caslano. Aveva 75 anni.
Ci ha lasciati Andy Wildi, pittore noto molto meno dell’alta qualità della sua opera. Nato a Baden nel 1949, Wildi ha avuto l’atelier per oltre 25 anni a Novaggio, da poco s’era abbassato a Caslano, ed è considerato tra i più innovativi pittori svizzeri. Frequentata la Kunstgewerbeschule di Zurigo, ha continuato la formazione in quella di Basilea. Ha ottenuto nel 1973 la Borsa Federale per l’arte, replicata altre due volte. Nel 1974 è cofondatore della Ateliergemeinschaft Spinnerei Wettingen per la quale realizza opere di grande formato, murales e scenografie per la compagnia teatrale Claque di Baden.
Nel 1984 si era trasferito con la moglie Helena e la figlia Aurelia a Novaggio dove ha avviato un nuovo, importante periodo della vita e dell’opera. I suoi lavori, fortemente influenzati dalla luce del sud, toccano fibre di delicata nostalgia. A lavori di grandi dimensioni fanno da contrappeso dipinti, disegni e pastelli di piccolo-medio formato su carta o cartone. Ha collaborato con l’editore Haffmans bei Zweitausendeins per l’illustrazione di libri.
Dalmazio Ambrosioni

Bild: © Andy Wildi, Auf falschem Kurs, 2000, Acryl auf Leinwand, 135 x 100 cm
Es ist schwer vorstellbar, dass jemand die Malerei von Andy Wildi schwierig findet
Da ist doch alles zum Greifen nah und an seinem Platz: die Häuser, die Baugerüste, die Palmen, die Wohnräume mit dem Zickzackmuster des Bodenparketts und den Bildern an den Wänden. Doch Andy Wildi ist nicht nur ein guter, er ist auch ein moderner Maler.
In diesem Fall heisst das: In jedem Bild sind Fussangeln gelegt. Wildi malt anders als unsere Augen sehen.»
Fritz Billeter
https://www.buhrfeind.ch/artikel/Andy_Wildi.pdf

Bild: © Andy Wildi, Circus Bengali, 2014
Realismus pur?
Eine Strassenkreuzung im Anschnitt, halb im heissen Sonnenlicht, halb im Schlagschatten. An der linken Ecke angeschnitten ein blaues Haus, Nr. 25, gegenüber als Bildmittelpunkt das «Hotel Terminus», rot, alleinstehend, bunkerartig, die Fenster symmetrisch, die weissen Storen teilweise geschlossen, zwei Buchsbäumchen in Kübeln am Eingang deuten an, hier könnte man übernachten.
Doch die Szenerie wirkt ausgestorben, die Palme hinter der gelben Mauer links scheint verdorrt, die Tankstelle rechts im Anschnitt leer – terminale Geisterstadt oder bloss genüssliche Mittagsruhe hinter heruntergelassenen Sonnenstoren?
Ähnlich die «Bar Centrale»: eine Strassenecke, ein oranges, eine gelbes, ein weisses Haus, alle einfach kubisch aufgebaut, mit Balkonen oder Vorsprüngen, die Fassaden von der Sonne voll beschienen, die Fenster mit teilweise geschlossenen Läden. Dann um die Ecke im Schatten eine Werkstatt grau-blau und abschliessend nochmals ein dreigeschossiges Haus, orange-gelb, die Fassade leicht bröcklig und fleckig. Trottoir und Strasse sind menschenleer, klinisch sauber, nur der einsame Stuhl und der schmale Tisch vor dem Eckhaus, der Bar Centrale, verweisen auf die Präsenz von Menschen, die sich nach der Mittagshitze hier vielleicht treffen könnten, doch grossartig wird das Leben nicht sein, eher banal, alltäglich halt.
Sabine Altorfer über Andy Wildi
Text aus dem Buch «Ansichtssachen»
Video:
Il silenzio delle cose. Un ritratto di Deborah Huber.
Mehr:
https://www.facebook.com/andy.wildi/
https://www.todesanzeigenportal.ch/todesanzeige/Wildi/Andy/
https://www.buhrfeind.ch/artikel/Andy_Wildi.pdf
https://www.viceversaliteratur.ch/author/14669
https://glurisuterhuus.ch/wp-content/uploads/2018/08/gsh_karte_august_wildi_22.6-1.pdf
https://www.aargauerzeitung.ch/kultur/buch-buehne-kunst/ein-buch-fur-andy-wildi-ld.1988029
(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Andy_Wildi

Bild: © Andy Wildi, Schöne Ferien, 2012, Acryl auf Leinwand, 100 x 200 cm
#AndyWildi #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger