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4. Juni 2024

FÜR ANNA SOMMER, NANDO VON ARB UND TOBIAS AESCHBACHER: DREI MAX-UND-MORITZ-PREISE 2024 GEHEN IN DIE SCHWEIZ

Am Abend des 31. Mai wurden im Erlanger Markgrafentheater die Max-und-Moritz-Preise 2024 vergeben. Der Max-und-Moritz-Preis, von der deutschen Stadt Erlangen im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Comic-Salons verliehen, gilt als wichtigste Auszeichnung für Comic-Kunst und grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Im Vorfeld der Preisverleihung war eine Liste mit 25 von der Jury nominierten Titel bekannt gegeben worden. Wichtige Auszeichnungen gingen an Anna Sommer (beste deutschsprachige Comic-Künstlerin) und Nando von Arb («Fürchten lernen» als bester deutschsprachiger Comic), beide aus Zürich, sowie an den Bieler Tobias Aeschbacher («Der Letzte löscht das Licht» als bestes deutschsprachiges Comic-Debüt).

Bild: © https://www.comic-salon.de

Der Preis für den Besten Sachcomic geht an «United Queerdom» von Kate Charlesworth (Übersetzung: Hanna Reininger, Carlsen), als Bester deutschsprachiger Comic wird «Fürchten lernen» des Schweizers Nando von Arb (Edition Moderne) ausgezeichnet, der Beste internationale Comic ist «Hör nur, schöne Márcia» von Marcello Quintanilha (Übersetzung: Lea Hübner, Reprodukt).

Mit besonderer Spannung wurde erwartet, wer Beste*r deutschsprachige*r Comic-Künstler*in (dotiert mit 10’000 €) wird. In dieser Kategorie wurde die Schweizerin Anna Sommer (aktuell: «Tinte», Edition Moderne) ausgezeichnet.

Der Max-und-Moritz-Preis für den Besten Comic für Kinder geht in diesem Jahr an «Boris, Babette und lauter Skelette» von Tanja Esch (Kibitz), der Preis für das Beste deutschsprachige Comic-Debüt an «Der Letzte löscht das Licht» des Schweizers Tobias Aeschbacher (Helvetiq).

Zum achten Mal wurde in diesem Jahr ein Max-und-Moritz-Publikumspreis ausgelobt, für den im Internet nominiert und abgestimmt werden konnte. Sieger in dieser Kategorie ist «Nichtlustig. Cartoons 2022–2024» von Joscha Sauer (Nichtlustig Verlag). Mit dem Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk wurde – wie schon im Vorfeld der Preisverleihung bekannt gegeben – der französische Künstler Joann Sfar geehrt, den Spezialpreis der Jury erhielt die Münchner Zeichnerin Barbara Yelin für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Verfolgung, Krieg, Flucht und Gewalt sowie ihr Engagement gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit.

Die Max-und-Moritz-Gala wurde vom Schweizer Journalisten und Comic-Experten Christian Gasser moderiert. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, überreichte die Auszeichnungen in den verschiedenen Kategorien.

Der Jury für den Max-und-Moritz-Preis gehörten in diesem Jahr an: Christian Gasser (Kulturwissenschaftler und Autor, Luzern), Andrea Heinze (Journalistin, Berlin), Andreas C. Knigge (Journalist und Publizist, Hamburg), Katinka Kornacker (Geschäftsführerin COMIX – Comicbuchhandlung Hannover), Isabel Kreitz (Comic-Zeichnerin, Hamburg), Christine Vogt (Leiterin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen) und Bodo Birk (Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen).

Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin:
Anna Sommer

«In Anna Sommers Arbeiten ist nichts ganz so, wie es zu sein scheint. Ob Comics, Illustrationen oder künstlerische Arbeiten, ob Federzeichnungen, Radierungen oder Papierschnitte – durch ihre Arbeit ziehen sich subtile Risse. Inhaltlich sucht sie gerne die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge, Schein und Sein auf.

Formal arbeitet sie mit vielen, sehr unterschiedlichen Techniken. Diese ästhetische Vielfalt und inhaltlichen Ambivalenzen machen ihre Arbeit überraschend, reich und spannungsvoll.

Eigentlich hatte die 1968 in Aarau geborene Anna Sommer nicht im Sinn, Comics zu zeichnen. Andererseits aber betrachtete sie das Zeichnen immer als Mittel zum Erzählen. Deshalb war es folgerichtig, dass sich ihre Zeichnungen zu Geschichten verbanden. Das war vor etwa 30 Jahren, ihr Debüt ‚Damen Dramen‘, eine Sammlung von wortlosen, feministisch angehauchten Kurzgeschichten, erschien 1996 und mauserte sich zum Erfolg in Europas unabhängiger Comic-Szene. Bis heute ist Anna Sommer in Frankreich erfolgreicher als in Deutschland.

Anna Sommers Stil unterläuft viele Comic-Klischees: Die Panels stehen nicht in Rahmen, sondern frei auf dem Papier. Der Fluss von einer Zeichnung zur nächsten verleiht, gepaart mit ihrem eleganten Federstrich, ihren Bildergeschichten eine unwiderstehliche Leichtigkeit.

Auserdem arbeitet Sommer gerne mit ungewöhnlichen Techniken – am auffälligsten ist der Papierschnitt, der ihren Erfolg als Illustratorin begründet hat. Auch ihre aktuelle Graphic Novel ‚Tinte‘ besteht aus ebenso subtilen wie beeindruckenden, aus Papier geschnittenen Bildern.

Anna Sommer erzählt immer Geschichten, auch als Illustratorin oder Künstlerin. Die Frauen etwa, die sie im prächtigen Bildband ‚Chambre d’amies‘ porträtiert, inszeniert sie in Posen und Situationen, in denen das Vor- und Nachher mitschwingt – und damit ihre Geschichte.

Seit 30 Jahren unterläuft Anna Sommer alle Zuweisungen und Einschränkungen und spielt mit unseren Erwartungen. Die Spannung zwischen den verschiedenen Ebenen ihrer Geschichten, zwischen Erzählweisen, Stilen und Techniken ist gleichbedeutend mit künstlerischer Meisterschaft und raffinierter Unterhaltung.»

Laudatio von Christian Gasser

Kontakt:

http://www.annasommer.ch/

Bester deutschsprachiger Comic:
«Fürchten lernen»
von Nando von Arb (Edition Moderne)

«In ‚Fürchten lernen‘ setzt sich Nando von Arb mit den Ängsten, Angststörungen und Panikattacken auseinander, die sein Leben seit seiner Kindheit prägen. Die Angst vor dem Dunkeln, die Angst vor Albträumen, die Angst vor Krankheit und Tod, aber auch die Angst vor den anderen, vor dem sozialen Druck, vor dem Scheitern.

Diese Ängste und seine Bemühungen, sie zu zähmen, schildert von Arb auf persönliche, ehrliche und berührende Weise. Zeichnerisch ist ‚Fürchten lernen‘ schlicht spektakulär. Die meisten Seiten bestehen aus einer einzigen Zeichnung, anderswo fliessen zwei oder drei Panels zusammen in ein meisterhaft gestaltetes Bild. Die Zeichnungen sind dicht und bunt, stilisiert und expressiv, abstrakt und sinnlich – Nando von Arb macht seine Ängste sicht- und spürbar.

‚Fürchten lernen‘ ist eine schwindelerregende Geisterbahn durch einen Irrgarten der Ängste. Und doch hat ‚Fürchten lernen‘ auch eine fröhliche und skurrile Seite. Dieser Humor ist womöglich der Beweis, dass von Arb die eine oder andere Angst überwunden hat. Zu wünschen wäre es ihm.»

(Laudatio)

Kontakt:

https://www.editionmoderne.ch/buch/fuerchten-lernen-2-auflage/

Bestes deutschsprachiges Comic-Debüt:
«Der Letzte löscht das Licht»
von Tobias Aeschbacher (Helvetiq)

«Drei Gauner dringen in ein unscheinbares Mehrfamilienhaus ein. Sie suchen eine Tasche – finden aber eine Katze, eine Cannabisplantage, allerhand Waffen, die Asche eines Verstorbenen, andere Gangster.

Und den Tod. Denn alles läuft schief, was nur schieflaufen kann. Was beginnt wie eine muntere Gaunerklamotte um ein Trio minderbemittelter Kleinkrimineller, entwickelt sich zur irrwitzigen, raffiniert erzählten Tragikomödie um ein Dutzend mehr und vor allem weniger cooler und souveräner Ganoven, die alle auf kuriose Weise ins Gras beissen. Am Schluss sind alle tot. Wie bei Shakespeare. Oder bei Tarantino. Dessen Einfluss räumt der junge Schweizer Tobias Aeschbacher dann auch unumwunden ein.

Eine Verfilmung durch Tarantino tut allerdings nicht not: Sein Debüt ‚Der Letzte löscht das Licht‘ funktioniert dank der grossartigen Charaktere, der verzwickten Handlung, der Oscar-würdigen Dialoge und Running Gags und der schmissigen Zeichnungen ganz wunderbar auch und besonders als Comic.»

(Laudatio)

Kontakt:

https://helvetiq.com/intl/der-letzte-loscht-das-licht

Quelle / Mehr:

https://www.comic-salon.de/sites/default/files/press/maxundmoritzpreis_240531.pdf

Kontakt:

https://www.comic-salon.de/de/preistraeger-innen

#MaxundMoritzPreiseErlangen #ComicSalonErlangen #AnnaSommer #NandoVonArb #TobiasAeschbacher #ChristianGasser #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 4. Juni 2024
  • Cartoon, Comix, Karikatur

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