23. März 2013
«Three Sisters» des Chinesen Wang Bing gewinnt in Freiburg den Grossen Preis «Regard d’or»
Heute Abend um 17.00 Uhr wurden anlässlich der Schlussfeier des Internationalen Filmfestivals Freiburg im Kino Rex1 in Freiburg die diesjährigen Preise des Internationalen Wettbewerbes verliehen. Der Dokumentarfilm «Three Sisters» des Chinesen Wang Bing gewinnt den mit CHF 30'000 dotierten Grossen Preis «Regard d’or» sowie drei weitere Preise.

Die beiden hochdotierten Preise «Talent Tape Award» und der Spezialpreis der Jury gehen an It’s a Dream des Iraners Mahmoud Ghaffari respektive an Los Salvajes des Argentiniers Alejandro Fadel. Auch die ZuschauerInnen haben ihren Favoriten gewählt: Wadjda der Saudi-Araberin Haifaa Al-Mansour erhält den Publikumspreis. Insgesamt wurden Preisgelder in der Höhe von rund CHF 65’000 vergeben. Mit über 36’000 ZuschauerInnen konnte das FIFF 2013 einen Publikumsrekord verzeichnen, der selbst das bestens besuchte Jubiläumsjahr 2011 bei weitem übertrifft.

Der 153minütige Dokumentarfilm Three Sisters (Frankreich, Hong Kong 2012) des Chinesen Wang Bing (Bild rechts) ist ein sensibles und ergreifendes Porträt über Menschen, welche gemeinhin unsichtbar bleiben. Wang Bing schafft es, das tägliche Leben einer Familie in einem kleinen Bergdorf im Zentrum von China einzufangen. In eindringlichen Bildern zeigt er Armut und Misere und die Herausforderungen, denen sich bereits Kinder stellen müssen. Die Internationale Jury bezeichnet das Werk von Wang Bing als absolut einmalig und vergibt den Grossen Preis mit grossem Respekt und Bewunderung:
«Das ultimative Ziel jeder Kunstform ist es, den Zuschauer wachzurufen. Das Wunderbare an diesem Film ist die Art und Weise, wie er es vermeidet, seinem Publikum Gefühle und Botschaften vorzuschreiben. Vielmehr schafft er individuelle Betroffenheit bei jedem Einzelnen. Das ist das höchste Ziel jedes Kunstwerkes und seine grösste Auszeichnung.»
Wang Bing war in Freiburg anwesend und konnte insgesamt vier Preise – darunter auch den mit CHF 30’000 dotierten «Regard d’or», persönlich entgegennehmen. Gleichzeitig erhielt er den «Don Quijote»-Preis des internationalen Verbandes der Filmclubs (FICC/IFFS), den E-Changer-Preis der Jugendjury sowie den Preis der ökumenischen Jury.
Der«Spezialpreis der Jury» geht mit CHF 10’000 an den Erstlingsfilm Los Salvajes (Argentinien, Niederlande 2012) des Argentiniers Alejandro Fadel. Der Film erzählt mit einem ungewöhnlich kreativen, cineastischen Vokabular eine starke impressionistische Fabel, die über die Grenzen der Menschlichkeit hinaus führt, dahin, wo es keine Liebe mehr gibt.
Der «Talent Tape Award» im Wert von CHF 9’000 geht an den Produzenten von It’s a Dream (Iran 2012). Regie führte der Iraner Mahmoud Ghaffari. Mit einer vollendeten Mise-en-scène führt dieser Film auf sehr direkte und authentische Weise in ein Land, dessen Kultur uns im Allgemeinen verschlossen bleibt.
Der Publikumspreis im Wert von CHF 5’000 geht an Wadjda (Saudi-Arabien, Deutschland 2012) von Haifaa Al-Mansour, die erste weibliche Regisseurin, die in Saudi-Arabien einen Film gedreht hat.
Die FIPRESCI-Jury (Internationaler Verband der Filmkritik) hat den 270minütigen Thriller Penance (Japan 2012) von Kiyoshi Kurosawa ausgezeichnet.
Anschliessend an die Preisverleihung vom Samstag, 23. März 2013, wurde Wong Kar-wai’s neuestes Meisterwerk The Grandmaster (Hong Kong, China, Frankreich 2013) als Schweizer Premiere gezeigt.
Publikumsrekord
Die 27. Ausgabe des FIFF verzeichnet mit über 36’000 Eintritten einen nie da gewesenen Publikumsrekord: Sämtliche Programmsektionen – Internationaler Wettbewerb, Kurzfilmprogramme sowie alle Parallelsektionen – waren bestens besucht. Gleichzeitig haben über 40 internationale Gäste das Festival mit ihrem Besuch beehrt. Einmal mehr haben sie die vertrauenswürdige Infrastruktur des Festivals wie auch die grossartige Atmosphäre des Festivalzentrums im Ancienne Gare geschätzt, selbst internationale Grössen wie Charles Aznavour und Eric Cantona fühlten sich am Festival bestens aufgehoben.
Mit einem Publikum von über 10’000 SchülerInnen waren auch die Schulvorstellungen in Freiburg, Bulle und Payerne so gut wie noch nie besucht.
mgt
Der
Palmarès der 27. Ausgabe
Reprisen der Gewinnerfilme
Die 28. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg findet vom 29. März bis zum 4. April 2014 statt.
Kontakt:
http://www.fiff.ch/de/festival/209/gewinnerfilme-27-festivalausgabe.html
Kommentare von Daniel Leutenegger