Ausstellung im Strauhof Zürich, bis am 25. Mai 2026 - Auftritt von Swetlana Alexijewitsch: 7. Mai 2026

Bild: Swetlana Alexijewitsch, März 2026 in Berlin, im Gespräch mit Kuratorin Philine Bickhardt über das Erinnern an Tschornobyl. Das Interview entstand exklusiv für die Ausstellung – Bild: © Nikita Fedosik / Strauhof Zürich
40 Jahre nach dem atomaren Super-GAU in Tschornobyl zeigt der Strauhof Zürich eine Ausstellung über die literarische Verarbeitung der Reaktorkatastrophe durch die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch. Zu sehen sind u. a. nie gezeigte Aufnahmen ihrer Recherchereisen und ein neues Interview mit der Literaturnobelpreisträgerin.
Am 26. April 1986 kommt es im Kernkraftwerk Tschornobyl zur Kernschmelze, der Reaktor explodiert. Es ist die grösste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie; die freigesetzte radioaktive Strahlung macht grosse Teile der Ukraine, von Belarus und dem südwestlichen Russland unbewohnbar. Auf staatlicher Ebene werden das Ereignis und seine Folgen verschwiegen.
Die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch reist Mitte der 1990er-Jahre zusammen mit der Kamerafrau Tatjana Loginowa in die kontaminierten Gebiete. Sie befragt Zeug:innen, Rückkehrer:innen und Wissenschaftler:innen. Alexijewitsch verdichtet die Gespräche und Stimmungsbilder zu insgesamt 40 Monologen.
Die Ausstellung im Strauhof zeigt erstmals Ausschnitte der damals entstandenen Videoaufnahmen und den Entstehungsprozess des Buchs, das 1997 erscheint: «Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft» gilt bis heute als eine der einflussreichsten Auseinandersetzungen mit der Reaktorkatastrophe und ihren Folgen.
«Ich bin eine Zeugin von Tschernobyl … Des wichtigsten
Ereignisses des zwanzigsten Jahrhunderts, ungeachtet der
schrecklichen Kriege und Revolutionen, die man einst mit
diesem Jahrhundert verbinden wird. […] bis heute frage
ich mich: Was dokumentiere ich da – die Vergangenheit
oder die Zukunft?»
(Aus: «Interview der Autorin mit sich selbst über weggelassene Geschichte und darüber, warum
Tschernobyl unser Weltbild in Frage stellt», in: «Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft.»)

Bild: Spielplatz © Blinken OSA Archivum, https://archivum.org/about-us/about-the-archivum
Die belarusische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch wird 1948 in Stanislaw in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik geboren. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten, Essays und Reportagen. «Für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt», erhält Alexijewitsch 2015 den Literatur-Nobelpreis. Seit 2020 lebt Alexijewitsch im Berliner Exil.
«Cernobyl’skaja molitva» erscheint 1997. «Tschernobyl-Gebet» folgt in deutscher Übersetzung von Ingeborg Kolinko 1997 im Berlin-Verlag; nach mehreren Versionen erscheint 2019 «Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft» im Suhrkamp-Verlag in Übersetzung von Ingeborg Kolinko und Ganna-Maria Braungardt.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Slavische Literaturwissenschaft am Institut für Slavistik und Osteuropastudien (ISOS) der Universität Zürich, Sylvia Sasse, und geht aus dem Dissertationsprojekt von Philine Bickhardt hervor.
Kuration: Philine Bickhardt
Wissenschaftliche Begleitung: Sylvia Sasse
Projektleitung: Philip Sippel und Rémi Jaccard
Grafik: Lars Egert
Unterstützt vonm Schweizerischen Nationalfonds
Mehr:
https://strauhof.ch/wp-content/uploads/2026/04/MM_STR_Tschornobyl_10.04.2026.pdf
Kontakt:
https://strauhof.ch/ausstellungen/tschornobyl/
https://strauhof.ch/veranstaltungen/ausblick/

Bild: Swetlana Alexijewitsch (links) interviewt Sinaida Kawalenka, eine Rückkehrerin in die Sperrzone | Still: Videomaterial der Reise von 1995/96 in die kontaminierte Zone, Kamera: Tatjana Loginowa © Blinken OSA Archivum, https://archivum.org/about-us/about-the-archivum
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Kommentare von Daniel Leutenegger