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27. Mai 2017

KRITISCHE TÖNE VON JOURNALISTEN ZUR «REPUBLIK»

Die InitiantInnen des geplanten Online-Magazins schreiben zu ihrem Projekt «Republik», das Anfang 2018 an den Start gehen soll: «Die 'Republik' ist eine kleine Rebellion. Für den Journalismus. Und gegen die Medienkonzerne. Denn die grossen Verlage verlassen die Publizistik: Sie bauen sich in hohem Tempo in Internet-Handelshäuser um. Das ist eine schlechte Nachricht für den Journalismus. Aber auch für die Demokratie. Denn ohne vernünftige Informationen fällt man schlechte Entscheidungen. Eine funktionierende Demokratie braucht funktionierende Medien. Und dafür braucht es nicht nur Journalistinnen und Journalisten, sondern auch Sie.» Nun würdigen zwei Journalisten das Projekt mit seinem grandiosen Crowdfunding-Erfolg auch kritisch.

Früher war es auch nicht besser

Die Untergangsrhetorik der «Republik» zum Zustand der Schweizer Medien kann mehr schaden als sie dem neuen Medienprojekt zu nützen vermag. Christoph Hugenschmidt, Journalist und Gründer eines unabhängigen IT-Magazins, über Zerrbilder einer verklärten Vergangenheit:

http://medienwoche.ch/2017/05/26/frueher-war-es-auch-nicht-besser/

Die entzauberte «Republik»

Edgar Schuler, Redaktor am «Tages-Anzeiger» schreibt auf «medienspiegel.ch»:

«Es war die radikalste Entzauberung eines smarten Startups, seit Donald Trump Präsident wurde. Der höchst lückenhafte Fernsehauftritt von Christof Moser, Mitgründer der künftigen Online-Zeitung ‚Republik‘, entlarvte so gnadenlos dessen aufgeplustertes Marketing wie ein Tweet von Trump dessen Inkompetenz.

Für das Privileg, als Abonnent des künftigen Online-Magazins ‚Republik‘ 240 Franken zu bezahlen, musste man Schlange stehen. Von 12’000 Personen kamen in Rekordzeit 3 Millionen Franken zusammen. Ein phänomenaler Erfolg.

Es ist das Verdienst von ‚Medienclub‘-Gastgeber Franz Fischlin und dem Schweizer Fernsehen, das Phänomen ‚Republik‘ einem ersten Test auszusetzen. Christof Moser hat sich ihm gestellt. Und ist abgestürzt.»

http://www.medienspiegel.ch/archives/008884.html

—

Kontakt:

https://www.republik.ch/

—

Nachtrag vom 1.6.2017:

Die Zeit des Laberns ist vorbei, jetzt ­müs­sen Seibt und Moser liefern. Aus rosaroter Luft muss fassbare Materie werden, aus der Idee ein Magazin, das mehr ist als ein romantisch-revolutionärer Hype. Die Latte liegt hoch, die ge­schürte Erwartungshaltung ist so gewaltig wie vielschichtig.

Bislang gibt es zum publizistischen Konzept der «Republik» nicht viel mehr als wolkige Sprüche. «Journalismus ohne Bullshit» wolle man machen, sich «auf die wesentlichen Fragen und Themen konzentrieren», «einen Salon für Debatten und ungelöste Probleme bieten». Schöne Sätze aus dem Phrasenschwein, die nun mit Leben zu füllen sind.

Ohne Enttäuschungen beim Pu­blikum wird es nicht gehen. Seibt und Moser versuchen das abzufedern, indem sie denselben Kniff anwenden wie beim Crowdfunding: Die Abonnenten werden konsequent als Verleger angesprochen und auf Augenhöhe in die Entwicklung des Konzepts einbezogen. Es ist ein rollender Prozess, der durch gemeinsa­me Verantwortung zusammenschweisst und Identität schafft.

Peter Meier

http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/wie-man-rosarote-luft-verkauft/story/24196652

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 27. Mai 2017
  • Journalismus

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