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14. September 2020

SCHWEIZER MEDIENQUALITÄTSRATING MQR-20: «SINKENDE VIELFALT IN DER BERICHTERSTATTUNG»

Doppelsieg für die «NZZ»: Die «Neue Zürcher Zeitung» und die «NZZ am Sonntag» liegen in ihrer Vergleichsgruppe je an der Spitze. Die SRF-Radiosendung «Echo der Zeit» erreicht erneut die beste Position im Gesamtranking. «lematin.ch» heisst der Gruppensieger bei den Boulevard- und Pendlermedien; Aufsteigerin des Jahres ist «blick.ch». Im Gesamtbild zeigt sich, «dass in der Schweiz die Medienberichterstattung an Vielfalt verliert. Diese Entwicklung wird durch redaktionelle Verbundsysteme verschärft: Immer weniger Redaktionen entscheiden darüber, welche Themen, Meinungen und Akteure mediale Aufmerksamkeit erhalten. Diese zunehmende inhaltliche Medienkonzentration ist problematisch für Demokratie und Gesellschaft.», so der Bericht.

Die dritte Ausgabe des Medienqualitätsrating MQR-20 untersucht die Qualität der 49 wichtigsten Informationsmedien der Schweiz anhand wissenschaftlicher Methoden. Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich misst die Berichterstattungsqualität mittels eines inhaltsanalytischen Verfahrens. An der Universität Fribourg-Freiburg und der Hochschule Luzern wird die Qualitätswahrnehmung mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung gemessen. Diese zweifache Medienqualitätsmessung ist national wie international einmalig.

Das Ranking erfolgt gesondert für vier Mediengruppen mit vergleichbarer publizistischer Ausrichtung. Das Nachrichtenmagazin «Echo der Zeit» von Radio SRF führt erneut die Bestenliste der Informationsmedien an. Es setzt über alle untersuchten Medientitel hinweg – sowohl in der Inhaltsanalyse wie auch in der Publikumsbefragung – den Massstab punkto Medienqualität in der Schweiz.

Die gedruckte «NZZ» führt die Gruppe der Tages-und Onlinezeitungen an, die «NZZ am Sonntag» ist innerhalb der Sonntagszeitungen und Magazine am besten platziert.

Unter den Boulevard- und Pendlerformaten behält «lematin.ch» seine Spitzenposition bei. Die Newssite «blick.ch» ist die Aufsteigerin des Medienqualitätsratings MQR-20, da sie von allen Informationsmedien gegenüber dem MQR-18 am meisten Qualitätspunkte gewonnen hat.

Boulevard und Online gewinnen überraschend deutlich Qualitätspunkte

Qualitätsverbesserungen können bei den Boulevard- und Pendlerzeitungen ausgemacht werden. Sechs von acht Medientitel dieser Gruppe konnten ihre Qualität steigern. Die zwei Onlineangebote «lematin.ch» und «watson.ch» führen die Gruppe an. Den grössten Sprung nach vorne hat die Newssite «blick.ch» geschafft. Sie legt sowohl in der Berichterstattungsqualität als auch bei der Publikumswahrnehmung um je 6 Punkte zu. 

In den Vorjahren war die Qualität der Online-Newssites in der Regel tiefer als jene der Printausgaben. Das MQR-20 zeigt einen umgekehrten Trend. Die Qualität verschiedener Online-Newssites verbessert sich teilweise deutlich. Die Online-Ausgaben der «Berner Zeitung» oder des «Blicks» überflügeln die Werte der gedruckten Ausgaben. Dies bestätigt, dass es trotz Aktualitätsdruck möglich ist, im Onlinebereich qualitativ hochwertigen Journalismus zu produzieren.

Sonntagszeitungen und Magazine weisen eine vergleichsweise hohe Qualität auf, haben aber gegenüber 2018 durchwegs an Qualitätspunkten verloren. Die Einbussen beschränken sich auf die gemessene Berichterstattungsqualität. DasPublikum schätzt die Qualität der Sonntagszeitungen nach wie vor ähnlich hoch ein. Die Ausnahme ist der «SonntagsBlick», der zwar keinen Punktverlust verbuchen muss, jedoch weiterhin das Schlusslicht der Vergleichsgruppe bildet.

Bei 14 von 21 Tages-und Onlinezeitungen zeichnet sich über die letzten Jahre vor allem ein Verlust an Vielfalt ab. Vielfaltsverluste können vor allem bei Medien beobachtet werden, die in Verbundsysteme integriert sind und über Zentralredaktionen mit Inhalten versorgt werden. 

Zunehmende inhaltliche Medienkonzentration als Folge von Verbundsystemen

Der Vielfaltsverlust wird durch die wachsende inhaltliche Medienkonzentration als Folge von Mehrfachverwertungen von Beiträgen in Verbundsystemen akzentuiert. Immer weniger Redaktionen entscheiden darüber, welche Themen, Meinungen, Personen und Organisationen Publizität erhalten. Dies ist für die demokratische Meinungsbildung problematisch. Auch für die Reputation von Organisationen wie Unternehmen oder Behörden bedeutet sie ein Risiko. 

Eine für das MQR-20 durchgeführte Vertiefungsstudie zeigt eine zunehmende inhaltliche Medienkonzentration im Schweizer Pressemarkt. In nur zwei Jahren hat sich der Anteil der Mehrfachverwertungen, sogenannter «geteilter Beiträge», von 10% auf 21% erhöht. In der Berichterstattung zu nationalen Politikthemen beträgt der Anteil an geteilten Beiträgen 2019 bereits 41 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind die Verbundsysteme TX Group und CH Media. In beiden Verbundsystemen ist der Anteil geteilter Beiträge von 2017 bis 2019 deutlich angestiegen – bei der TX Group von 16 % auf 37 %, bei CH Media von 12% auf 20 %. In beiden Verbundsystemen hat auch die Anzahl geteilter Leitartikel, Kommentare und Rezensionen zugenommen.

Nicht von der inhaltlichen Medienkonzentration betroffen ist das Regional-Ressort. Dieses wird auch in Verbundsystemen von eigenständigen Redaktionen mit Inhalten versorgt. Jedoch ist in der Berichterstattung zu regionalen Themen, sowohl bei der TX Group als auch bei CH Media, eine Tendenz zur Boulevardisierung feststellbar. Der Anteil an Human-Interest-Themen legt zu,während insbesondere die regionale Politikberichterstattung an Bedeutung verliert.

cp

Zum Bericht:

https://www.mqr-schweiz.ch/files/mqr/pdf/MQR-20.pdf

Kontakt:

https://www.mqr-schweiz.ch/de/startseite.html

#MQR20 #MedienQualitätsRating #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 14. September 2020
  • Journalismus

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