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8. August 2011

Die Vereinbarung von Jokkmokk

Wie kann man darauf einwirken, dass das unschätzbare Wissen um die Lebensmittelproduktion der indigenen Völker nicht nur in den modernen Zeiten überlebt, sondern auch als Lösung für die Krise des globalen Lebensmittelsystems anerkannt wird? Im Zeichen dieser Frage versammelten sich 50 Lebensmittelbündnisse aus aller Welt zur Indigenous Terra Madre. Das Treffen im vergangenen Monat im schwedischen Jokkmokk war die erste Veranstaltung, die Slow Food vollständig den indigenen Völkern widmete.

Bilder: © Stéphane Lombard, www.crosscultura.se (oben zur Vergrösserung anklickbar)

Die Vereinbarung von Jokkmokk

In drei Tagen intensiver Seminare und Diskussionen wurden zahlreiche Probleme unter den 200 Delegierten verschiedener Kulturen und Länder diskutiert: Klimawandel, Überleben und Fortschritt unter extremen Lebensbedingungen, Förderung von lokalen Lebensmitteln und Kulturen, der Schutz des traditionellen Gedächtnisses und Wissens, das Recht auf Land und vieles mehr.

All diese Themen wurden am letzten Tag in der Vereinbarung von Jokkmokk zusammengefasst, in der die kollektive Stimme aller Delegierten zum Ausdruck kommt und Aktionsvorschläge unterbreitet werden.

In 12 Punkten fordert die Vereinbarung die indigenen Völker auf, ihr ererbtes essentielles Wissen zu bewahren und «Gebiete der Ernährungssouveränität» zu schaffen, die von den Völkern selbst verwaltet werden und frei vom Einfluss der internationalen Grosskonzerne sind.

Das Dokument appelliert ausserdem an die Vereinten Nationen, damit sie dafür eintreten, die Ernährungssysteme der eingeborenen Völker zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen und zu fördern.

«Die Idee, Gebiete der Ernährungssouveränität zu schaffen, ist neu, aber die meisten Probleme waren bereits früher bekannt», erklärt Phrang Roy von der Indigenous Partnership for Agrobiodiversity and Food Sovereignty, der auch Slow Food angehört.

«Wir hoffen, dass die Vereinbarung und die Beziehungen, die bei diesem Treffen geknüpft wurden, den vielen Netzwerken, die zusammen mit Slow Food daran teilgenommen haben, helfen, das indigene Wissen als Basis für eine umweltfreundliche Landwirtschaft effizienter zu fördern. Lebensmittel sind Kultur, das Saatgut ist heilig, die Erde ist unser Leben und unsere Identität. Auf dieser Grundlage müssen wir uns für einen nachhaltigeren Lebensstil einsetzen, der mehr auf das Wohlbefinden und Glück aller Menschen achtet.»

Die Vereinbarung von Jokkmokk wird über die Indigenous Partnership for Agrobiodiversity, das Samen-Parlament, das International Indigenous Treaty Council und andere indigene Gruppen verbreitet, die bei dem Treffen in Schweden vertreten waren. Indigenous Partnership wird das Dokument ausserdem bei der Sitzung 2012 des Ständigen Forums für Indigene Angelegenheiten der Vereinten Nationen vorlegen (UNPFII).

«Wir haben viele Ideen», so Phrang, «nach Jokkmokk und mit unserer gemeinsamen Erklärung in den Händen können wir an den nächsten Weltveranstaltungen teilnehmen wie Rio+20, Terra Madre 2012 und dem UNO-Treffen zu den indigenen Themen, das für 2014 vorgeschlagen wurde. Es ist wichtig, dass bei diesen Gelegenheiten immer mehr die Stimmen von der Basis, aus der Zivilgesellschaft, gehört werden, wie in Jokkmokk.»

Die Delegierten von Indigenous Terra Madre beschlossen ausserdem, eine permanente Arbeitsgruppe aufzubauen, um weiter über ihre gemeinsamen Probleme zu diskutieren und die eingeborenen Völker im Netzwerk von Terra Madre auch in Zukunft zu repräsentieren.

Zur Vereinbarung von Jokkmokk:

http://content.slowfood.it/upload/2011/C2744B8811ba3271E3PGE2F99F90/files/Jokkmokk _Agreement_ENG.pdf

tm

Kontakt:

http://www.terramadre.info/pagine/attivita/leggi.lasso?id=C2744B8811ba3271E3PGE2F99F90&ln=de&id_el=112&tp=3

http://multimedia.slowfood.com/gallery/127/2429/indigenous-terra-madre

Die Vereinbarung von Jokkmokk
Die Vereinbarung von Jokkmokk

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 8. August 2011
  • Küche, Weinkeller, Garten

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