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17. Mai 2020

«WÄHREND KEIN TAG VERGEHT, AN DEM NICHT ÜBER GESUNDHEITLICHE RISIKEN BERICHTET WIRD, STIRBT DIE BASIS DER KULTUR ÖKONOMISCH EINEN STILLEN TOD»

In der Virus-Zeit leben viele freischaffende Künstler in besonders prekären Verhältnissen. Ihnen würde durch ein (nicht bedingungsloses) Grundeinkommen am effizientesten geholfen. Schriftsteller und Regisseur Rudolph Jula äussert sich auf «journal21.ch» zum Thema.

Auszüge:

«Während kein Tag vergeht, an dem nicht über gesundheitliche Risikien berichtet wird, stirbt die Basis der Kultur ökonomisch einen stillen Tod.  

(…)

Natürlich ist Kultur nicht gleich Prekariat. Neben den Stars, die das Image von Überfluss prägen und ein paar Erbmillionären, deren soziales Netzwerk praktischerweise oft auch bis tief in Förderjurys reicht, gibt es auch eine gut versorgte und abgesicherte ’normale‘ obere Hälfte.

Dazu gehören allerdings in erster Linie jene, die eine Festanstellung haben – oft natürlich in Kulturinstitutionen. Also Personen, die zwar zum Kulturbereich gehören, aber keine Kultur schaffen, sondern sie programmieren, ausstellen, lehren oder verwalten. Hier entsprechen Saläre den Ansätzen anderer Wirtschaftsbereiche – und sie werden, Krise hin oder her, weiter ausbezahlt.

Die Freischaffenden dagegen – also das, was man sich landläufig unter einem ‚freien Künstler‘ vorstellt – finden sich überwiegend in der unteren Hälfte, bei der unterbezahlten und kaum abgesicherten Basis, der Creative Class, die ironischerweise einen bedeutenden Teil des Contents liefert, der ein paar Gehaltsstufen weiter oben programmiert und verwaltet wird.

(…)

In den Medien ist davon wenig zu hören. Werden Kulturschaffende zum Thema Pandemie befragt, sind fast ausschliesslich die Stimmen der Privilegierten zu hören. Der Podcast eines Erbmillionärs, das Covid-Tagebuch eines Schauspielhausdirektors, da und dort etwas Sinnieren über Kapitalismus und Verzicht. Ein Text der Autorin Anna Miller beginnt mit: ‚Jetzt diese Stille. Hier sitzen und nichts mehr müssen. Der Nagellack, der von den Nägeln blättert, ohne dass ich mich dafür schämen muss.‘

Ein Text einer Autorin, der gerade die Nerven abblättern, weil sie nicht weiss, wie sie das Jahr wirtschaftlich überleben soll, wäre das fehlende Gegenstück. Vielleicht will sich niemand als Prekariatsangehöriger outen. Aber es wirkt doch eher, als wollte man von Kulturseite auch nichts hören. Dabei verbirgt sich genau hier das grosse Thema, dass Überleben in einer Pandemie in erster Linie eine soziale Frage ist.

(…)

Während der Krise wurden Unternehmen, die Dividenden ausschütteten, subventioniert, die Rettung einer ausländischen Fluggesellschaft liess sich der Bundesrat 1,5 Milliarden kosten. Auf ähnliche Grosszügigkeit und Rechtssicherheit warten die ‚Verletzlichsten‘ bisher vergebens.»

Rudolph Jula

Mehr:

https://www.journal21.ch/ein-grundeinkommen-fuer-freischaffende

Kontakt:

https://www.facebook.com/rudolph.jula/about

#RudolphJula #Grundeinkommen #journal21 #culturavirus #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 17. Mai 2020
  • Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik

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