28. Juni 2024
BERICHT VON RAPHAEL GROSS ZUR ÜBERPRÜFUNG DER PROVENIENZFORSCHUNG DER STIFTUNG SAMMLUNG E.G. BÜHRLE
Seit Oktober 2021 werden die Werke der Sammlung Bührle im Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich als Dauerleihgabe gezeigt. Im Mai 2023 haben Stadt und Kanton Zürich und die Zürcher Kunstgesellschaft (Trägerverein des Kunsthauses Zürich) Raphael Gross, dem Zürcher Historiker und Präsidenten des Deutschen Historischen Museums in Berlin, das Mandat erteilt, die bestehende Provenienzforschung zu den Werken zu überprüfen. Dieser Bericht von Raphael Gross wurde nun am 28. Juni 2024 veröffentlicht.

Bild: Pierre-Auguste Renoir, Irène Cahen d’Anvers (La Petite Irène), 1850, Öl auf Leinwand, 65 × 54 cm, Sammlung Emil Bührle, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich (ehemals Sammlung Béatrice Camondo); zusammen mit Archiv- und Studienmaterial zur Sammlung Bührle – Foto: Franca Candrian

Bild: Das Archiv der Stiftung Sammlung E.G. Bührle in der Bibliothek des Kunsthauses Zürich – Foto © Kunsthaus Zürich, Franca Candrian Kopie
Zum Bericht:
-> Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle (PDF, 167 Seiten, 8 MB)
Folgende drei Empfehlungen lassen sich aufgrund der Evaluation für die Zürcher Kunstgesellschaft ableiten:
Es muss weitere Provenienzforschung betrieben werden. Konkrete Anhaltspunkte ergeben sich aus der Tiefenanalyse (Kapitel 3 des Berichts).
Es wird die Einrichtung eines fachlich und biografisch multiperspektivischen Gremiums empfohlen, das ein Prüfschema für den NS-verfolgungsbedingten Entzug eines Kunstwerkes entwickeln sollte.
Hiermit wird der Zürcher Kunstgesellschaft ermöglicht, bei substantiierten Hinweisen Entscheidungen über den weiteren Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken treffen zu können.
Schliesslich wird der Zürcher Kunstgesellschaft geraten, sich kritisch mit dem Namensgeber seiner Dauerleihgabe, Emil Bührle, zu beschäftigen.
(Seite 131 des Berichts)
AUS DEN MEDIEN
Zweifel an der Forschung der Bührle-Stiftung sind berechtigt
Eine Analyse von Ellinor Landmann
Es stammen mehr Werke aus jüdischem Besitz als bisher angenommen: der Historiker Raphael Gross über die Bestände der Sammlung Bührle
«Ohne jüdische Sammler wäre die Sammlung Bührle so nie zustande gekommen», sagt der Historiker Raphael Gross. Die Abklärungen zur Herkunft der Werke im Kunsthaus sind seiner Ansicht nach ungenügend.
Thomas Ribi, Philipp Meier
Überprüfung der Sammlung Bührle – Bührle kaufte vorzugsweise aus jüdischen Sammlungen
Herkunftsangaben mit Lücken und Fehlern: Der Historiker Raphael Gross fordert eine umfassende Untersuchung der Herkunft der Bilder in der Bührle-Sammlung des Kunsthauses.
Christoph Heim
Muss Bührle weg? Provenienzforschung war mangelhaft, sagen jetzt Experten
Zum ersten Mal seit Bestehen der Sammlung hat ein unabhängiges Gremium die Herkunft der Bilder des Waffenhändlers Emil Bührle am Kunsthaus Zürich untersucht. Die Bilanz ist ein harter Schlag.
Daniele Muscionico, Anna Raymann
Kunstschatz eines Skrupellosen
Der Waffenhändler Emil Bührle kaufte nach 1936 im großen Stil impressionistische Gemälde. Ein nun vorgestellter Bericht verrät, ob die Sammlung möglicherweise und entgegen früherer Behauptungen NS-Raubkunst enthält.
Ulrike Knöfel
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Auf www.ch-cultura.ch u.a. erschienen:
17.11.2020:
KUNST UND KANONEN: ZUR ENTSTEHUNG DER SAMMLUNG EMIL BÜHRLE
20.09.2021:
KUNSTHAUS ZÜRICH/SAMMLUNG BÜHRLE: HISTORIKER ERICH KELLER UND SEIN BUCH «DAS KONTAMINIERTE MUSEUM»
02.03.2023:
SAMMLUNG BÜHRLE: DER HISTORIKER RAPHAEL GROSS SOLL DIE PROVENIENZFORSCHUNG ÜBERPRÜFEN
14.03.2023:
DAS KUNSTHAUS ZÜRICH WILL DIE PROVENIENZFORSCHUNG MIT NEUER STRATEGIE, EXTERNER EXPERTISE UND ZUSÄTZLICHEN RESSOURCEN STÄRKEN
27.10.2023:
DAS KUNSTHAUS ZÜRICH UND DIE SAMMLUNG EMIL BÜHRLE: WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT TRITT GESCHLOSSEN ZURÜCK
03.11.2023:
PRESSESCHAU ZUR NEUEN AUSSTELLUNG DER SAMMLUNG EMIL BÜHRLE IM KUNSTHAUS ZÜRICH
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Bild: Kunsthaus Zürich, Sammlung Bührle – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich
Kommentare von Daniel Leutenegger