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4. Mai 2013

Daniel Spoerri in Bernhard Luginbühls Altem Schlachthaus

Ausstellung im Alten Schlachthaus Burgdorf, bis am 3. November 2013, jeden Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Daniel Spoerri

Bild: Daniel Spoerri mit Bronze: «Piratenschädelhäufchen», 2003 – Foto: © Barbara Räderscheidt 

Das heutige «Alte Schlachthaus» in Burgdorf ist ein Ort, den sich Bernhard Luginbühl geschaffen hat als Hort seines Werkes und um seine Freunde als ausstellende Gäste in «seinem» Haus zu Wort kommen zu lassen. Dies setzt seine Familie nun fort. 

Daniel Spoerri hat in den 1990er-Jahren den weitläufigen Skulpturenpark «Il Giardino» in Seggiano in der Toscana gegründet, der heute rund hundert Werke, eigene und solche seiner Freunde, zeigt. Vor einigen Jahren ist sein «Ausstellunghaus Spoerri» in Hadersdorf am Kamp bei Wien dazu gekommen. Vorerst als Ort für seine Sammlungen und sein Werk gedacht, ist es heute das Haus, wo Spoerri in Ausstellungen den Dialog mit dem Schaffen seiner Freunde pflegt.

Befreundet seit den intensiven Berner 1950er-Jahren, sind Luginbühl und Spoerri in  weitreichende Netze kunstschaffender Freunde verwebt. Obwohl sich diese ganz unterschiedlich verästeln und unter sich vernetzen; das Zentrum ist im Verlaufe der Jahrzehnte für beide identisch geworden und auch geblieben: Bernhard Luginbühl, Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Dieter Roth, André Thomkins, Eva Aeppli und – Ursi Luginbühl. So kann Spoerris häufig zitierter Satz «Das Beste an mir sind meine Freunde!» für alle gelten. Darum ist, was für den Sommer 2013 gilt, «Spoerri zeigt Luginbühl in Hadersdorf; Luginbühl zeigt Spoerri in Burgdorf» logische Folge von Freundschaft und  gegenseitiger Wertschätzung.

1960 stellt Daniel Spoerri in Paris seine ersten «tableaux-pièges» aus, Fallenbilder, in denen er ein Stück alltäglicher Realität, zufällige Anordnungen von Gegenständen zum Beispiel, unverändert auf ihrer Unterlage fixiert, um 90 Grad kippt und sie als Kunstwerk an der Wand präsentiert. Diesen Bildentwurf, welcher die Darstellung von Realität strikt vollzieht und den Zufall als Teil des künstlerischen Prinzips akzeptiert, wirft Spoerri in die Diskussion der Kunst der 1960er-Jahre ein, und er wird damit rasch berühmt. Auf dieser  künstlerischen Basis, unterstützt von seiner fast magischen Neugier auf die Hintergründe kultureller Gegebenheiten, hat Spoerri ein Lebenswerk von schier unlimitierter Vielfalt entwickelt, nicht bloss als bildender Künstler, sondern ebenso als Schriftsteller, Herausgeber, Theaterregisseur, Bühnenbildner, Ausstellungsmacher – und auch als Begründer der Eat Art.

Die Ausstellung in Burgdorf widmet sich Spoerris späterem Werk. Jede Werkgruppe kreist um ein Thema: Im «Cabinet anatomique» dialogisiert er mit medizinischen Lehrtafeln unterschiedlicher Thematik. Im «Carnaval des animaux» kommentiert er Charles Le Bruns «Vergleiche menschlicher Physiognomie mit der von Tieren». Die «Bamler»-Bilder und die «Hutfedern» basieren auf zufälligen Funden auf dem Flohmarkt. Die «Prillwitzer Idole», Spoerris grosses Thema zwischen 2005 und 2010, sind das Resultat einer wissenschaftlichen Feldforschung und kriminologischer Ermittlung  ähnlichen Suche, die Spoerri schliesslich zur Entdeckung der Objekte einer mysteriösen, im 18. Jahrhundert mit Fälschungen nachempfundenen Kultur in Nordost-Deutschland führt.

Spoerri arbeitet im späteren Werk gerne mit Bildprinzipien, die er früh gefunden hatte. Er verwendet das «Détrompe-l’oeil», das Auge ent-täuschen, und zeigt so die Veränderungskraft der Objekte. Die Wahl der angefügten Objekte ruft nach Dialog mit der Unterlage, eröffnet neue Gedanken und  Empfindungen («Ein Messer auf ein niedliches Bildnis gelegt, lässt  plötzlich Gefahr, gar Mord erahnen!»). Noch eindeutiger prägt Spoerri die Ausstellung durch das Prinzip «Originale in Serie». Es kreisen ganze Werkgruppen um dieselbe Thematik. Aber jedes einzelne Werk nimmt eine andere Form an und verdichtet so die bildnerische Darstellung des Themas. Nicht Vervielfältigung ist gemeint, sondern Variation, Ergänzung,  Anreicherung.

Daniel Spoerris Werk materialisiert seine permanente Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein im Wissen um Leben und Tod.

Text von André Kamber

Die Ausstellung «Bernhard Luginbühl» im Ausstellungshaus Spoerri dauert noch bis am 3. November 2013.

Ausstellungshaus Spoerri

Hauptplatz 23

A- 3493 Hadersdorf am Kamp

www.spoerri.at

Tel.02735 20 194  

–

Für die beiden Ausstellungen

Spoerri im Alten Schlachthaus Burgdorf in der Schweiz und

Luginbühl im Ausstellungshaus Spoerri Hadersdorf in Österreich

ist ein Katalog (80 Seiten) erschienen.

las

Kontakt:

http://luginbuehlstiftung.ch/museum/

www.spoerri.at

 

 

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 4. Mai 2013
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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