Ausstellungen im Kunsthaus Zug, vom 25. Februar bis am 26. Mai 2024

Bild oben: Friedrich Kiesler, Portrait Galaxy of Henri Laugier, 1949, Foto: Kevin Noble, The Estate of Frederick Kiesler, New York © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien

Bild: Friedrich Kiesler, Portrait Galaxy of Henri Laugier, 1949, Foto: Kevin Noble, The Estate of Frederick Kiesler, New York © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien
Das Kunsthaus Zug präsentiert zwei umfassende Ausstellungen zu Friedrich Kiesler (1890–1965), einem österreichisch-amerikanischen Künstler, der als Architekt, Theaterreformer und Designer internationale Bekanntheit erlangte. Die erste Ausstellung «Friedrich Kiesler – Us, You, Me» thematisiert erstmals seine künstlerischen Ausstellungskonzeptionen in Verbindung mit seinem innovativen bildnerische Oeuvre, den Galaxies. Die zweite Ausstellung «Kiesler heute» beleuchtet seine anhaltende Inspiration für zeitgenössische Kunstschaffende.
Über Friedrich Kiesler
Friedrich Kiesler (engl. auch Frederick Kiesler; 1890–1965) war ein interdisziplinärer, österreichisch-amerikanischer Künstler, der vor allem als bedeutender Architekt, Theaterreformer und Designer internationales Ansehen erlangte. Die Ausstellung «Friedrich Kiesler – Us, You, Me» im Kunsthaus Zug fokussiert nun erstmals umfassend sein innovatives malerisches und skulpturales Oeuvre, das von Kieslers zahlreichen Paralleltätigkeiten beeinflusst war. Dazu gehört die Kunstausstellung, die er, wie Marcel Duchamp, zu einem künstlerischen Medium machte.
Beispiele für seine bahnbrechenden Ausstellungen sind jene die er für die Sammlung von Peggy Guggenheim in New York (1942) und für die Surrealisten in Paris mit seinen Freunden André Breton und Duchamp (1947) realisierte. Sie werden mit Entwürfen, Modellen, Publikationen und Fotos vorgestellt.
Das Ziel der aufwändigen Ausstellung mit Hauptwerken des Künstlers ist, die Bedeutung seiner inspirierenden, in der Schweiz kaum bekannten Position der 1950er- und 1960er-Jahre hervorzuheben und damit zum Gesamtverständnis des transdisziplinären Künstlers beizutragen und zu einem differenzierteren Bild der neueren interdisziplinären Kunstgeschichte in Europa und den USA. Dafür werden Werke aus verschiedenen Sammlungen erstmals in Europa zusammengeführt. Wichtige Leihgaben stammen aus der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien, dem The Estate of Frederick Kiesler, New York, und aus anderen Sammlungen. Hinzu kommen die Bestände aus der Kunsthaus-Sammlung. Begleitend wird ein Ausstellungsbuch bei Hatje Cantz, Berlin, erscheinen, das das bildnerische Schaffen von Kiesler erstmals umfassend präsentiert und wissenschaftlich aufarbeitet.
Friedrich Kiesler aus Czernowitz (früher Österreich-Ungarn, heute Ukraine) verbrachte den ersten Teil seines Lebens in Wien und Europa, bevor er 1926 nach New York zog. Er bewegte sich sowohl im avantgardistischen Wien als auch in der New Yorker Avantgarde-Kunstszene seit den 1920er-Jahren. Er war mit prägenden Persönlichkeiten befreundet: von Josef Hoffmann, Adolf Loos, Egon Schiele und Arnold Schönberg über Hans Arp, Theo van Doesburg und Piet Mondrian zu John Cage, Alexander Calder, Marcel Duchamp, Yves Tanguy, Elaine und Willem de Kooning, Ad Reinhardt, Mark Rothko bis hin zu Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Andy Warhol.
Dieser intensive und vielseitige Austausch spiegelt sich in seinem interdisziplinären Werk wider, das darauf abzielte, Grenzen und konventionelle Rahmen sowie Genres zu überwinden und die Umgebung einzubeziehen. Das lässt ihn auch für zeitgenössische künstlerisch Positionen aktuell erscheinen – so interessieren sich Kunstschaffende wie die Kiesler-Preisträger Olafur Eliasson, Bruce Nauman oder Heimo Zobernig für sein Werk. Sein theoretisch fundiertes bildnerisches Schaffen stellt den Beginn der Environment-Kunst dar.

Bild: Friedrich Kiesler, Arch as a Rainbow of Shells, 1960–1965, Foto: Jorit Aust Photography,The Estate of Frederick Kiesler, New York © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien
Bezug zum Kanton Zug
Das umfangreiche Lebenswerk von Friedrich Kiesler gliedert sich hervorragend in die Sammlung des Kunsthauses Zug ein. Nicht nur stellt die Wiener Moderne mit der Sammlung der Stiftung Sammlung Kamm darin einen gewichtigen Schwerpunkt dar, auch Kieslers Bezüge zum Surrealismus (z. B. mit Kurt Seligmann) und zur zeitgenössischen Kunst (Olafur Eliasson, Heidulf Gerngross, Peter Kogler, Roman Signer, Richard Tuttle, Heimo Zobernig) sind für das Haus wichtig.
Um diesen Schwerpunkt zu festigen, wurde eine Werkgruppe von Kiesler erworben. Zudem wurde sein Oeuvre im Kunsthaus Zug im Rahmen unterschiedlicher Ausstellungen immer wieder kontextualisiert. Hervorzuheben ist dabei die Ausstellung «Breton, Duchamp, Kiesler – Surrealistische Räume 1947», welche im Frühjahr 2020 im Kunsthaus Zug präsentiert wurde.
Friedrich Kiesler ist vor allem für seine Leistungen in den Bereichen Architektur, Theater und Möbeldesign bekannt. Obwohl ein grosser Teil von Kieslers Oeuvre aus innovativen, multiplen Malereien und skulpturalen «Environments» besteht, sind diese insbesondere in Europa und der Schweiz kaum bekannt und bisher noch nie in einem Gesamtzusammenhang gezeigt worden. In den USA befinden sich Werkgruppen von ihm u. a. in den Sammlungen des MoMA, des Guggenheim Museum und des Whitney Museum of American Art, die ihm Ausstellungen widmeten, sowie im Philadelphia Museum of Art.
Die Ausstellung «Friedrich Kiesler – Us, You, Me» im Kunsthaus Zug, die ihren Titel von Kieslers letzter Environment-Skulptur ableitet, konzentriert sich speziell auf seine bildende Kunst, seine multiplen Gemälde und die bildhauerisch-plastische Tätigkeit. Es werden zahlreiche Werke aus verschiedenen Museums- und Privatsammlungen in den USA und Europa zusammengeführt, wobei die Bestände der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien, und des The Estate of Frederick Kiesler, New York, umfassend genutzt werden.
Die Ausstellung von Stephanie Buhmann (Leiterin der Abteilung Bildende Kunst, Architektur und Design, Österreichisches Kulturforum New York), Matthias Haldemann (Direktor des Kunsthaus Zug) und Gerd Zillner (Direktor der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien) wurde über mehrere Jahre sorgfältig erarbeitet und spezifisch für die räumlichen Begebenheiten des Hauses konzipiert. Sie umfasst rund dreihundert Werke und Dokumente und ist exklusiv in Zug zu sehen.
Die Ausstellung verspricht eine Entdeckung sowohl für Fachleute als auch für ein kunstbegeistertes Publikum jeden Alters zu werden.
Ausstellungskatalog
Zur Ausstellung erscheint ein Ausstellungskatalog, der die bisher eher unbeachteten Aspekte von Friedrich Kieslers Arbeit als Künstler thematisiert. Er enthält Beiträge der KuratorInnen und von Kiesler-ExpertInnen, aber auch von Kiesler selbst, der theoretische Texte zur Kunst verfasste, die einen umfassenden Einblick in seine offene Denkweise gewähren, die in vielem als zeitgemäss erachtet werden kann. Zudem sollen neue Aufnahmen der Werke, auch von solchen, die bis anhin noch nie gezeigt wurden, angefertigt und erstmals publiziert werden.
Der Katalog wird von der Luzerner Grafikerin Monika Sommerhalder gestaltet und erscheint in englischer Sprache im renommierten Kunstbuchverlag Hatje Cantz in Berlin, wo er weltweit vertrieben wird.
Kuratiert von Stephanie Buhmann, Matthias Haldemann und Gerd Zillner
Eine Ausstellung des Kunsthaus Zug in Kooperation mit der Österreichischen Friedrich und Lilian Kiesler-Privatstiftung, Wien und The Estate of Frederick Kiesler, New York.
khz
Kontakt:
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Bild: Friedrich Kiesler, David, 1963-65, Foto: Jorit Aust Photography, Privatsammlung. Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, London, New York © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien
Kommentare von Daniel Leutenegger