11. Juni 2023
«GEISTERHAUS LANGMATT – EINE UNSICHTBARE AUSSTELLUNG»
Im Museum Langmatt, Baden, bis am 10. Dezember 2023

Bild: Nachtaufnahme des Grünen Salons, Museum Langmatt, 2022
Es spukt in der Langmatt: Ehemalige Bewohnerinnen und Gäste, Geister in Cheminées und Vasen sowie untote Tiere des Hauses verbreiten Angst und Schrecken. Die unsichtbare Ausstellung «Geisterhaus Langmatt» lässt erstmals eine erstaunliche Zahl an Geistern zu Wort kommen.
Gelegentlich etwas verwirrt, bisweilen leicht alkoholisiert, verzetteln sie sich in der Vergangenheit, ärgern sich über die Marotten der anderen Geister und schweben bei Streitigkeiten beleidigt davon.
«Geisterhaus Langmatt» ist ein innovatives, digitales Comedy-Vermittlungsprojekt. Mit Leih-Tablets und Kopfhörern ausgestattet, bewegt sich das Publikum durch das Museum und hört den Geistern beim Erzählen, Streiten und Spuken zu. Aktiviert werden die Hörstücke durch Beacons, die in den Zimmern versteckt sind, gesteuert durch die «Mord im Museum»-App auf dem Tablet.
«Geisterhaus Langmatt» lädt zu einer spielerischen Entdeckung von 10 historischen Räumen und dem ehemaligen Leben in der Langmatt ein. Sobald das Publikum in die Räume tritt, beginnen die Geister selbsttätig zu spuken. Die Ausstellung bleibt konsequent unsichtbar – an den Räumen wird nichts verändert, und die Geister haben keine materielle Erscheinung. Auch auf Signaletik oder Requisiten wurde verzichtet. «Geisterhaus Langmatt» ist ein immersives, überraschendes Erlebnis, das die Fantasie anregt und mit viel Humor einen neuen Blick auf die historische Villa öffnet.
Hauptfigur ist für einmal nicht die Hausherrin und Sammlerin Jenny Brown (1871–1968), sondern der Geist von Andrée Marthe Müller (1911–1976), langjährige Lebenspartnerin von John A. Brown (1900–1987), der mittlere der drei Söhne und spätere Stifter der Langmatt. Tragischerweise verbot jedoch Jenny die Heirat und belegte Andrée Marthe sogar mit einem Hausverbot. Die aus der Romandie stammende Andrée Marthe arbeitete in Paris als Maler-Modell und erschien daher Jenny als unstandesgemäss. Erst nach dem Tod von Jenny 1968 konnten Andrée Marthe und John 1970 heiraten. Doch dann war es für Kinder zu spät. Andernfalls wäre die Langmatt heute wohl kein Museum.
Im «Geisterhaus Langmatt» gerät der Geist von Andrée Marthe immer wieder in neckische Streitigkeiten mit jenem von Julius Exter (1863–1939), dem Freund der Familie und Mitbegründer der Münchner Sezession. Hier die schwärmerische Verkörperung der leichtfüssigen, französischen Lebensweise und des Impressionismus, dort der bärbeissige und sich als verkannt empfindende Titularprofessor, der heute in der Versenkung der Kunstgeschichte beinahe verschwunden ist. Und dies, obwohl er im ausgehenden 19. Jahrhundert die Malerei in München vehement erneuerte und später dem Expressionismus um den Blauen Reiter nahe stand.
Das «Geisterhaus Langmatt» lebt aber auch von interessanten, historisch verbürgten Details. So wurde im Esszimmer tatsächlich gerne Kalbsbraten mit Kartoffeln gereicht, doch zum Leidwesen der Gäste an den Portionen arg gespart. Oder Jenny wunderte sich, was an diesem Haus immer herumrepariert werde. Von heute aus ein schöner Verweis auf die 2024/25 bevorstehende Gesamtsanierung der Langmatt.
«Geisterhaus Langmatt» ist in 10 historischen Räumen im Erdgeschoss und Obergeschoss zu erleben und umfasst eine Hördauer von 24 Minuten. Idee und Text: Markus Stegmann. Technische Realisierung: Daniela Minneboo. Sprecherin: Birgit Steinegger. Sprecher: Gabriel Vetter. Unterstützt vom Förderprogramm DigiCulture, Kanton Aargau. Die Benutzung von «Geisterhaus Langmatt» ist im Museumseintritt enthalten. Für alle Generationen und für Kinder ab Primarschulalter.
cp
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Kommentare von Daniel Leutenegger