3. Juli 2026
«SPOT ON ANDREAS BRUNNER»
Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, in Kooperation mit der Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern, vom 4. Juli bis am 11. Oktober 2026

Bild: Andreas Brunner, Enfumer le vide, 2023, 4-Kanal-Videoinstallation, 60 Min., variable Dimensionen, Courtesy of the artist
Die Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern hat Andreas Brunner (*1988) mit dem Publikationspreis spot on 2025 ausgezeichnet. An der Ausstellungseröffnung wird die 22. Ausgabe dieser Reihe präsentiert. Sie erscheint bei Spector Books und gibt unter dem Titel «Substitute for a Sunset» einen umfassenden Einblick in Brunners Schaffen der letzten zehn Jahre.
Für die Ausstellung hat der Luzerner Künstler drei neue Werkgruppen entwickelt, die er zu einer fragmentarischen Landschaft oder vielmehr einer Erinnerung daran arrangiert. Seine Arbeiten erzählen von urbanen Situationen sowie von Werden und Vergehen. Brunner nutzt das Mittel der Verfremdung, Massstäbe verschieben sich und Elemente werden isoliert: Miniaturarchitekturen, überdimensionale Zigaretten oder inhaltslose Werbetafeln treffen aufeinander.

Bild: Ausstellungsansicht «spot on Andreas Brunner». In Kooperation mit Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern, Kunstmuseum Luzern, 2026 – Foto: Marc Latzel
Oft greift Brunner Elemente aus dem städtischen Raum auf, insbesondere Leitsysteme und Schilder. In einem aufwändigen Prozess hat er Beschriftungen von Leuchtreklamen abgeschliffen und das Acrylglas so poliert, dass nur noch das technische Innenleben zu sehen ist. Ihrer ursprünglichen Funktion beraubt wirken sie einerseits steril und irritierend, andererseits werden die Leuchtstoffröhren zu abstrakt-poetischen Zeichen.
Der Verlust der ursprünglichen Inhalte – die Sinnentleerung – ermöglicht neue Bedeutungen. Die Lichtkreise erzählen als abgeschlossenes, selbstbezügliches System vielleicht von Leerlauf und endlosem Konsum oder wecken Assoziationen an den Ouroborus, an die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst.
Zwei Videoarbeiten inszeniert Brunner als Skulpturen. Ihre Präsentation ist von Anzeigetafeln an Flughäfen inspiriert, doch anstelle von Daten zeigen sie seine Filme. Ein rätselhaftes Bewegtbild entpuppt sich mit der Zeit als die Nahansicht einer verglühenden Zigarettenspitze. Erst ganz am Schluss wird klar, dass eben die Marke «Hope» (Hoffnung) abgebrannt ist.
Die Objekte aus der Serie Compound Fracture (komplexe Fraktur) lassen an futuristische Architekturentwürfe oder Ruinen denken und changieren zwischen Vision und Zerfall, Zukunft und Vergangenheit. Die Objekte wirken nicht nur wie Relikte, es handelt sich tatsächlich um Hilfsformen aus dem Gussprozess einer früheren Arbeit, die Brunner nun als Ready-made auf speziellen Sockeln präsentiert und sie so zu eigenständigen Skulpturen macht. Den Künstler interessiert dabei ebenso die Materialität und Rätselhaftigkeit dieser Nebenprodukte wie ihre Umdeutung zu Kunstwerken.
In seiner künstlerischen Arbeit transformiert Brunner gefundene Objekte und erlebte Situationen. Indem er diese aus ihrem Zusammenhang löst, radikal reduziert und verfremdet, erzeugt er Sinnbilder einer fragmentierten Gegenwart.
Kuratiert von Eveline Suter
Publikation
Andreas Brunner. Substitute for a Sunset, mit Texten von Mia Ćuk, Jóhannes Dagsson, Páll Haukur und Eveline Suter, e/d, hrsg. von Stadt Luzern und Kunstmuseum Luzern, Spector Books, ISBN 978-3-95905-966-4, CHF 30.– / für Mitglieder KGL CHF 25.-
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/andreas-brunner/

Bild: Ausstellungsansicht «spot on Andreas Brunner». In Kooperation mit Kommission Bildende Kunst Stadt Luzern, Kunstmuseum Luzern, 2026 – Foto: Marc Latzel
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Kommentare von Daniel Leutenegger