Die ehemalige Brauereiwirtschaft an der Dorfstrasse gehört zum historischen Ortskern von Wabern und prägt das Ortsbild seit Generationen. Eine Stiftung soll das denkmalgeschützte Ensemble erhalten und ein lebendiges Dorfzentrum mit vielfältiger Nutzung ermöglichen. Die Gemeinde Köniz will die Voraussetzungen schaffen, indem sie die Liegenschaft erwirbt und im Baurecht an die Stiftung abgibt sowie einen Einschuss ins Stiftungskapital leistet. Seit 2013 wird das Gebäude von der landesweit beachteten Kulturinstitution «Heitere Fahne» genutzt, einem inklusiven Kultur- und Begegnungsort von regionaler Bedeutung.

Bild: Brauereiwirtschaft Wabern, um ca.1945 – Foto: Archiv / wnw
Die ehemalige Brauereiwirtschaft der Gurtenbrauerei an der Dorfstrasse 22–24 ist Bestandteil des historischen Ortskerns von Wabern. Das Gebäude wurde zwischen 1850 und 1874 erbaut und ist als schützenswertes K-Objekt im Schweizer Bauinventar erfasst. Der originale Theatersaal war jahrzehntelang der gesellschaftliche Mittelpunkt von Wabern, ein Ort für Vereine, Kultur und Begegnung.
Seit 2013 wird das Gebäude von der Kulturinstitution «Heitere Fahne» genutzt, einem inklusiven Kultur- und Begegnungsort von regionaler Bedeutung.
«Wir wollen im historischen Zentrum von Wabern eine qualitätsvolle Entwicklung ermöglichen», sagt die Könizer Gemeindepräsidentin Tanja Bauer. «Die Brauereiwirtschaft soll Raum bieten für gesellschaftliche Aktivitäten und gemeinsames Erleben.»
Die Liegenschaft ist aktuell in einem schlechten Zustand. Dringende Sanierungen wurden vernachlässigt (Dach, Terrasse, Statik). Ohne eine grundlegende Sanierung ist eine künftige Nutzung stark gefährdet. «Wir möchten im Zentrum von Wabern einen attraktiven, offenen und lebendigen Ort erhalten und weiterentwickeln. Eine Voraussetzung dafür ist eine langfristige Lösung für die gesamte Liegenschaft, die sowohl öffentliche als auch gemeinnützige Nutzungen ermöglicht», so der Könizer Gemeinderat Thomas Marti, zuständig für die Abteilung Immobilien.
Das Projekt: Begegnung Ortskern Wabern
Für die Umsetzung dieser generationenübergreifenden Vision setzt sich die zukünftige Stiftung Begegnung Ortskern Wabern, kurz BOW, engagiert ein. Die Gemeinde Köniz erwirbt die Liegenschaften und gibt sie der Stiftung im Baurecht ab. Zusätzlich stellt Köniz finanzielle Mittel zur Verfügung in Form eines Einschusses in das Stiftungskapital. Die Gemeinde wird ihre Anliegen durch Vertretungen im Stiftungsrat einbringen.
Mit dem Theatersaal, dem Restaurant, verschiedenen Gewerberäumen und Wohnungen hat die Liegenschaft unterschiedliche Gebäudeteile. «Eine stabile und starke Trägerschaft wie die geplante gemischte, öffentliche und gemeinnützige Stiftung ist die beste Lösung für die Bewirtschaftung und die angestrebte vielfältige Nutzung. Dazu gehören Veranstaltungen, Räume für Vereine und Begegnung, Bibliothek, Mittagstisch und Tagesbetreuung, Café und Restaurant, Wohnen», schreibt die Gemeinde Köniz in ihrer heutigen Mitteilung.
Und weiter: «Die Gemeinde definiert als Stifterin die Stiftungstätigkeit und den Zweck. Damit kann sichergestellt werden, dass die (sozio-)kulturellen und gemeinnützigen Aktivitäten langfristig zugunsten der Könizer:innen und der breiten Öffentlichkeit gesichert sind. Dazu gehört nicht zuletzt die Kulturinstitution ‹Heitere Fahne› mit ihrem sozialen Engagement und kulturellem Programm.»
Aktuell wird das Geschäft zuhanden des Parlaments ausgearbeitet. Sagt das Parlament Ja, werden die Stimmberechtigten über die Gründung der Stiftung und den Erwerb der Liegenschaft abstimmen können.

Bild: «Gugus Gurte», «Heitere Fahne», Juli 2026 – Foto: © Joel Baumgartner, https://www.dieheiterefahne.ch/heitere-fahne/presse
«Geschichte weitererzählen»
Die ehemalige Bauereiwirtschaft an der Dorfstrasse war das Gasthaus der nahegelegenen Gurtenbrauerei, das Gesicht zur Strasse hin. Während auf dem Gurten-Areal gebraut wurde, war die Baurereiwirtschaft ein wichtiger Treffpunkt. Man feierte, diskutierte und pflegte das Miteinander. Die Brauereiwirtschaft in Wabern war ein weitherum bekannter und beliebter Ort für Versammlungen, Feste, Theater- und Tanzabende und Konzerte. Vor allem die Waberer Vereine nutzten den Saal regelmässig und häufig. Seit 2013 belebt das Kollektiv «Heitere Fahne» die ehemalige Brauereiwirtschaft als inklusiven Kulturort. Die Vision der Stiftung BOW (Begegnung Ortskern Wabern) knüpft an diese Tradition an. Das Gebäudeensemble soll wieder die Rolle spielen, die es über Jahrzehnte hinweg innehatte: ein lebendiger Treffpunkt im Herzen von Wabern.
Neue Kulturverträge
Der Gemeinderat unterstützt in seiner Vernehmlassungsantwort die Kulturverträge 2028–2031 der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM). In Köniz gibt es drei Kulturinstitutionen von regionaler Bedeutung, die im Rahmen von sogenannten tripartiten Leistungsverträgen vom Kanton, der RKBM und den Standortgemeinden unterstützt werden: Verein Kulturhof Schloss Köniz, BeJazz und Heitere Fahne / Kollektiv Frei_Raum (seit 2024). Gemäss dem Vorschlag der RKBM soll der Beitrag der «Heiteren Fahne» von 187’500 auf 309’900 CHF pro Jahr erhöht werden. Dies aufgrund der strukturellen Unterfinanzierung und der Teuerung, die seit 2016 erstmals ausgeglichen wird. Das Parlament entscheidet an seiner Sitzung vom 25. August 2026 über die Könizer Beiträge.
Mehr:
-> Geschichte der Brauereiwirtschaft [pdf, 67 KB]
-> www.ortskern-wabern.ch (Website der Stiftung)
-> Heitere News: Die Gemeinde Köniz will die Liegenschaft der Heitere Fahne kaufen und an eine Stiftung abgeben (Newsletter der «Heiteren Fahne»)
Quelle / Kontakt:
https://www.koeniz.ch/aktuell/medieninformation.page/1018/news/13327
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Kommentare von Daniel Leutenegger