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30. Juli 2022

«HEIDI BUCHER. METAMORPHOSEN II»

Ausstellung im Muzeum Susch, bis am 4. Dezember 2022

Bild oben: Heidi Bucher, Bodyshell, 1972, Schaumstoff mit Perlmutthaut, Courtesy The Estate of Heidi Bucher – Foto: Beverly Johnson

Mit ihren skulpturalen und performativen Materialtransformationen erforschte Heidi Bucher die dynamische Beziehung zwischen Körper und Raum, und sie  forderte künstlerische Kategorien heraus. Sie experimentierte mit den Möglichkeiten von Latex, um lebensgrosse architektonische Häute zu schaffen, die in einem Spiel von Präsenz und Abwesenheit des menschlichen Körpers zwischen Ort und Bewegung kulminieren. Diese symbolisch aufgeladenen Membranen sind sowohl organisch als auch konstruiert und stehen in enger Beziehung zum menschlichen Körper, insbesondere zur Haut.

Die grosse Retrospektive mit dem Titel «Metamorphosen II» präsentiert Buchers wegweisende Praxis, Medien avanciert miteinander zu verbinden, und sie zeigt mehr als 70 Schlüsselwerke, die im Muzeum Susch zusammengeführt werden – darunter wiederentdecktes und eigens restauriertes Filmmaterial, skulpturale Installationen und Arbeiten auf Papier.

Im Dialog mit der Architektur des Muzeum Susch spiegeln die Kunstwerke Buchers fortwährende Erforschung der Wechselwirkung zwischen Psychologie und Raum wider, die sich speziell auf die historisch damit verbundenen geschlechtsspezifischen, sozialen und politischen Normen konzentriert. Inspiriert durch das Manifest der Künstlerin «Parkettlibelle», bezieht sich der Titel der Ausstellung auf Buchers künstlerische Arbeitsweise als «Metamorphosenprozess».

Die Ausstellung versucht, Buchers einzigartige und zuvor weitestgehend unbekannte interdisziplinäre Praxis zu beleuchten. Werke aus der gesamten Karriere der Künstlerin umfassend, zielt sie darauf ab, alternative Wahrnehmungen der Gesellschaft durch die Aufweichung und Verrückung von Orten und Objekten zu präsentieren.

Beginnend mit ihrem Frühwerk, wie den in Kalifornien entstandenen «Bodyshells» (1972), stellt die Ausstellung Buchers Hauptwerk der 1970er-Jahre nach der Rückkehr aus den USA vor. Darin setzt sich die Künstlerin mit weiblicher Unterdrückung auseinander und schafft eine Bilderwelt in Form von Einbalsamierungen und Weichobjekten. Dies zeigt sich unter anderem in den Hauptwerken «Das Bett» (1975) und «Anna bei Sich» (1978). Diese Arbeiten, die aus familiären Fundstücken bestehen und mit Latex- und Perlmuttpigmenten einbalsamiert wurden, verweisen auf die Kultur der Häuslichkeit und bieten zugleich einen Weg, die Unterdrückung zu unterlaufen.

Stets einen ephemeren objektorientierten Ansatz mit metaphorischen Untermauerungen ausbalancierend, gipfelt die Ausstellung in Buchers bahnbrechendem Werk «Libellenlust (Kostüm)» von 1976. Es besteht aus den von Bucher so bezeichneten «Häutungen», die in Form einer Libelle arrangiert und mit Perlmuttpigmenten eingeriebenen wurden.

Als Heidi Bucher sich in den 1980er-Jahren gesellschaftlichen Institutionen zuwandte, wurde der Konflikt zwischen Privatem und Öffentlichem noch mehr zu einem Leitthema. Die Ausstellung vereint eine Auswahl bedeutender Arbeiten aus dieser Zeit, die etwa in der berühmten und vor dem Abriss stehenden psychiatrischen Klinik Bellevue am Bodensee entstanden sind, sowie eine Auswahl von Filmen und Objekten, die von der künstlerischen Intervention in einer Strafanstalt in Le Landeron stammen, einer kleinen Stadt in der Nähe von Neuenburg.

Während des letzten Jahrzehnts ihrer Karriere wurde die Insel Lanzarote für Heidi Bucher zu einem inspirierenden Rückzugsort. Dort konzentrierte sie sich auf die Natur und ökologische Aspekte. Das Element Wasser, das sowohl als Ende als auch als Anfang eines neuen Lebens gilt, wurde zu einem zentralen Bestandteil ihrer Arbeit und schliesslich zu einer Metapher für ihren eigenen frühen Tod.

«Heidi Bucher. Metamorphosen II» ist kuratiert von Jana Baumann, Senior Curator, Haus der Kunst, München.

Originalkonzept: Jana Baumann mit Krzysztof Kościuczuk.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Hauses der Kunst München mit dem Kunstmuseum Bern und dem Muzeum Susch. Parallel zur Ausstellung im Muzeum Susch präsentiert das Kunstmuseum Bern «Heidi Bucher. Metamorphosen I» vom 8.4. bis 7.8.2022.

ms

Kontakt:

https://www.muzeumsusch.ch/de/1019/Infuormaziuns-Praticas

https://www.muzeumsusch.ch/de/1563/Heidi-Bucher-Metamorphoses-II

Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:

https://www.ch-cultura.ch/museum-ausstellung-galerie/heidi-bucher-metamorphosen-i

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Heidi Bucher, in Latex gehüllt, während ihrer Häutungsaktion für Small Glass Portal, 1988 Bildnachweis: Der Nachlass von Heidi Bucher

Bild: Heidi Bucher, in Latex gehüllt, während ihrer Häutungsaktion für Small Glass Portal, 1988 – Bildnachweis: Der Nachlass von Heidi Bucher

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 30. Juli 2022
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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