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2. Februar 2023

IN SCHWEIZER MUSEEN BEFINDEN SICH FAST 100 OBJEKTE AUS DEM EHEMALIGEN KÖNIGREICH BENIN, VIELE DAVON MIT PROBLEMATISCHER GESCHICHTE

Zum heutigen Swiss Benin Forum: Übergabe des Berichtes des BIS-Forschungsprojektes an die nigerianische Delegation und gemeinsame Erklärung (Joint Declaration) zum zukünftigen Umgang mit den Benin-Sammlungen und zu geplanten Kooperationen zwischen Nigeria und Schweizer Museen

Bild: Gürtelmaske, Werkstatt des Hofes von Benin, Nigeria, Königtum Benin, Edo, 17./18. Jh., Messing, Eisen, 21 × 12,8 × 5,2 cm, Museum Rietberg, Inv.-Nr. 2011.9, Ankauf mit Mitteln von Regula Brunner-Vontobel © Museum Rietberg, Foto: Rainer Wolfsberger

Provenienz: 17./18. Jh.–1897, Königspalast Benin City; 1897 geplündert durch britische Armee; vor 1900–1901, William D. Webster; 1901– ca. 1920er, Sammlung Hans Mayer, Leipzig; ca. 1930–1955, Ernst Heinrich, Stuttgart; 1960er–2009, Tochter von Ernst Heinrich, USA; 2009, Loed und Mia van Bussel, Amsterdam; 2010–2011, Jacques Germain, Montreal

Anlässlich des heutigen Swiss Benin Forums stellte das Team der BIS – Benin Initiative Schweiz den Bericht mit den Forschungsergebnissen der ersten Phase der Öffentlichkeit vor und übergab diesen einer zehn Personen umfassenden Delegation aus Nigeria. Alle beteiligten PartnerInnen haben sich darüber hinaus in einer gemeinsamen Erklärung – Joint Declaration of the Swiss Benin Forum – über den zukünftigen Umgang mit den Benin–Sammlungen in Schweizer Museen und die geplante Zusammenarbeit geeinigt.

Im Juni 2021 startete mit der BIS ein vom Bundesamt für Kultur (BAK) unterstütztes Forschungsprojekt, bei dem sich acht Schweizer Museen unter Federführung des Museums Rietberg in einem Verbund zusammengeschlossen haben. Neben der Vernetzung der Museen in der Schweiz sind die Zusammenarbeit und der Austausch mit Nigeria zentral, um die Provenienzen der Sammlungen aus dem Königtum Benin in Nigeria zu untersuchen.

Das Königreich Benin im heutigen Nigeria blickt auf eine lange Verflechtungsgeschichte mit dem Globalen Norden seit dem 15. Jahrhundert zurück. Während zu Beginn der kulturelle Austausch und Handel (u.a. mit Messing) im Vordergrund standen, mündete die koloniale Eroberung des afrikanischen Kontinents 1897 in eine Militäraktion der britischen Armee gegen die Hauptstadt Benin City. Dabei wurde der Palast niedergebrannt und der König (Oba) ins Exil geschickt. Schätzungsweise 10’000 Gegenstände aus Messing, Elfenbein und Holz wurden geplündert. Diese so genannten «Benin–Bronzen« gelangten über den Kunsthandel in private und öffentliche Sammlungen in aller Welt – darunter auch in Schweizer Museen.

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes der BIS steht die kollaborative Provenienzforschung. Das Ziel ist es, die Erwerbszusammenhänge in der kolonialen Vergangenheit zu erhellen und die Rolle der Schweiz im Handel mit geplünderten Objekten aus Benin City zu verstehen. Der neue Ansatz ist dabei, nicht nur, westliche Quellen und Archive heranzuziehen, sondern ebenso die nigerianische Perspektive auf die Geschichte und Gegenwart der Benin–Objekte mit einzubeziehen.

Von Beginn an arbeiteten das BIS–Team und die Anthropologin Alice Hertzog mit der nigerianischen Historikerin Enibokun Uzebu–Imarghiabge zusammen, die in Benin City zur Oral History der Stücke forschte und Interviews mit ExpertInnen aus Wissenschaft, Museen, Palastgesellschaft und Gilden führte.

Wichtige Erkenntnisse des Berichtes

In den acht öffentlichen Museen der Schweiz wurden insgesamt 96 Objekte identifiziert, die dem Königtum Benin zugeordnet werden können. Dabei reicht die Anzahl von Benin–Objekten von drei (Schlossmuseum Burgdorf) bis zu 21 Werken (Museum der Kulturen Basel).

Das Forschungsteam entwickelte vier Kategorien, um die Benin–Objekte einzuordnen:

– Kategorie 1 (geplündert) und 2 (wahrscheinlich geplündert)

Insgesamt gehören 21 Objekte der ersten Kategorie an, was 22% der Schweizer Benin–Beständen entspricht. In diesen Fällen gibt es schriftliche Quellen oder andere Indizien (z.B. Brandspuren), die einen direkten Zusammenhang mit 1897 belegen.

Zur zweiten Kategorie zählen insgesamt 32 Benin–Objekte (34%). Hier fehlen zwar schriftliche Hinweise auf 1897, allerdings handelt es sich um höfische Kunst, die bis ins 19. Jahrhundert nur für den Palast hergestellt und dort aufbewahrt wurde. Somit ist es höchst wahrscheinlich, dass sie ebenfalls 1897 bei der Eroberung des Palastes durch die Briten gewaltvoll angeeignet wurden.

-> Für die Gespräche mit der nigerianischen Delegation über die Zukunft der
Schweizer Benin–Sammlungen spielen die Kategorie 1 und 2 eine wichtige Rolle.

– Kategorie 3 (wahrscheinlich nicht geplündert) und 4 (nicht geplündert)

Bei den weiteren 16 und 27 Stücken (16% und 28%) ergab die Forschung, dass sie sehr wahrscheinlich nicht bzw. ganz sicher nicht mit der Militäraktion von 1897 in Zusammenhang stehen. Dazu gehören zum Beispiel Objekte, die nicht im höfischen Kontext standen und in der späteren kolonialen bzw. nachkolonialen Zeit hergestellt und gehandelt wurden.

-> Diese Objekte sind nicht Teil der Gespräche. Sie verweisen jedoch auf die Brüche und Kontinuitäten der künstlerischen Produktion nach 1897 (Neo–Benin) sowie auf die Entstehung eines lokalen Kunsthandels in Nigeria.

Die Forschungsergebnisse belegen, dass acht Objekte direkt nach 1897 vom Basler Museum angekauft wurden, der Grossteil der Bestände gelangte hingegen später über einen langen Zeitraum bis 2022 in die Schweizer Museen. Dabei spielten private SammlerInnen und der internationale und Schweizer Kunstmarkt eine wichtige Rolle.

Joint Declaration of the Swiss Benin Forum

Die Schweiz hat zwar nie Kolonien besessen und war auch nicht an der Plünderung des Palastes in Benin City beteiligt. Bislang gab es auch noch keine Rückgabeforderungen an Schweizer Museen. Jedoch ist es den Schweizer Museen der BIS ein wichtiges Anliegen, proaktiv und verantwortungsvoll mit ihren kolonialen Sammlungen umzugehen.

In der BIS stehen sowohl die Zusammenarbeit und der Dialog mit PartnerInnen aus Nigeria und der Diaspora als auch grösstmögliche Transparenz und Offenheit im Mittelpunkt. Die nigerianische Delegation und die Mitglieder der BIS haben eine gemeinsame Erklärung über den zukünftigen Umgang mit den Schweizer Benin–Sammlungen und über geplante Kooperationen erarbeitet, die am 2. Februar 2023 während des Benin Forums verkündet wurde. Darin zeigen sich die beteiligten Museen offen gegenüber einer Übertragung des Eigentums (transfer of ownership) an den geplünderten und höchst wahrscheinlich geplünderten Objekten, die eine Rückführung (repatriation), eine Zirkulation oder Leihgaben an Schweizer Museen beinhalten können.

Sowohl die nigerianische als auch die Schweizer Seite sind sich einig, wie wichtig weitere Kooperationen auf musealer, wissenschaftlicher und künstlerischer Ebene sind. Die Erklärung wurde unterzeichnet von allen Museen der BIS, von Vertretern des Palastes, vom Generaldirektor der National Commission of Museums and Monuments, von Vertretern der nigerianischen Botschaft in der Schweiz sowie von nigerianischen ForscherInnen und KünstlerInnen.

Ausblick und weiteres Vorgehen

Im Dezember 2022 entschied das Bundesamt für Kultur (BAK), die Benin Initiative Schweiz erneut für ein Jahr finanziell zu unterstützen. Für die zweite Projektphase ab Februar 2023 bis Februar 2024 sind drei Ziele definiert: Das erste Ziel besteht darin, gemeinsam neue Formen und Wege zu finden, die Erkenntnisse über die Provenienzen der Benin–Sammlungen sowohl der breiten Öffentlichkeit als auch dem Fachpublikum zu vermitteln. Zusammen mit den nigerianischen ProjektpartnerInnen soll zudem der Kontext der Erwerbungen der schweizerischen Benin–Stücke – von deren Herstellung über den Gebrauch bis zum Handel der Objekte – besser beleuchtet werden. Das dritte Ziel ist die gemeinsame Entwicklung neuer Methoden für die Zusammenarbeit von Museen im Kontext umstrittener Sammlungen und problematischer Provenienzen. In Kooperation mit nigerianischen KollegInnen sind für das Jahr 2024 in mehreren BIS–Museen Satellitenausstellungen geplant, um die Erkenntnisse der Forschung und den Prozess der Aushandlung des Umgangs mit dem geteilten Erbe einer
grösseren Öffentlichkeit zu vermitteln.

bis

Mehr:

– mehr zur Benin Initiative Schweiz (BIS) unter rietberg.ch/bis 
– zum offiziellen BIS–Bericht: rietberg.ch/bis#bericht 
– Joint Declaration sowie Kurzbiographien und Statements der nigerianischen
Delegation unter rietberg.ch/bis#swissbeninforum 

#BeninInitiativeSchweiz #SwissBeninForum #BIS #BeninSammlungenSchweiz #JointDeclarationoftheSwissBeninForum #MuseumRietberg #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 2. Februar 2023
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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