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6. Juli 2024

«KIESLER HEUTE. WERKDIALOGE MIT ZEITGENOSS:INNEN» /// ERWEITERUNG KUNSTHAUS ZUG

Ausstellung im Kunsthaus Zug, bis am 6. Oktober 2024

Bild: Friedrich Kiesler, Large Horse Galaxy, 1954 – Foto: Jorit Aust Photography, The Estate of Frederick Kiesler, New York © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien

Mit Olafur Eliasson, Heidulf Gerngross, Eric Hattan, Michael Kienzer, Karl-Heinz Klopf, Peter Kogler, Sara Masüger, Bruce Nauman, Christoph Rütimann, Peter Sandbichler, Adrian Schiess, Thomas Schütte, Roman Signer, Kerstin Stoll, Studio Other Spaces, Diana Thater und Heimo Zobernig

In der Schweiz ist der bedeutende multidisziplinäre österreichisch-US-amerikanische Universalkünstler Friedrich Kiesler (1890-1965) bis zur umfassenden Ausstellung «Friedrich Kiesler – Us, You, Me» (25.2.–26.5.2024) im Kunsthaus Zug weitgehend unbekannt gewesen. Jedoch inspirierte er bereits zu Lebzeiten und bis heute Künstlerinnen und Künstler weltweit. In New York schätzten ihn beispielsweise Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Andy Warhol, mit denen er befreundet war. Zu den Kiesler-Preisträger:innen der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung gehören Olafur Eliasson, Bruce Nauman und Heimo Zobernig. Sie beteiligen sich an der Folgeausstellung «Kiesler heute – Werkdialoge mit Zeitgenoss:innen» im Kunsthaus Zug. Passend zum transformativen Kunstbegriff von Kiesler wird sich seine Einzelausstellung «Us, You, Me» nun in eine kollektive Schau verwandeln. Einige Werke von ihm machen Platz für aktuelle Arbeiten von sechzehn Positionen. Vertrer:innen mehrerer Generationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA haben geeignete Werke dafür ausgewählt beziehungsweise schaffen neue Skulpturen und Installationen.

Die vielen medialen Facetten von Kieslers Kunst zwischen Malerei, Skulptur und Environment, Display, Design und Architektur sowie inhaltliche Schwerpunkte wie Raum, Mensch und Kultur, Natur und Weltraum, Wahrnehmung und Körper werden so dialogisch angesprochen. Die experimentelle Ausstellung, die mit den Kunstschaffenden zusammen entwickelt wurde, soll neue Erkenntnisse über das Werk von Kiesler aus künstlerischer Sicht vermitteln und die Besuchenden zu eigener Kreativität und Fantasie anregen.

Kuratiert von Matthias Haldemann und Fabienne Loosli (Assistenz)

VORPROJEKT FÜR DIE ERWEITERUNG DES KUNSTHAUSES ZUG

Zusätzlich stellen Olafur Eliasson und Sebastian Behmann, Gründer des Architekturbüros Studio Other Spaces, Berlin, das Architekturmodell ihres Vorprojekts für die Erweiterung des Kunsthauses Zug vor.

Auf der partizipativen Website www.kunsthauszug.ch können Interessierte sich über die Entstehung und den Verlauf der Ausstellung und über das Vorprojekt zur Erweiterung des Kunsthauses Zug laufend informieren und ihre Gedanken, Anregungen und Fragen dazu gerne mitteilen.

Die Gründe für die geplante Erweiterung

Das Kunsthaus Zug besitzt dank der Stiftung Sammlung Kamm die bedeutendste Kollektion der Wiener Moderne ausserhalb Österreichs. Diese «Schatzkammer» umfasst Werkgruppen von renommierten Künstlern wie Josef Hoffmann, Gustav Klimt, Richard Gerstl, Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Fritz Wotruba u.v.a. sowie wichtige Bestände klassischer moderner Kunst.

Dazu zählen Bilder, Papierarbeiten und Skulpturen ebenso wie Werke der angewandten Kunst, Möbel, Geschirr, Gläser, Stoffe, Bücher. Hinzu kommen die zahlreichen Sammlungsbestände der Zuger Kunstgesellschaft mit den Hauptbereichen Schweizer Surrealismus und Fantastik, zeitgenössische Kunst und Kunst der Region.

Aus Platzmangel können die Werke der facettenreichen Sammlung mit rund 10’000 Werken allerdings nicht gleichzeitig in einer Auswahl neben Wechselausstellungen kontinuierlich gezeigt werden.

Durch die Vergrösserung der Ausstellungsflächen wird es in Zukunft möglich sein, die Sammlung mit verschiedenen, grösseren und kleineren Wechselausstellungen parallel zeigen zu können, um ein breiteres Publikum anzusprechen und die Sammlung vertiefter zu vermitteln.

Dies entspricht nicht nur einem immer wieder geäusserten Wunsch des Publikums, das sich für die Sammlung interessiert. Auch kann heute die Auflage des Dauerleihgabe-Vertrags mit der Stiftung Sammlung Kamm nicht eingehalten werden, der vorsieht, dass repräsentative Teile der Dauerleihgabe permanent gezeigt werden.

Die Infrastruktur der Anfang der 1990er-Jahre von Franz Füeg zum Kunsthaus Zug umgebauten Anlage «Kaiser im Hof» aus dem 16. Jahrhundert bedarf dringend einer Optimierung und Erweiterung, um heutigen Ansprüchen der Besuchenden sowie den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen.

Es braucht ein definitives Kunstdepot ausserhalb, damit der beschränkte Platz an der Dorfstrasse für die Präsentation der Kunst optimal genutzt werden kann.

Den Status quo beizubehalten ist keine Option: Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wie beispielsweise Rollstuhlgängigkeit und Brandschutz, die verbesserte Infrastruktur beim Workshopraum für Schulen, bei Toiletten, Garderobe, Empfang, Kunstdepot und der Kunstanlieferung sowie die dringend erforderliche Werkstatt und ein Materiallager sowie ein Ort für Anlässe sind unumgänglich. Sowohl betrieblich als auch gesellschaftlich lässt es sich nicht länger verantworten, das Potential der aktuellen Investitionen von Privaten wie von der öffentlichen Hand in Haus und Kunst nicht auszuschöpfen. Kommt hinzu, dass die Kunstmuseen der umliegenden Kantone stark ausgebaut und attraktiver wurden.

«Kurz gesagt: ‚Nicht-Erweitern‘ bedeutet, das Kunsthaus Zug hat keine Zukunft!», heisst es auf der Webseite des Hauses. Darüber hinaus werde das Erweiterungsvorhaben am bewährten Standort mit einem Nachdenken über die betrieblichen Aufgaben und Instrumente des zukünftigen Kunsthauses Zug in einer sich rasant verändernden Zeit verknüpft.

Die Rolle des Architekturbüros Studio Other Spaces (SOS), Berlin mit Olafur Eliasson (Künstler) und Sebastian Behmann (Architekt)

Im Rahmen von «Projekt Sammlung», dem vom Kunsthaus Zug konzipierten Sammlungsmodell für die Förderung langjähriger künstlerischer Kooperationen, begann die Zusammenarbeit mit dem Künstler Olafur Eliasson bereits 2004 mit «The body as brain», einer Ausstellungsserie, die das Museum zum Labor für die Erforschung der eigenen Wahrnehmung machte.

Dafür entstanden mehrere ortsspezifische Installationen – «The body as brain» (2003-2008) und «The moving museum» (2009) – die sich mit möglichen Transformationen des Gebäudes befasste und zum gemeinsamen Nachdenken über die Anforderungen an eine zeitgemässe Kunst- und Kulturinstitution anregen sollten. SOS, das Büro für Architektur und Kunst, das Eliasson 2014 mit dem Architekten Sebastian Behmann gründete, arbeitet nun mit dem Bauherrenvertreter Martin Kümmerli, mit Hegglin Cozza Architekten und dem lokalen Planerteam an der tatsächlichen Transformation des Kunsthaus Zug. Seit 2019 wurde das vorliegende Vorprojekt in enger Zusammenarbeit von SOS mit Expert:innen, dem Kunsthaus-Team und Behörden ausgearbeitet.

Die Idee der Erweiterung

Die Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug und die Zuger Kunstgesellschaft planen als Trägerinnen des Kunsthauses Zug eine unterirdische Erweiterung des Kunsthauses am bestehenden Standort an der Dorfstrasse 27 in Zug. Ziel dieser aussen kaum sichtbaren Erweiterung ist, für die vielfältige und umfangreiche Sammlung mehr (Ausstellungs-)Raum zu schaffen, einen attraktiven Ort für die vielfältige Vermittlung von Kunst bereitzustellen, ein vielfältiges Ausstellungsangebot zu machen mit Einbezug von Kunstschaffenden aus der Region, das Gebäude den heutigen infrastrukturellen und gesetzlich vorgegebenen Museumsansprüchen soweit möglich anzupassen, es für ein breiteres Publikum inhaltlich und räumlich zu öffnen und einen städtebaulichen Mehrwert zu kreieren.

Das Projekt für diese Erweiterung umfasst verschiedene Bauvorhaben: Den unterirdischen Erweiterungsbau zwischen dem historischen Herrenhaus Dorfstrasse 27 und seinen nach den Plänen von Franz Füeg geschaffenen Ergänzungsbauten und der Stadtmauer mit einer Aussentreppe nahe der Stadtmauer. Die historische Anlage mit den modern umgebauten Flügelbauten bleiben erhalten. Das Herrenhaus wird im ersten Stock als Bar/Kaffee dienen. Die modulare Struktur ist flexibel und ermöglicht vielfältige, auch interdisziplinäre Kunstpräsentationen in kleinen, mittleren und grossen Räumen.

Ein angedachter Neubau, «The Museum’s Archive», ein Schaudepot für die Sammlung nach den Plänen von Ilya und Emilia Kabakov soll unter dem Daheimpark durch einen Gang mit dem Kunsthaus verbunden werden und unterquert die historische Stadtmauer. Für dieses Vorhaben konnte bisher keine Einwilligung der kantonalen Denkmalpflege erreicht werden.

«Nutzen für die ganze Bevölkerung»

«Neben den Kunstinteressierten bringt ein erweitertes Kunsthaus auch der breiten Bevölkerung auf vielfältige Weise einen Nutzen. Der mit dem Erweiterungsprojekt aufgewertete öffentlich zugängliche Garten lädt zum Begehen und Verweilen ein. Auch der Hof wird aufgewertet. Eine Umnutzung des Huwilerturms durch SOS wird mit der Stadt geprüft. Der Turm soll für kulturelle, künstlerische und private Anlässe genutzt werden können. Durch seine zweiseitige Öffnung kann der Kunsthausgarten mit dem Daheim-Park als Teil eines Naherholungsparks verbunden werden. Park, Turm, Kunsthaus und Burgbachgebiet werden zusammengeschlossen, eine städtebauliche Aufwertung. Alt und neu, Geschichte und Gegenwart, Stadt und Kunst verbinden sich innen und aussen zu einem besonderen Erlebnisort.», heisst es im Vorprojekt. Dazu komme eine frei zugängliche, kleine Bar (Kaffee), was von Besuchenden gewünscht werde.

Zug sei regelmässig national und international in den Schlagzeilen, schreiben die Verfasser. Dass es «die andere Seite von Zug» auch gibt, nämlich ein lebendiges Kulturleben und ein vielgestaltiges, attraktives Kunsthaus, trage zu einer differenzierteren Wahrnehmung der Stadt bzw. des Kantons von aussen wie von innen bei.

Neue Website

Die mit Anregungen von SOS gestaltete Website «Das transparente Museum» ist als virtuelle Repräsentation des Kunsthauses Zug mit der Analyse und architektonisch-künstlerischen Umgestaltung zusammengedacht. Auf der neu und interaktiv konzipierten Plattform orientiert das Kunsthaus über den Planungsstand, den Fortgang des Erweiterungsprozesses und ermöglicht das Sammeln von Feedbacks und Anregungen. Die vielen Bereiche des Kunsthauses, wie etwa die Kooperation mit Kunstschaffenden, die Forschung, der Austausch mit anderen Museen, die umfangreiche Kunstvermittlung, der Freundeskreis, und seine Position als sozialer Anker in der Stadt und Region Zug sind in die Gestaltung der Website aufgenommen worden.

Die nächsten Schritte

Am 20. Juni 2024 wurde mit Beteiligung von Olafur Eliasson und Sebastian Behmann von SOS das Vorprojekt der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, um Feedbacks, Anregungen, Fragen zu bekommen. Parallel erfolgt die Planung des künftigen Betriebs im erweiterten Kunsthaus.

Stadt und Kanton Zug haben einer spezialisierten Firma den Auftrag erteilt, eine Potenzialanalyse der Zuger Museen und insbesondere des Kunsthauses Zug zu erstellen.

Dazu wurde eine erste allgemeine Umfrage bei der Zuger Bevölkerung gestartet; eine zweite spezifisch zum Kunsthaus folgt im Sommer. Alle Resultate fliessen in den Erweiterungsprozess ein.

Die Finanzierung

Eine Erweiterungsstudie und das daraus hervorgegangene Vorprojekt von SOS in Kooperation und Abstimmung mit dem Kunsthaus-Team, mit Expertinnen und Experten, mit dem lokalen Planer-Team und Behörden wurden seit 2019 vollumfänglich von privaten Geldgebern finanziert.

Für die Realisierungskosten stehen bereits seit längerer Zeit private Mittel von Mäzen:innen und Stiftungen zur Verfügung oder sind in Aussicht gestellt. Auch der laufende Planungskredit ist privat finanziert. Für die eigentlichen Erweiterungsarbeiten ist eine mehrheitlich private Finanzierung mit Unterstützung der öffentlichen Hand geplant.

khz

Mehr:

Vorprojekt Erweiterung SOS © 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug

https://kunsthauszug.file.core.windows.net/www/file/a12557b3-1248-4b7f-be73-c01a345f69a1.pdf

Kontakt:

https://kunsthauszug.ch/de

#FriedrichKiesler #ErweiterungKunsthausZug #SOS #StudioOtherSpaces #OlafurEliasson #SebastianBehmann #MatthiasHaldemann #StiftungderFreundeKunsthausZug #ZugerKunstgesellschaft #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Rendering, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug

Bild: Rendering, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug

Rendering, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug

Bild: Rendering, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug

Modell, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug, Alexandra Wey

Bild: Modell, Copyright 2024 Studio Other Spaces, Kunsthaus Zug, Alexandra Wey

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. Juli 2024
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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