20. März 2012
Kroklokwafzi? Semememi!
«Nonsense – Spielarten einer merkwürdigen Literaturgattung»: Ausstellung im Literaturmuseum Strauhof , Zürich, vom 21. März bis zum 03. Juni 2012

Bilder: zVg
Horch
– ein Schrank geht durch die Nacht,
voll mit nassen Hemden –
den hab ich mir ausgedacht,
um Euch zu befremden.
Das
ist ein Nonsense-Gedicht, geschrieben von F.W. Bernstein (*1938) in den 1970er-Jahren.
Entstanden ist diese merkwürdige Literaturgattung aber viel früher:
Am 10. Februar 1846 erschienen zwei Hefte voller Limericks und Zeichnungen
unter dem Titel «A Book of Nonsense». Sie stammten vom Tiermaler Edward Lear
(1812-1888), und erfunden hatte er sie, um Kinder zu amüsieren.
Ebenfalls für Kinder entstand die Geschichte, die 1865 unter dem Titel «Alice’s Adventures in Wonderland» erschien. Hinter dem Namen des Autors Lewis Carroll (1832-1898) verbarg sich Charles Lutwidge Dodgson, ein Mathematikdozent aus Oxford.
Den Büchern gemeinsam war, dass sie die Wirklichkeit nicht als gegeben hinnahmen. Sie schufen vielmehr neue Welten, in denen andere Regeln galten als in der strengen Welt von Königin Victoria, die damals regierte.
Und weil das Ganze ja unter «Unsinn» und «Kinderbücher» lief, konnte man sich Frechheiten und Angriffe auf die herrschende Moral leisten, die sonst undenkbar gewesen wären.
Die Ausstellung stellt auch Christian Morgenstern (1871-1914) vor, der – ohne Lear und Carroll zu kennen – den deutschen Nonsense begründete.
In seiner
Nachfolge zu sehen sind F.W. Bernstein und seine Freunde Robert
Gernhardt (1937-2006) und F.K. Waechter (1937-2005), die mit allen
möglichen Arten von Komik experimentierten.
In der Schweiz derweil entwickelte Kaspar Fischer (1938-2000) neue Formen von Theater. Darin spielten Menschen nicht nur Menschen, sondern auch Gegenstände oder Gefühle, ja in einem Fall gar sämtliche Zutaten einer Gemüsesuppe.
Immer schon hatte der Nonsense eine grosse Vorliebe für Bild, Musik und Vortragskunst. Deshalb gibt es in dieser Ausstellung nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu hören. Der schottische Schauspieler Graham F. Valentine, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Christoph Marthaler, hat eigens dafür Texte auf Deutsch und Englisch eingelesen. Und der Schweizer Komponist und Sänger Markus Schönholzer, dem wir unter anderem den Song-Zyklus «The Circus McGurkus» und das Musical «Die Schweizermacher» verdanken, hat für jeden Schwerpunkt der Ausstellung eine neue Komposition geschaffen.
msz

Bild oben: F.W. Bernstein, GRAFISCH. © F. W. Bernstein
Bild unten: F.K. Waechter, Cartoon für die Nonsense-Beilage «Welt im Spiegel», Juli 1971

Mehr Bilder:
Musik:
Eigens für die Ausstellung komponierte Lieder von Markus Schönholzer.
Download frei.
-> Markus Schönholzer: Lewis Carroll, Jabberwocky (Audio, 3 MB)
-> Markus Schönholzer: F. W. Bernstein, Der Depp (Audio, 2 MB)
-> Markus Schönholzer: Christian Morgenstern, Galgenbruders Lied (Audio, 2 MB)
-> Markus Schönholzer: Edward Lear, The Jumblies (Audio, 43 MB)
-> Markus Schönholzer: Metamorphose (Audio, 5 MB)
«Kroklokwafzi? Semememi!»
Mehr als Christian Morgenstern: Höherer Blödsinn im Literaturmuseum Strauhof
Das Museum Strauhof bringt Ordnung in die Welt des Nonsense: Die neuste Ausstellung präsentiert Blödsinn der Spitzenklasse – von Edward Lear bis Kaspar Fischer, mit Abstechern zu Dada und Surrealismus. Fazit: Nonsense ist schwer verdaulich.
Urs Steiner auf «NZZ Online»:
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Radio DRS 1, «Echo der Zeit» vom heutigen Dienstag, 18.00 Uhr
Nonsense – Spielarten einer Literaturgattung
Die Nonsense-Literatur will Gegenstück sein zur ehrwürdigen Literatur, die Sinn ergibt. Die literarische Welt des Unsinns ist reich, verspielt und verrückt. Das zeigt nun eine Ausstellung in Zürich.
Verantwortlich für diesen Beitrag: Karin Salm
Link:
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Kontakt:
http://www.stadt-zuerich.ch/kultur/de/index/institutionen/museum_strauhof.html
Kommentare von Daniel Leutenegger