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28. Februar 2020

«MARION BARUCH. RETROSPEKTIVE – INNENAUSSENINNEN»

Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, vom 29. Februar bis am 21. Juni 2020 – Vernissage heute Freitag, 28. Februar 2020, 18.30 Uhr

Bild: Marion Baruch in ihrem Haus in Gallarate, Italien – Foto: © Noah Stolz

Entlang von Marion Baruchs (*1929) langem Leben lassen sich die Konflikte des 20. Jahrhunderts schildern: Faschismus, Kapitalismus, Kommunismus, Feminismus, Pazifismus, Migration, Klassen, Nationen, Religionen, Sprachgemeinschaften, politische Ideologien.

Marion Baruch beschäftigt sich mit Innenwelten und Aussenräumen. Die Künstlerin kreist dabei um die Leere und arbeitet mit Lücken, Durchsichten, Transparenz. Sie spricht von «void», meint damit aber nicht das spirituelle Nichts, sondern eher einen Freiraum im wörtlichen Sinn, der als Einladung ans Publikum zu verstehen ist.

Für ihr Projekt une chambre vide (2009) räumte die Künstlerin ein Zimmer ihrer kleinen Wohnung leer, um während eines Monats jeden Nachmittag, wenn die Sonne ein warmes Rechteck auf den Holzboden zeichnete, zum Gespräch einzuladen. Das Zimmer ist zwar leer, aber alles andere ist da: Offenheit, Neugier, das Glück des Austauschs, das warme Sonnenlicht …

Marion Baruchs Wortschöpfung innenausseninnen schafft eine einladende Offenheit und fragt danach, wer dazugehört und wer fremd bleibt.

Biografie 

Marion Baruch wird 1929 als Tochter ungarischstämmiger Eltern in Timisoara geboren. Diese Stadt im heutigen Norden Rumäniens zeichnet sich durch eine stark gemischte Bevölkerung aus. In Marion Baruchs jüdischem Elternhaus wird für die Erziehung der Tochter ein Kindermädchen engagiert, das zur deutschen Minderheit Rumäniens gehört. So lernt Marion Baruch als Kind zuerst Ungarisch und Deutsch, erst später in der Schule kommt das Rumänische dazu.

Als junge Frau schreibt sich Marion Baruch an der Akademie der Bildenden Künste in Bukarest ein, wo sie ein Jahr lang Kunst studiert, bevor sie das Land über Nacht nach Israel verlässt. Sie studiert an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem und belegte Kurse beim Maler Mordecai Ardon, einem Künstler des Bauhauses. Mit 24 Jahren hat sie eine erste Ausstellung in der Galerie Micra-Studio in Tel Aviv, durch welche sie ein Stipendium gewinnt. Dank diesem kann sie nach Italien reisen, wo sie ab 1955 an der Accademia di Belle Arti in Rom studiert. In Italien begegnet sie ihrem ersten und ihrem zweiten Ehemann. Mit letzterem baut sie zusammen mit dem Architekten Carlo Moretti ein Haus in Gallarate, dessen offene Struktur und grossen Fenster das Innere des Gebäudes mit dem Äusseren des Gartens zu verschränken scheinen. Eine Durchlässigkeit, wie sie für Marion Baruchs späteres Werk kennzeichnend ist.

Marion Baruch stellt in Italien und Frankreich aus. Sie arbeitet an der Schnittstelle zum Design, zunächst mit A.G. Fronzoni (1969-70) und später mit dem legendären italienischen Designer und Designproduzenten Dino Gavina, mit dem sie zwei radikale Designobjekte entwickelt, die zur Serie Ultramobile gehören, für die auch Meret Oppenheim, Man Ray und Sebastian Matta Entwürfe beisteuern. Die Ultramobile sind Nicht-Objekte mit einer metaphysischen Präsenz.

In den 1990er-Jahren wird Marion Baruch durch die Galerie Luciano Inga-Pin vertreten. Mit dieser Galerie entschliesst sich Marion Baruch, ihre Kunstwerke künftig mit NAME DIFFUSION zu unterzeichnen. NAME DIFFUSION wird im Handelsregister als Firma eingetragenen, die als künstlerisches Kollektiv verschiedene Projekte und Aktionen realisiert.

Von 1993 bis 2010 lebt und arbeitet Marion Baruch in Paris. Sie realisiert mit verschiedenen Gruppen kollektive Projekte, die sich mit Feminismus, neuen Technologien, Migration oder sozialen Fragestellungen kritisch auseinandersetzen: unter anderem L’autre Nom (1994), Tapis volant (2005 bis heute) und Mon cœur où est tu? (2009).

Marion Baruchs Werke werden in Galerien und Institutionen gezeigt wie Kunstmuseum Luzern, Mamco (Genf), Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, im Museion (Bozen), la Triennale (Mailand), Magasin (Grenoble), Palais de Tokyo (Paris), Galleria Nazionale d’Arte Moderna (Rom), Mambo (Bologna), Gröninger Museum (Groningen, Holland), Turner Contemporary (Margate), Fri-Art Kunsthalle (Fribourg, Schweiz), Kunst Werke (Berlin) Contemporary Art Biennial (Timisoara, Rumänien), und MA*GA (Gallarate). Ihre Werke sind in Sammlungen von les Abattoirs, Musée – Frac Occitanie Toulouse, der Galleria d’Arte Moderna, Rom, des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, dem Museion in Bolzen, Frac Nord-Pas de Calais und des MA*GA in Gallarate vertreten.

Aufgrund des Verlusts ihrer Sehkraft kehrt Marion Baruch 2010 nach Italien zurück. Seit sie in Gallarate, in der Nähe ihrer Familie lebt, stellt sie ihre Kunst wieder unter ihrem eigenen Namen aus. Die körperliche Einschränkung im hohen Alter zwingt die Künstlerin, ihre Arbeit nochmals neu zu entwickeln: Sie arbeitet aktuell mit Abfällen aus der Textilindustrie. Der Kontrast dunkler Stoffe auf weissem Grund erlaubt es ihr, raumfassende Installationen zu realisieren.

Das Kunstmuseum Luzern zeigt mit innenausseninnen die erste umfassende Retrospektive der Künstlerin. Marion Baruchs Projekt Une chambre vide wird in angepasster Form während der Ausstellung im Kunstmuseum Luzern präsentiert und lädt das Publikum zu einer Reihe von Begegnungen, Diskussionen, Referaten ein.

Die Retrospektive reist in adaptierter Form weiter nach Grenoble zu le Magasin des horizons, les Abattoirs, Musée – Frac Occitanie Toulouse und ins MA*GA, Gallarate.

Im Juni 2020 erscheint bei Mousse Publishing eine Monografie, die vielstimmig Marion Baruchs Werk vermittelt. Mit Texten u.a. von Noah Stolz, Fanni Fetzer, Laura Breitschmid, Dana Diminescu, Simone Menegoi, Martin Herbert, Marion Laval-Jeantet, Noah Stolz, Tatiana Trouvé, Victor Neumann, Emma Zanella, Annabelle Ténèze, Beatrice Josse, Andrea Viliani, Marie-Claude Jeune, Anne-Marie Morice, Erwin Kessler, Valerie Marange, Michelle Perrot, Nathalie Viot.

kml

Kuratiert von Fanni Fetzer und Noah Stolz

Kontakt:

https://www.kunstmuseumluzern.ch/

#MarionBaruch #innenausseninnen #KunstmuseumLuzern #FanniFetzer #NoahStolz #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 28. Februar 2020
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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