Ausstellung im Kunsthaus Glarus, noch bis am 30. Oktober 2011

Ursprünglichkeit trifft auf Modernität, Exotik auf Alltag, nüchterner Minimalismus auf bunte Popkultur: Vanessa Safavi (*1980 in Lausanne, lebt in Basel und Berlin) spielt in ihren Arbeiten mit gegensätzlichen Polaritäten von kulturellen Konzepten und Epochen, Zeichen und Materialien.
In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung zeigt sie im Kunsthaus Glarus neue Objekte, Skulpturengruppen und eine grossflächige Rauminstallation.
In ihren Arbeiten kombiniert die Künstlerin vielschichtige
kultur- und kunsthistorische Referenzen in Form von Objekten, Materialien,
Bildern und Zitaten und schöpft dabei aus dem Fundus ihres eigenen
multikulturellen Hintergrunds, aus ihren Reiseerfahrungen und ethnologischen
Recherchen.
Ihre Installationen und Materialassemblagen nehmen Referenzen zum Primitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts auf und bieten eine teils kritische, teils ironische Auseinandersetzung mit naiven Gestaltungsprinzipien.
Im Dialog von
vormodernen Materialien und modernem Wohlstandsmüll, popkulturellen Fetischen
und pseudo-primitiven Totems entstehen Installationen, die an liebgewonnenen
Stereotypen von fremden, als exotisch wahrgenommenen Kulturen rütteln.
Hintergründig verhandeln sie auch (nach-)koloniale Fragen kultureller
Hegemonie, Schuld und Unschuld des Tourismus und anderen subtilen Mechanismen
von Macht und Unterdrückung.
Der möglichen Problematik eines westlichen Blicks auf ethnologisch konnotierte Themen ist sich die Künstlerin bewusst; sie integriert sie mitsamt ihren Widersprüchlichkeiten.
Safavis Interesse richtet sich mit ihren Gegenüberstellungen von Elementen tribaler Traditionen und westlicher Postmoderne immer wieder auch auf alle kulturellen Werte und Güter betreffenden Fragen der Vergänglichkeit. Ihre Installationen könnten auch als post-industrielle Szenarien verstanden werden: Überbleibsel einer ehemals modernen Kultur nach ihrem Rückfall in ein vormodernes Leben.
Ganz nebenbei streift die Künstlerin auch verschiedene ökologische Fragestellungen und verschliesst sich selbst dem Magisch-Mythischen nicht. Solch fiktiv-utopische Gedankenspiele geschehen bei Vanessa Safavi allerdings nicht in kulturpessimistischer Manier; vielmehr offenbaren sie in spielerisch-leichtfüssiger Weise einen erfrischenden Relativismus. Dieser verweist statt auf die konflikthafte Isolierung auf die allgemein verbindende Humanität der Kulturen.
Safavi bietet dem Betrachtenden viel Spielraum für
eigene Gedanken, sie konstruiert ihre Bilder und Szenerien bewusst offen und
verzichtet auf festgesetzte Interpretationen.
Nach dem Abschluss des Studiums an der ECAL/Ecole Cantonale d’Art de Lausanne 2007 wurden Arbeiten der Künstlerin u.a. in Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Basel und dem Fri-Art in Fribourg sowie in Einzelausstellungen in der Galerie Claudia Groeflin in Zürich, der Galerie Chert in Berlin und dem Palais bleu in Trogen gezeigt.
2010 erschien in der Reihe der Collection Cahiers d’Artistes von Pro Helvetia eine erste monografische Publikation. Zu Beginn dieses Jahres verbrachte sie einen von Pro Helvetia unterstützten Atelieraufenthalt in Kapstadt/Südafrika und ebenfalls in diesem Jahr verbringt sie einen Aufenthalt in einem iaab-Atelier in Paris.
khg
Kontakt:
Kunsthaus Glarus
Im Volksgarten
CH-8750 Glarus
http://www.kunsthausglarus.ch
Kommentare von Daniel Leutenegger