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12. Oktober 2019

VERA MOLNAR, DIE 95JÄHRIGE GRANDE DAME DER DIGITALEN KUNST

Ausstellung im Museum of Digital Art (MuDA) in Zürich, bis am 9. Februar 2020

Bild: Vera Molnar plant ihre Ausstellung mit Caroline Hirt, Co-Direktorin des MuDA. Im Hintergrund Jacky Paul Meyer von der Galerie La Ligne. © Digital Arts Association 

Im Jahr 1968 überredete Vera Molnar den Leiter des Rechenzentrums der Universität Paris. Ob die damals 44jährige Künstlerin die neuen Forschungs-Computer dazu brauchen könnte, um algorithmische Zeichnungen zu berechnen? Trotz aller Bedenken bekam sie einzelne Minuten am Terminal zugesprochen, liess den Prozessor Formen und Linien kalkulieren und dann mit einem Stift plotten. In dem Moment wurde sie zu einer Wegbereiterin der Digitalen Kunst, die noch Generationen von KünstlerInnen inspirieren sollte, mit Ausstellungen im MoMA in New York, und nun im MuDA in Zürich.

Doch der Beginn ihrer programmatischen Erschaffung von Gemälden wird früher datiert. Als kleines Mädchen malte sie täglich den Sonnenuntergang über dem Balaton-See in Ungarn, wo sie aufwuchs. Schnell merkte sie, dass sie dabei immer die gleichen Farben benötigte, Rot- und Blautöne. Um zu verhindern, dass diese Farben schneller als die anderen zur Neige gingen, erfand sie ein System: Jeden Abend rotierte sie die Crayonstifte um eine Position. So entstand jedes mal ein Sonnenuntergang in einem neuen Farbschema und ihre Stifte nutzten sich gleichmässig ab.

Diese Denkweise entwickelte Vera Molnar ständig weiter; teilweise liess sie den Computer den Stift nach ihren Regeln führen, teils führte sie ihre Algorithmen von eigner Hand aus. «Computer sind wertlos ohne das menschliche Gehirn, das komplizierte Kombinationen zur Berechnung vorgibt.», sagt sie über den Gebrauch von Rechnern zur Herstellung von Kunst.

Ihre Ausstellung im noch jungen Museum in Zürich zeigt Arbeiten aus mehreren Phasen. Aus den 1960er-Jahren bis heute, teils Werke, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

«Vera Molnar verkörpert nicht nur die kulturelle Entwicklung des Computers, ihre Arbeit öffnet auch unzählige Türen für neue Sichtweisen in Gestaltung und Ausdruck, gerade in der Digitalen Kunst. Es ist ein absolutes Privileg, mit einer solchen eindrücklichen Persönlichkeit zu arbeiten», kommentiert Caroline Hirt, Co-Leiterin des MuDA.

Kurzbiografie Vera Molnar

Vera Molnar wurde 1924 in Ungarn geboren und ist eine der ersten Künstlerinnen, die mit Computern Kunst schuf. Sie studierte Kunstgeschichte und Ästhetik an der Budapester Kunsthochschule und zog 1947 nach Paris, wo sie noch heute lebt.

Sie war Mitbegründerin mehrerer bahnbrechender Künstlerforschungsgruppen, wie der G.R.A.V. (Groupe de Recherche d’Art Visuel), die kollaborative Ansätze für mechanische und kinetische Kunst untersucht, sowie der Forschungsgruppe für Kunst und Informatik am Institut für Kunst und Wissenschaft in Paris.

Noch vor dem Zeitalter des Computers entwarf die Künstlerin eine Technik, welche sie «Machine Imaginaire» nannte, um Algorithmen zu erschaffen. Diese ermöglicht die Erstellung von Bildserien von Hand nach vorgegebenen Kompositionsregeln. Ab 1968 wurde der Computer zum wichtigsten Werkzeug bei der Erstellung ihrer künstlerischen Arbeiten. Der Computer ermöglicht ihr, die endlosen Variationen von geometrischen Formen und Linien ausführlicher zu untersuchen.

MuDA

Das kleine Zürcher Museum der Digitalen Künste kuratiert Ausstellungen, veranstaltet Vorträge und Diskussionen in Verbindung mit Daten, Algorithmen und Gesellschaft, und gibt Workshops für Kinder, Erwachsene und Senioren. Das Museum, das erste seiner Art in Europa, wurde im Februar 2016 dank einer Crowdfunding-Kampagne eröffnet.

cp

Mehr zum Museum of Digital Art:

https://muda.co

Kontakt:

http://www.muda.co/veramolnar

http://www.veramolnar.com

Museum of Digital Art
Pfingstweidstrasse 101
8005 Zürich
E-Mail: zurich@muda.co
Telefon: +41 44 533 83 96

#VeraMolnar #MuseumofDigitalArtZürich #MuDA #CarolineHirt #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 12. Oktober 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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