2. Juli 2026
FOTOSTIFTUNG SCHWEIZ: DAS MARTIN-HÜRLIMANN-ARCHIV ONLINE
Das Archiv von Martin Hürlimann (1897–1984) ist nun vollständig erschlossen. Der Bestand des Verlegers, Kunsthistorikers und Fotografen umfasst sieben Jahrzehnte Reisefotografie und dokumentiert mit seiner Vielfalt historischer Bildträger fast ein Jahrhundert Fotografiegeschichte. Mit einem Pilotprojekt wurde im Zuge der Aufarbeitung der Umgang mit dem sensiblen Material Cellulosenitrat und -acetat geprüft. Ein grosser Teil des Archivs ist inzwischen digital erschlossen und über das Bildarchiv der Fotostiftung Schweiz online zugänglich.

Bild: Martin Hürlimann, Belüftungssystem in Hyderabad-Sindh, Indien (heutiges Pakistan), 1926-1927 – © Martin Hürlimann / Fotostiftung Schweiz, https://fotostiftung.zetcom.net/de/collection/item/98864/
Martin Hürlimann
12.11.1897 (Zürich) – 04.03.1984 (Zürich)
Studium von Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und deutscher Literatur in Zürich, Berlin, Leipzig. Eingehende Beschäftigung mit Musik und Theater. Als Fotograf Autodidakt. Weltreise 1922/23. 1926 Reise nach Indien und in das für Ausländer nur schwer zugängliche Nepal.
Reisejournalistisch spezialisierte sich Hürlimann auf Frankreich, Indien und den Fernen Osten. 1929 Gründer der Monatszeitschrift Atlantis (1964 in der Schweizer Kulturzeitschrift Du aufgegangen), der ersten Zeitschrift in Europa, die auf das Themenspektrum Länder, Völker, Reisen fokussierte. 1930 Gründung des Atlantis Verlags in Berlin. Heirat mit der Verlegertochter Bettina Kiepenheuer 1933, Typografin und Verlegerin von Kinderbüchern. 1934 erschien das «Atlantisbuch der Musik», das erste von zahlreichen Musikbüchern im Atlantis Verlag.
1936 Gründung einer Niederlassung des Atlantis Verlags in Zürich aufgrund der zunehmend bedrohlicher werdenden politischen Verhältnisse in Deutschland. 1939 Übersiedelung nach Zürich. 1944 wurde der Berliner Verlagssitz während eines Bombenangriffs zerstört.
Als Herausgeber und Redaktor der Zeitschrift Atlantis prägte Hürlimann die Reisefotografie im deutschsprachigen Raum wesentlich mit; die bekanntesten Reisereporter und Forscher fanden in Atlantis einen Abnehmer für ihre Bilder. Hürlimann leitete den Atlantis Verlag in Zürich bis 1967.
Bis ins hohe Alter besuchte Hürlimann wiederholt bestimmte Orte in Europa und Asien. Diese Reisen hatten vor allem einen kulturwissenschaftlichen Hintergrund, dienten aber auch dazu, Aufnahmen von Bauwerken und Landschaften zu aktualisieren.
Hürlimanns Fotobände erlebten meist mehrere Auflagen und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.
Präsident der Rietberg-Gesellschaft, des Collegium Musicum und des Zürcher Opernhauses. Zentralpräsident des Schweizerischen Buchhändler- und Verlegervereins. David-Octavius-Hill-Medaille 1966.
Quelle / Mehr:
https://fotostiftung.zetcom.net/de/artists/artist/797
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Kommentare von Daniel Leutenegger