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11. November 2019

«WERKSTATT ALPEN – VON MACHERINNEN UND MACHERN»

Ausstellung im Alpinen Museum der Schweiz, Bern, bis am 27. September 2020

Foto: © Nicole Hametner, https://www.alpinesmuseum.ch/de/medien

Das Alpine Museum der Schweiz ist zur Werkstatt geworden: In der neuen Ausstellung arbeiten Handwerkerinnen und Handwerker aus Bergregionen und zeigen, was es heisst, heute von der Handarbeit zu leben. Nah am Alltag, jenseits von Romantik und Nostalgie.

Alpines Handwerk ist beliebt. Nicht zuletzt bei Städterinnen und Städtern – oft verbunden mit der Sehnsucht nach nachhaltigen, «ehrlichen» Materialien und Arbeitsprozessen. Bereits lässt sich eine «Renaissance der Hand» feststellen: Der moderne urbane Freizeitmensch wendet sich gerne alten Praktiken zu wie dem Stricken, Weben, Töpfern, Zimmern. Im Selber-Handanlegen scheint in einer technisierten Umgebung Trost und Stärkung, ja ein Weg der «Selbstentdeckung» zu liegen – «Das habe ich selber gemacht!» – , wie der Philosoph Eduard Käser schreibt («Trost der Handarbeit», Audiotext in der Ausstellung).

Doch welches sind die Voraussetzungen dafür, dass sich heute vom Handwerk leben lässt? Von Kleidern, Käse, Skiern, Schuhen, Schindeln? Noch dazu in peripheren alpinen Regionen, für die Erreichbarkeit, Vernetzung oder die Rekrutierung von Fachkräften weit grössere Herausforderungen darstellen als für die Zentren. Wie gelingt Innovation? Und wie kann Handwerk die Regionalentwicklung fördern und jungen Menschen eine Perspektive bieten?

Die Macherinnen und Macher

Das Alpine Museum der Schweiz hat für seine erste Produktion als «Netzwerk und Museum» Handwerkerinnen und Handwerker aus dem ganzen Schweizer Alpenbogen gefragt und in die Ausstellung eingeladen. Etwa die Schindelmacherin Eva Gredig aus dem Bündner Safiental, für die Nähe und Bezug zum lokalen Material einen Standortvorteil bedeuten und zu den wichtigsten Qualitätsfaktoren gehören: «Das beste Holz für das Dach eines Stalls wächst neben dem Stall». Oder den Waadtländer Skibauer Lucas Bessard, der (urbane) Kundinnen und Kunden in seiner Werkstatt am Produktionsprozess teilhaben lässt – und damit eine Art stellvertretendes «Do-it-yourself»-Erlebnis ermöglicht. Oder den Muotathaler Schreiner Thomas von Rickenbach, der wahrnimmt, dass allein schon die Herkunftsbezeichnung «aus den Bergen» positive Assoziationen weckt.

All diese Berufsleute verbindet, dass sie traditionelles Wissen mit modernen Technologien, Fähigkeiten und Herangehensweisen kombinieren. Die positive Rückwirkung solcher Betriebe auf ihre Region ist umso grösser, je mehr Wert auf lokale Wertschöpfungsketten gelegt wird – etwa durch Genossenschaften und Kooperativen wie die «Casa della Lana» im Verzascatal, wo Wolle aus der ganzen Region gesammelt und ausschliesslich im Tal weiterverarbeitet wird. Oder die Kooperative «AlpenPionier», mit der zwölf Bio-Betriebe den Lebensmittelhanf derzeit äusserst erfolgreich wieder auf die Schweizer Teller holen.

Nähertreten, schauen, fragen

Der Blick in die Werkstätten bildet das Herz der Ausstellung: Eine Filminstallation führt das Publikum mitten in die Werkräume der Protagonistinnen und Protagonisten in allen Landesteilen, nahe an tätige Hände und präzis geführte Werkzeuge (Video und Installation: Brigit Rufer, Rob&Rose). In der Gastwerkstatt wird an mehreren Tagen pro Woche live gearbeitet: Nähertreten, über die Schulter schauen und Fragen sind erwünscht! Den Anfang machen Lernende der Geigenbauschule Brienz, die zeigen, wie sie aus grösstenteils einheimischem Fichten- und Ahornholz Geigen, Bratschen oder Celli herstellen (bis Dezember 2019). Zu den vertretenen Berufen in der Ausstellung gehören neben dem Schindelmachen, Schreinern, Ski- und Geigenbauen auch das Schuhmachen, Käsen und Weben.

Die «Werkstatt Alpen» führt durch alle relevanten Stationen, die ein handwerkliches Produkt durchläuft: vom Materiallager über die Werkbank bis hin zu Verpackung und Vermarktung. In der Schindelwerkstatt machen sich die Besucherinnen und Besucher selber ans Werk: In gemeinsamer Arbeit schindeln sie während der Ausstellungsdauer Teile des Alpinen Museums ein. Kinder schnallen sich einen Werkzeuggurt um und hämmern, sägen, verpacken und beschildern ihre eigene Kreation.

Die Ausstellung wird von einem breiten Veranstaltungsprogramm begleitet.

ams

Kontakt:

https://www.alpinesmuseum.ch/de/ausstellungen/werkstatt-alpen

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  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 11. November 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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