Der am 8. September 1929 in Berlin geborene deutsche Dirigent und Intendant Christoph von Dohnányi (Bild) ist am 6. September 2025 in München gestorben. Er studierte bereits mit 16 Jahren wie sein älterer Bruder Klaus (ehemaliger Hamburger Bürgermeister und Minister im Kabinett Willy Brandts) zunächst Rechtswissenschaften und wechselte dann zu Komposition, Klavier und Dirigieren an die Hochschule für Musik und Theater München, wo er sein Studium mit der Auszeichnung des Richard-Strauss-Preises abschloss. Mit 27 Jahren wurde er am Theater Lübeck zum jüngsten Generalmusikdirektor in Deutschland ernannt. Von 1977 bis 1984 war von Dohnányi Intendant und Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Von Hamburg aus begann seine internationale Karriere als Dirigent. Er dirigierte die meisten der weltbesten Orchester und gilt als einer der herausragenden Dirigenten seiner Generation. Von Dohnányi dirigierte über hundert Mal die Wiener Philharmoniker in Konzerten und in der Wiener Staatsoper und regelmässig die Berliner Philharmoniker. Als Operndirigent leitete Christoph von Dohnányi Inszenierungen des Royal Opera House Covent Garden, der Metropolitan Opera, der San Francisco Opera, der Lyric Opera of Chicago und der Opéra National de Paris. Im Jahre 2004 kehrte von Dohnányi nach Hamburg zurück und leitete bis 2010 als Chefdirigent das NDR Sinfonieorchester, jetzt NDR Elbphilharmonie Orchester. Der preisgekrönte von Dohnányi kämpfte für seine Idee, die Oper und das Musiktheater zu entstauben, und er engagierte sich auch für die Neue Musik (*)

Bild: Christoph von Dohnányi, 2016 – Foto: © Christian Michelides – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christoph_von_Dohn%C3%A1nyi_beim_Fest_der_Freude_2016.jpg
Ein Kämpfer für die Kultur
«Zufrieden ist kein Zustand, den man erstreben sollte. Man sollte in Frieden sein, in Frieden mit sich selbst und mit dem, was einen umgeben hat», so Christoph von Dohnányi. Es war ein bewusstes Leben voller musikalischer Arbeit, das Christoph von Dohnanyi gut neuneinhalb Jahrzehnte gelebt hat. Sich nicht mit seinem Talent zufrieden zu geben, sondern konzentriert und verantwortungsvoll etwas daraus zu machen, es zu nutzen und weiterzuentwickeln, das war ein erfolgreich gelebter Grundsatz von ihm.
Ludwig Hartmann
Der Grandseigneur unter den deutschen Dirigenten ist tot
Der gebürtige Berliner Christoph von Dohnányi prägte jahrzehntelang Oper und Orchester, nun ist er in München gestorben. Er wurde 95 Jahren alt.
1982 wurde Dohnányi Chef des Cleveland Orchestra, eines der führenden US-amerikanischen Klangkörper. Dort schätzte man seine europäische Prägung und seinen präzisen, zugleich ausdrucksstarken Dirigierstil. Auch bei internationalen Spitzenorchestern wie den Wiener, Berliner und New Yorker Philharmonikern war er ein gefragter Gastdirigent; später arbeitete er zudem mit dem London Philharmonia Orchestra und dem Orchestre de Paris.
lph/dpa
Der Sohn eines NS-Widerstandskämpfers hat an allen großen Opernhäusern der Welt dirigiert
Der gebürtige Berliner hatte an allen großen Opernhäusern der Welt dirigiert, stand am Pult der großen Orchester in Europa und den USA. Schon früh machte sich Dohnányi als engagierter Verfechter eines zeitgemäßen Musiktheaters und geschickter Manager des Opernbetriebs einen Namen.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/christoph-von-dohnanyi-li.3309086
Ein Detailarbeiter
Der bekennende Intellektuelle und Perfektionist war als Dirigent ein Detailarbeiter: «Ich bin einer, der bei den Proben am Anfang sehr viel auseinandernimmt». Den frühen Richard Strauss schätzte er als revolutionärer ein als Gustav Mahler – und legte davon bei seiner legendären Salome-Deutung bei den Salzburger Festspielen 1992 ein Zeugnis ab. Seine späten Interpretationen der Bruckner-Symphonien fesselten gleichsam mit intellektueller Durchdringung und höchster emotionaler Intensität. «Bruckner finde ich für die Musikgeschichte mit Abstand bedeutender als Mahler», so Dohnányi. «Er war der Erste, der diese Flächen komponiert hat.“
Videos:
NDR: Stars am Dirigentenpult: Christoph von Dohnanyi, 2006, 52 Minuten
https://www.ndr.de/fernsehen/stars-am-dirigentenpult-christoph-von-dohnanyi-2006,dohnanyi-116.html
NDR: Dohnanyi-und-NDR-Sinfonieorchester-Brahms-Sinfonie-Nr-4, 2007, 45 Minuten
NDR: Dohnányi über Brahms 4: «Ein Maximum an Kraft“, 14 Minuten
Philharmoniaa: Tom Service interviews Christoph von Dohnányi, 2015, 14:13 min.
Mehr:
https://christophvondohnanyi.com/en/
https://web.archive.org/web/20041209024628/http://www.klassikakzente.de/page_21422.jsp
https://colbertartists.com/artists/christoph-von-dohnanyi/
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118526448
https://www.discogs.com/de/artist/834229-Christoph-von-Dohn%C3%A1nyi
https://www.berlinerfestspiele.de/artist/0a911210-9c92-46f9-94a2-8cfcfe737604/christoph-von-dohn-nyi
https://www.deutschlandfunkkultur.de/christoph-von-dohnanyi-bei-den-wiener-philharmonikern-100.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Christoph_von_Dohn%C3%A1nyi
(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_von_Dohn%C3%A1nyi
#ChristophvonDohnányi #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Nachtrag vom 08.09.2025:
Er leitete mehrere Opernhäuser und alle grossen Orchester der Welt
Wer in einer politisch so engagierten und künstlerisch bedeutenden Familie aufwächst wie Christoph von Dohnányi, der wird sein Leben lang von tief verinnerlichten und kompromisslos hohen Massstäben geprägt. Musik war für diesen Dirigenten denn auch stets eine ethisch aufgeladene Angelegenheit – jenseits aller Weltverbesserungs- und Predigerallüren, denen er ebenso misstraute wie den Posen der Selbstdarstellung.
Julia Spinola
https://www.nzz.ch/feuilleton/nachruf-auf-den-dirigenten-christoph-von-dohnanyi-ld.1555267
Kommentare von Daniel Leutenegger