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2. Dezember 2025

«GLITZER»


Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur, bis am 17. Mai 2026

Fuegonails: Iconic Iconography, 2024 Foto: Regine Eurydike Hader © Fuegonails

Bild: Fuegonails – Iconic Iconography, 2024 – Foto: Regine Eurydike Hader © Fuegonails

Gisela Volá: Untitled, aus der Serie «Marea Verde», 2018 © Gisela Vola

Bild: Gisela Volá, Untitled, aus der Serie «Marea Verde», 2018 © Gisela Vola

Glitzer funkelt und flirrt, fasziniert und empört. Glitzer ist omnipräsent und auf Bühnen ebenso zu finden wie auf Protestplakaten und in Kinderzimmern. Der Schwerpunkt der Schau liegt auf Glitzer als Symbol für Zugehörigkeit, Empowerment und Selbstbestimmung und beleuchtet das glitzernde Material als Alltagsgegenstand wie auch dessen Einsatz in kollektiven Bewegungen. In Hamburg war die schillernde Schau ein Publikumsmagnet – das Gewerbemuseum Winterthur ergänzt sie mit Themen der Nachhaltigkeit und Ökologie und nimmt das Material selbst unter die Lupe.

The Huxleys: Places of Worship, 2021 Fotografie © The Huxley

Bild: The Huxleys, Places of Worship, 2021 – Fotografie © The Huxley

Rund 40 internationale Positionen aus Kunst und Gestaltung widmen sich Glitzer als Ausdruck der Freude an gesellschaftlicher Vielfalt und kollektiver Ausgelassenheit, als Mittel des Protests, der Performance und Popkultur, als Symbol der Sichtbarmachung von Gruppen und des Widerstands gegen Körpernormen. Gezeigt werden unter anderem ein glitzerndes Schweizer Jugendzimmer der Künstlerin Jenny Schäfer, Fotografien von Quil Lemons, GIFs von Molly Soda, Show-Perücken der Designer Karl Gadzali und Mohamad Barakat-Götz sowie Bühnenoutfits, zum Beispiel jene von Bill Kaulitz.

Aber auch die Museumsbesucher:innen waren und sind immer wieder eingeladen, sich zu beteiligen – sei es im Vorfeld der Ausstellung mit dem «Call for Glitter» und der Einsendung privater Lieblingsobjekte, oder sei es durch Ergänzungen wichtiger Glitzer-Ereignisse in einer funkelnden Timeline zur Geschichte des Materials. Und in einer offenen Werkstatt kann das Publikum viel Glitzerndes vor Ort selber gestalten.

Ausserdem wird das Material selbst in den Blick genommen. Was passiert, wenn es glitzert? Gibt es Vorbilder in der Natur? Und ist Bio-Glitzer tatsächlich öko-verträglich?

Pansy St. Battie: Model und Burlesque-Performer*in Foto: Xenia Curdova © Pansy St. Battie

Bild: Pansy St.Battie: Model und Burlesque-Performer*in – Foto: Xenia Curdova © Pansy St. Battie

AUSSTELLUNGSSTATIONEN

Die Ausstellung ist in sechs Kapitel gegliedert. Diese verdeutlichen, wie vielfältig, komplex und teils widersprüchlich die Kontexte sind, in denen Glitzer auftaucht.

«GLITTER UP!»

Der Raum «Glitter up!» untersucht die Rolle von Glitzer in Protesten und der Auseinandersetzung mit Körperidealen, Rollenerwartungen und Sichtbarkeit von marginalisierten Gruppen. Dokumentarische Aufnahmen von Mirjana Mitrovic, Gisela Volá, Analia Cid, Marina Carniglia, Mercedes Grassi King und Ayelen Rodriguez zeigen grünen und pinken Glitzer als aktivistisches Material feministischer Proteste und als Symbol von Solidarität in Mexiko und Argentinien. Die US-amerikanische Fotografin Hannah Altman lenkt in ihren Porträts mit effektvollem Glitzer die Blicke auf tabuisierte Körperflüssigkeiten und Imperfektionen. Lorenzo Triburgo und Sarah Van Dyck aus New York City verwischen in ihrer fotografischen Serie Gendergrenzen und nehmen selbstbewusst historische Orte und Posen ein. Die Burlesque-Performancekünstler:in Pansy St. Battie setzt sich, den eigenen Körper und den Rollstuhl selbstbewusst glitzernd in Szene. Daneben thematisiert der inzwischen als Modefotograf und Künstler weltweit rezipierte Quil Lemons in seiner Fotoserie «Glitterboy» stereotype Männerbilder und die fehlende Sichtbarkeit Schwarzer Jungen.

«SPARKLE AND SHINE»

In «Sparkle and Shine» sind Kostüme, Perücken, Nail Art und Videoarbeiten zu sehen. Es geht weniger um Showeffekte als um die fragilen Momente einer Inszenierung von Identität und Kollektivität. Ein Bühnenoutfit von Bill Kaulitz von der Tokio-Hotel-Tour «Humanoid» von 2010 trifft auf extravagante Perücken der Hamburger Wig-Artists Karl Gadzali und Mohamad Barakat-Götz. Grossformatig spielt die neonglitzernde Videoarbeit «Style Over Substance» des australischen Duos The Huxleys mit Glamour und Übertreibung.

Ausgefallene Nail Designs geben Einblick in die internationale Szene und deren überbordende Kreativität. Im Kostüm der brasilianischen Künstler:in Rafa Bqueer verbindet sich glitzernde Pop-Ästhetik mit indigenen Symbolen und Narrativen. Die Videoarbeit «Epilogue» von Cao Guimarães und Rivane Neuenschwander erzählt vom Moment nach dem Auftritt: Eine Gruppe von Ameisen räumt emsig glitzerndes Konfetti beiseite.

«HALL OF GLITTER»

In der «Hall of Glitter» eröffnet sich ein vielstimmiger Glitzerkosmos: Pokémon- und Fussballkarten, Handyhüllen, Stickeralben, Caps, Nagellack, Weihnachtsschmuck und Mode stimmen die Besucher:innen auf die Faszination für das Material ein. Die in einem Open Call zusammengetragenen privaten Lieblingsobjekte stammen aus den Lebenswelten der Besucher:innen und werden mitunter von persönlichen Geschichten begleitet.

Bild: Call for Glitter, Diamond Phone, 2021, Hanna Roxane Scherwinski – Foto: MK&G/Roman Mishchuk

«GLITTER CRAFT»

«Glitter Craft» widmet sich dem Selbermachen. Als günstiges und effektvolles Material eignet sich Glitzer in besonderer Weise für Verzierung und Aufwertung. Internationale D.I.Y.-Artists zeigen einen spielerischen und selbstbewussten Umgang mit dem oft als kitschig abgewerteten Material, mit Klischees, Kitsch und Konventionen. In fünf Video-Tutorials laden Damali Abrams, María Domínguez Moreno, Sam Reece, Fleur Stiels und Fiona Tretau dazu ein, selbst aktiv zu werden. An einem zentralen Tisch werden vielfältige Materialien angeboten, die genutzt werden können.

«TEENAGE GLITTER»

Für den Raum «Teenage Glitter» inszeniert die Künstlerin und Fotografin Jenny Schäfer ein funkelndes Jugendzimmer, das in der deutschsprachigen Schweiz beheimatet sein könnte. Eine Filminstallation der Filmemacherin Sarah Drath sowie die Videoarbeiten der Performance- und Medienkünstlerin Molly Soda montieren Glitzer-Momente aus Film- und Fernsehgeschichte sowie zeitgenössischer Internetkultur. Analoge Collagen von Chila Kumari Singh Burman und Andrés Pérez sowie die von der Malerin Mickalene Thomas gestalteten Skateboards fügen sich in die Rauminstallation ein, brechen aber gezielt mit Mainstream-Bildern des Coming of Age und beleuchten das Aufwachsen als Teil einer marginalisierten Gruppe.

Blick in die Ausstellung im MK&G, Hamburg: Jenny Schäfer: Glitzerndes Schweizer Jugendzimmer Foto: Henning Rogge

Bild: Blick in die Ausstellung im MK&G, Hamburg, Jenny Schäfer: Glitzerndes Schweizer Jugendzimmer – Foto: Henning Rogge

«GLITTERMANIA»

In der «Glittermania – Geschichte des Glitzerns» steht Glitzer als Material und Phänomen, sowie seine Geschichte, Produktion und Nutzung im Fokus. Die Timeline, bestehend aus Texten, Fotos und Videos reicht von Cleopatra über die Glitzer-Erfindung im Jahr 1934 und Jakob Schlaepfers Pailletten-Patent bis zur «The Eras Tour» von Taylor Swift 2024. Die Besucher:innen sind eingeladen, weitere Glitzer-Höhepunkte beizufügen.

Ergänzt wird der Bereich durch einen Film von :mentalKLINIK, in dem Staubsaugroboter den eben eingesaugten Glitter wieder auspusten und so zu einem sich immer erneuernden installativen Bild verstreuen.

MATERIAL-LABOR

Von der «Glittermania» aus geht es weiter ins Material-Labor im 2. Stock, wo das glitzernde Material selbst in den Blick genommen wird. Pailletten, Lametta und Autolack – was glitzert alles? Und weshalb glitzern zum Beispiel Schnee oder bewegtes Wasser? Ausserdem wird untersucht, woraus der klassische, sechseckige Glitzer besteht, es wird seine Nachhaltigkeit hinterfragt – und ob Bio-Glitzer eine tatsächliche Alternative ist.

Sam Reece Foto: Lizzie Darden © Sam Reece

Bild: Sam Reece – Foto: Lizzie Darden © Sam Reece

Eine Ausstellung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) mit Erweiterungen des Gewerbemuseums Winterthur.

gmw

Kontakt:

https://gewerbemuseum.ch/de/ausstellungen/glitzer/

#Glitzer #MKG #MuseumKunstundGewerbeHamburg #GewerbemuseumWinterthur #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 2. Dezember 2025
  • Museum, Ausstellung, Galerie, Politik und Gesellschaft

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