5. Januar 2010
Schweizer KleinKunstPreis 2010 der ktv für Ueli Bichsel
Ueli Bichsel, Clown, Schauspieler und Bühnenkünstler, wird 2010 mit dem Schweizer KleinKunstPreis der ktv (Vereinigung KünstlerInnen – Theater – VeranstalterInnen, Schweiz) ausgezeichnet. Die ktv ehrt damit einen Künstler, der seinen eigenen Stil geprägt und sich seinen eigenen Weg gebahnt hat; Ueli Bichsel vereint in seinen Stücken Welten, die eigentlich nicht zusammenzubringen sind. Der Schweizer KleinKunstPreis ist mit 10'000 Franken dotiert und wird am Donnerstag, 29. April 2010, an der PreisGala zum Auftakt der 51. Schweizer Künstlerbörse in Thun verliehen.

Auch ohne die rote Nase bleibt Ueli Bichsel ein Clown. Aber kein trauriger Clown, vielmehr ein kluger Clown, einer, der sogar dem Tod mutig ins Auge blickt und ihn auf der Stelle erschlagen würde, wenn er könnte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Davon gibt es viele, von den anderen Geschichten, die Ueli Bichsel immer wieder in seine Geschichte, die er gerade erzählt, einfliessen lässt. Ueli Bichsels Markenzeichen ist es denn auch, ständig die Schauplätze und Ebenen zu wechseln, manchmal lediglich mit dem Wechsel des Tonfalls, oder indem er den Besucher auffordert: hier können Sie sich in meine Vergangenheit klicken. Und hier in die Zukunft.
Vielschichtig sind die Stücke von Ueli Bichsel. Nach 17 Jahren mit dem Duo «Die Lufthunde» und 13 Jahren mit dem Circus-Theater «Federlos» weltweit unterwegs, folgte «Das Leben ist schon lustig genug» mit Gardi Hutter, dann sein autobiographisches Solo «Log.», und mit der jetzigen Partnerin Silvana Gargiulo «Pec and Fevvers» und «Ex – hübenwiedrüben».
Ueli Bichsel ist unermüdlich, und seine Figuren sind es genauso. Ohne Unterlass tanzt er von einer Parodie zur nächsten, und bruchlos geleitet er das Publikum wieder zurück zu den Anfängen; immer aber bleibt die Metaebene sein Steckenpferd.
Doch auch ganz reale Welten bringt Ueli Bichsel zusammen, wenn er mit dem Circus Federlos durch Afrika tourt und die eigenen Zirkusnummern mit afrikanischen Künstlern und Tänzen kombiniert.
Stets also ist Ueli Bichsel am switchen, mit wenigen Worten, dafür aber viel Wortwitz, katapultiert er sein Publikum in ungeahnte Gegenden. Auf der Bühne selbst geschieht dasselbe; im Handumdrehen verwandelt er eine unscheinbare braune Rolle in eine Blumenwiese, über die er Schwalben fliegen lässt; was auf den ersten Blick als banale Bastelei daherkommt, ist in Wahrheit ausgetüftelt und komplex. Und immer bewegt er sich irgendwo zwischen Heidi und Hightech, nimmt die Technik auf den Arm, indem er sie einfach ersetzt, kurzerhand mit der Aufforderung: «Stellen Sie sich vor …» den Modus wechselt.
Ueli Bichsels handgestrickte, herbe Poesie ist massgeschneidert; er verkörpert den klugen Clown genauso wie den lustigen Schauspieler. Und obenauf ist er ein Tausendsassa, ein Sprachakrobat und Bühnenbildzauberer, der auf Stelzen tanzen kann und der ausserdem die Tiere, die in seinen Stücken vorkommen, grad selber spielt; das kommt billiger als einen teuren Seehund zu engagieren, den man dann füttern muss.
Immer ist Ueli Bichsel eine Art Schelm in seinen eigenen Geschichten, in seinem eigenen Theater, das zugleich hoch ästhetisch daherkommt und vor allem immer wieder überrascht. Ueli Bichsel ist kein klassischer Clown, aber beim näheren Hinschauen eben doch ein richtiger Clown, und zwar einer, der fast alles kann, und das, was er nicht kann, so geschickt – und verschmitzt – überbrückt, dass es geradezu genialisch anmutet.
Tabea Steiner
Tickets für die PreisGala am Donnerstag, 29. April 2010
Programm der PreisGala am Donnerstag, 29. April 2010
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Kommentare von Daniel Leutenegger