Der am 16. Oktober 1939 in Rapperswil (SG) geborene Schweizer Schriftsteller Gerold Späth (Bild) ist am 14. Oktober 2026 gestorben. Späth stammte aus einer Familie von Orgelbauern. Nach dem Besuch der Sekundarschule absolvierte er eine Lehre zum Exportkaufmann. Er hielt sich längere Zeit in Vevey, London und Freiburg im Üechtland auf. 1968 begann er mit dem Schreiben, arbeitete allerdings noch bis 1975 im väterlichen Familienbetrieb Späth Orgelbau mit. Bereits sein erster Roman, «Unschlecht» (erschienen 1970), fand grosse Aufmerksamkeit. Er ist einem barocken Schelmenroman nachempfunden. Späth äusserte in einem Gespräch, dass Inspirationsquellen für den Roman Grimmelshausens «Simplicissimus» und «Die Blechtrommel» von Günter Grass gewesen seien, wenngleich er beide nie ganz zu Ende gelesen habe. Als weitere Vorbilder für sein literarisches Werk nannte er Boccaccio, Célines «Reise ans Ende der Nacht», Gottfried Keller und Johann Peter Hebel. Eine Zeit lang lebte Späth mit seiner Familie in Italien und Irland, später wieder vorwiegend in der Schweiz. Späth war Mitglied des PEN-Zentrums der Schweiz und korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. (*) Späth erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis (1979), den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1992) und den Gottfried-Keller-Preis (2010). Sein Werk umfasst Romane, Hörspiele und Theaterstücke (**).

Bild: Gerold Späth – Foto: © Peter Häfliger, https://lenos.ch/autoren/spaeth-gerold
Zum Tod von Gerold Späth
Der Lenos Verlag trauert um Gerold Späth. Der gefeierte Schriftsteller ist am 14. Oktober 2026 kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben, wie uns die Familie mitgeteilt hat.
Späth war ein Fabulierer von barocker Fülle, voller Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie. Mit unbestechlichem Blick und unbändigem Vergnügen am Grotesken spürte er der Enge, der Selbstgerechtigkeit und der Doppelmoral der heilen Schweizer Welt nach. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke. Er lebte in Italien, Irland und in Rapperswil. Mit Gerold Späth verlieren wir einen grossen Erzähler.
Lenos Verlag, Basel
In den 1970er- und 1980er-Jahren galt er als eine der markantesten Stimmen der Deutschschweizer Literatur
Bereits mit seinem Debüt «Unschlecht» legte Späth 1970 ein literarisches Glanzstück vor. Die Geschichte eines kauzigen Erben, dessen Vermögen samt Insel im See die Begehrlichkeiten seiner Mitbürger weckt, knüpfte an den barocken Schelmenroman an.
Mit dem Buch gewann er den renommierten Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. «Das Buch zeichnet sich durch burleske Episoden aus, die Sprache ist von Helvetismen und Wortneuschöpfungen durchzogen», meint SRF-Literaturexperte Michael Luisier. Man spüre eine grosse Lust an der Sprache und am Fabulieren.
sda/gert/wids

Bild: Gerold Späth © SRF / Lukas Maeder, https://www.srf.ch/kultur/ansichten/autorenportraet-gerold-spaeth
Mit seinem Debütroman katapultierte er sich in die erste Garde der Schweizer Literatur
Mit Gerold Späth starb einer der Grossen der Schweizer Literatur. Seine Sprachkraft war einzigartig. In seinen Werken interessierte er sich für die Abgründe hinter idyllischen Fassaden.
«Ich sehe überall Abgründe», sagte mir Gerold Späth, «und von diesen Abgründen muss ich erzählen, weil sie sonst verborgen bleiben. Alle Menschen haben ihre Abgründe.» Die Schicht zwischen dem schönen, zivilisierten, gepflegten Leben und dem Unheimlichen sei dünn. «Der Lack ist sehr schnell weg in unserer verrückten Zivilisation. Die Welt ist ein Narrenschiff.»
In den letzten Jahren erschienen zwar beständig Bücher von ihm, aber er verabschiedete sich immer mehr aus dem Literaturbetrieb. Diese vorherrschenden «Bauchnabelschauen» in der deutschsprachigen Literatur interessierten ihn nicht mehr. Er hat sich stets geweigert, das Computerzeitalter anbrechen zu lassen. Stattdessen schrieb er bis zuletzt von Hand mit einem Bambuskiel.
Julian Schütt
Seine Heimat blieb ein wichtiger Bezugspunkt seines Werks
In seinen Geschichten beschäftigte er sich mit den Widersprüchen hinter der vermeintlich heilen Schweizer Welt. Neben Romanen verfasste er auch Hörspiele und Theaterstücke.
Nikola Brankovic
Man nannte ihn den Schweizer Boccaccio: Gerold Späth ist tot
Der Sohn einer Rapperswiler Orgelbauerdynastie schrieb Bücher voller Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie. Nun ist er kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben.
SDA / osc
https://www.tagesanzeiger.ch/gerold-spaeth-schweizer-autor-mit-86-jahren-gestorben-685866380677
Der Schweizer Autor Gerold Späth ist gestorben
Der Schriftsteller Gerold Späth ist am 14. Oktober kurz vor seinem 87. Geburtstag gestorben. Er war eine «der markantesten Stimmen der Deutschschweizer Literatur», schreibt der Lenos Verlag in einem Nachruf.
In den Siebziger- und Achtzigerjahren sei Späth zu einer der markantesten Stimmen der Deutschschweizer Literatur geworden. Auf «Stimmgänge» (1972), «Die heile Hölle» (1974) und «Balzapf oder Als ich auftauchte» (1977) folgte «Commedia», für deren Manuskript er 1979 als Erster den von Günter Grass gestifteten Alfred Döblin-Preis erhielt. Das 1980 erschienene Buch, ein an das barocke Welttheater erinnerndes Zeitpanorama aus über zweihundert Selbstporträts von Menschen aller Gesellschaftsschichten, das in einem imaginären Museumsrundgang mündet, gilt als sein Hauptwerk und wurde in Köln und Zürich auch auf die Bühne gebracht. Mit «Sindbadland» (1984) und «Barbarswila» (1988), einer grotesken Chronik seiner kaum verhüllten Heimatstadt, habe er diese Reihe großer Prosawerke fortgesetzt.
https://www.boersenblatt.net/home/der-schweizer-autor-gerold-spaeth-ist-gestorben-445555

Bild: Gerold Späth – Foto: © Felix Heiber, Lenos Verlag, https://lenos.ch/
Moderner Grimmelshausen
Bereits mit seinem Debüt «Unschlecht» legte Späth 1970 ein literarisches Glanzstück vor. Er stellte sich als Autor vor, dessen Bücher «von barocker Fülle, Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie» geprägt sind. So formulierte es der Lenos Verlag.
Gerold Späth wurde am 16. Oktober 1939 in eine Orgelbauerdynastie in Rapperswil am oberen Zürichsee geboren. In seinen Werken prangerte er die Enge, die Selbstgerechtigkeit und die Doppelmoral der heilen Schweizer Welt an. Einen neuen Rabelais, modernen Grimmelshausen oder Schweizer Boccaccio hat man ihn genannt.
APA
https://www.derstandard.at/story/3000000344381/schweizer-autor-gerold-sp228th-86-j228hrig-gestorben
La Suisse a perdu «un grand conteur»
L’écrivain alémanique Gerold Späth est décédé ce mercredi 14 octobre à l’âge de 86 ans. L’œuvre de celui que l’on comparait à Rabelais était volontairement féroce envers la Suisse.
«Avec Gerold Späth, nous perdons un grand conteur», a annoncé jeudi la maison d’édition bâloise Lenos, informée de sa disparition par sa famille. Né en 1939 à Rapperswil, au bord du lac de Zurich, dans une dynastie de facteurs d’orgues, l’écrivain avait commencé à publier à la fin des années 1960.
Dès son premier roman, Unschlecht, en 1970, Gerold Späth s’impose par une langue foisonnante, nourrie d’helvétismes et de néologismes. The Times salue alors un chef-d’œuvre et l’écrivain reçoit le prix Conrad-Ferdinand-Meyer.
ag / ats
https://www.watson.ch/fr/suisse/deces/300590037-l-ecrivain-suisse-gerold-spaeth-est-decede
Swiss author Gerold Späth dies aged 86
Swiss author Gerold Späth has died at the age of 86, two days before his 87th birthday. Known for his linguistically rich and sharply critical novels, Späth was one of the most distinctive Swiss-German literary voices of the 1970s and 1980s.
https://swissobserver.com/de/news/swiss-author-gerold-spaeth-dies-aged-86/
Videos:
Schweizer Fernsehen, «Das Rapperswil von Gerold Späth», «Das Monatsmagazin», 20.12.1978, 11 min
Schweizer Fernsehen, Gespräch Schriftsteller Gerold Späth über sein neues Buch «Sindbadland», «Karussell», 19.09.1984, 8 min
Schweizer Fernsehen, Gerold Späth «Barbarswila», «Das Literaturmagazin», 11.09.1988, 8 min
Schweizer Fernsehen, «LiteraTour de Suisse» (05/22): Gerold Späth. 10.04.1999, 15 min
Schweizer Fernsehen, «Ufenau – Wie Autor Gerold Späth die grösste Schweizer Insel neu erfunden hat», «Kulturplatz», 06.01.2010, 7 min

Bild: Schreibmaschine von Gerold Späth – Foto: Hadi, 2022, https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Hadi – Lizenz: Public domain – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Typwriter_of_Gerold_Sp%C3%A4th.jpg
Mehr:
(**) https://lenos.ch/autoren/spaeth-gerold
https://lexikon.a-d-s.ch/Person/21439
https://www.literaturschweiz.ch/literaturlexikon/person/gerold-spath
https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?id=1569517
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=119137062
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/119137062
https://www.dichterlesen.net/personen/detail/gerold-spaeth
https://www.perlentaucher.de/autor/gerold-spaeth.html
https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/Gerold+Sp%C3%A4th/00/15916
https://en.wikipedia.org/wiki/Gerold_Sp%C3%A4th
https://fr.wikipedia.org/wiki/Gerold_Sp%C3%A4th
(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Gerold_Sp%C3%A4th
Ausstellungs-Hinweis:
«GEROLD SPÄTH – Künstlerbücher – Schreiben und Gestalten im Zusammenspiel»
23. Oktober 2026 – 01. November 2026, *ALTEFABRIK, Rapperswil-Jona
Der Rapperswiler Schriftsteller Gerold Späth begann vor über 40 Jahren, eigene Texte mit Bambusfeder und Chinatusche auf exklusives Papier zu schreiben. Die so entstandenen Blattsammlungen übergab er in je neun nummerierten Exemplaren befreundeten Künstler:innnen zur Ausgestaltung. So sind bis heute in Zusammenarbeit mit 38 Kunstschaffenden 68 Künstler:innenbücher entstanden. Je ein Original-Exemplar hat Gerold Späth der Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen geschenkt, die sie 2025 anlässlich einer Ausstellung im Original und mit hochwertigen Kopien präsentierte.
Die *ALTEFABRIK übernimmt die Ausstellung in leicht erweiterter Form.
Partizipierende Kunstschaffende waren unter anderen: Klaus Born – Stefan Vollenweider – Gertrud von Mentlen – Ursula UNA Hirsch.
In Zusammenarbeit mit der Kantonsbibliothek Vadiana und Gerold Späth.
Eröffnung am Donnerstag, 22. Oktober 2026, 18 Uhr, mit Begrüssung durch Christa Gebert, Susanne Uhl, Kantonsbibliothekarin und Einführung durch Eva Bachmann.
cp
Kontakt:
https://www.alte-fabrik.ch/gspaeth_kb2026-2/

Bild: © Gerold Späth / Alex Zürcher
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
https://ch-cultura.ch/?s=gerold+sp%C3%A4th
#GeroldSpäth #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger