31. März 2016
ZUM TOD DES UNGARISCHEN SCHRIFTSTELLERS UND NOBELPREISTRÄGERS IMRE KERTÉSZ
Der am 9. November 1929 in Budapest geborene ungarische Schriftsteller Imre Kertész (Bild) ist am 31. März 2016 ebenda gestorben. Er hatte im Jahr 2002 den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Foto: Csaba Segesvári camera-man at Délmagyarország lapcom Kft, 2007, Szeged – CC-Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported – Zur Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Imre_Kert
Im Zentrum Imre Kertész‘ Schaffens, seiner Romane und Journale steht offen oder versteckt immer der Holocaust. Die Erfahrung, als Jude eine Unperson und ein Aussenseiter während des sozialistischen Regimes zu sein, die Erfahrung, verdächtig zu sein wegen seiner blossen Existenz, schärften Imre Kertész‘ Schreiben.
Franziska Hirsbrunner und Michael Luisier
http://www.srf.ch/kultur/literatur/der-literaturnobelpreistraeger-imre-kertesz-ist-gestorben
Kein eigenes Schicksal zu haben, nur ein fremdes, ideologisch aufgezwungenes, war für Imre Kertész die Tragödie des zwanzigsten Jahrhunderts und die eigene. Sein Haupt- und, wenn man so sagen darf, Schicksalsbuch, der autobiographisch getönte Bericht eines fünfzehnjährigen KZ-Überlebenden, heisst «Roman eines Schicksallosen», und im Grunde hat Kertész nur diesen einen Roman geschrieben.
Martin Halter
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/der-galeerenstraefling-der-geschichte/story/28994383
Das Unfassliche beschreiben
Mit dem Tod von Imre Kertész verliert die Weltliteratur einen ihrer ganz Grossen. Als Überlebender von Auschwitz hat Kertész radikal wie kein anderer über den «Holocaust als Kultur» nachgedacht.
Andreas Breitenstein
Der Überlebende
Imre Kertész fand eine Sprache für das Unsagbare. In seinem Werk ging es ihm um die literarisch ausgedrückte Wahrheit des Holocaust.
Fokke Joel
http://www.zeit.de/kultur/literatur/2016-03/imre-kertesz-nachruf
Einen Menschen wie ihn wird es nicht wieder geben
Imre Kertész überlebte Auschwitz und Buchenwald. Sein «Roman eines Schicksallosen» wurde in Ungarn verboten und brachte ihm den Literaturnobelpreis. Ein Nachruf auf eine Jahrhundertgestalt.
Tilman Krause
Er kam aus dem Nichts, über das er schreiben sollte
Man hatte ihn nicht nach Auschwitz gebracht, damit er den Nobelpreis bekäme, sondern um ihn umzubringen: Zum Tod von Imre Kertész
Hubert Spiegel
Alles Schöne
Imre Kertész war mit großem Witz begabt. Er neigte zum Grotesken, zur Farce, zur Ironie, zum Sarkasmus. So war die Welt ausgekleidet, in der er als Schriftsteller lebte. Im «echten» Leben – mochte es auch ein «Kunstwerk» sein – hat er sich ganz einfache Gefühle erlaubt: Liebe, Zuneigung, Freude.
Franziska Augstein
http://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-alles-schoene-1.2928417
Mit
Trauer hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Nachricht vom Tode Imre
Kertész aufgenommen. Der 1929 in Budapest geborene Kertész, der in den KZ Auschwitz
und Buchenwald interniert war, verarbeitete diese furchtbaren Erlebnisse in
seinen Romanen und wurde 2002 mit dem Literaturnobelpreis geehrt.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster,
erklärte:
«Mit Imre Kertész sel. A. verlieren wir einen bedeutenden Autoren, Journalisten und Übersetzer, der mit seinen Romanen die Weltliteratur geprägt hat. Wir verlieren aber auch einen Menschen, der mit seiner Geschichte das Grauen in Worte gefasst und damit die Erinnerung an das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts wach gehalten hat. Zeit seines Lebens wurde Kertész nicht müde, auf den erstarkenden Antisemitismus, auch in seinem Heimatland Ungarn, aufmerksam zu machen.»
http://www.zentralratdjuden.de/de/article/5618.trauer-über-den-tod-von-imre-kertész-sel-a.html
Imre Kertesz, Holocaust Survivor and Nobel Laureate, Dies at 86
Kertesz won the 2002 Nobel Literature Prize for works the judges said portrayed the Nazi death camps as «the ultimate truth» about how low human beings could fall.
http://www.haaretz.com/jewish/news/1.711915
«To write a poem after Auschwitz is barbaric,» wrote the German critic Theodor Adorno soon after the second world war. He later modified his statement by saying: «The main question is: can we go on living after Auschwitz?» This was the problem with which the Nobel prize-winning Hungarian Jewish writer Imre Kertész, a survivor of the Holocaust, grappled throughout his life and literary work, until his death at the age of 86.
George Gomori
http://www.theguardian.com/world/2016/mar/31/imre-kertesz-obituary
What set Mr. Kertesz apart from other writers on the Holocaust was his insistence on describing the death camps at Auschwitz and Buchenwald without outrage, especially in his definitive work, «Fateless,» first published in 1975.
«The novel uses the alienating device of taking the reality of the camp completely for granted, an everyday existence like any other,» the Swedish Nobel committee said in awarding him its 2002 prize in literature.
Jonathan Kandell
http://www.nytimes.com/2016/04/01/world/europe/imre-kertesz-dies.html?_r=0
Il était l’un des derniers survivants d’Auschwitz. Dans son discours de Stockholm, il disait d’ailleurs que cela résumait peut-être sa véritable histoire: «Etre mort une fois pour continuer à vivre.» L’écrivain hongrois Imre Kertész, Prix Nobel de littérature en 2002, s’est éteint à l’aube, jeudi 31 mars à son domicile de Budapest, où il était revenu s’établir après avoir résidé en Allemagne jusqu’en 2013.
Florence Noiville
Video:
Imre Kertész: Das Wissen vom Menschen («Sternstunde Philosophie» vom 28.9.2003)
Mehr:
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2002/
Kommentare von Daniel Leutenegger