20. Mai 2013
Berliner Theatertreffen 2013: Alfred-Kerr-Darstellerpreis geht an Julia Häusermann vom Theater HORA
Der Juror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises 2013, Thomas Thieme, hat nach dem Besuch von zehn ausgewählten Aufführungen des diesjährigen Theatertreffens seine Entscheidung getroffen. Den mit 5'000 Euro dotierten Alfred-Kerr-Darstellerpreis für die herausragende Leistung eines jungen Schauspielers im Rahmen des Theatertreffens der Berliner Festspiele erhält Julia Häusermann (Bild) für ihre Rolle in «Disabled Theater» von Jérôme Bel, Theater HORA - Stiftung Züriwerk, Zürich / HAU Hebbel am Ufer.

Bild: Julia Häusermann – Foto: http://www.hora.ch/2013/index.php?s=1&l1=491
Thomas Thieme, einer der Schauspielgiganten des deutschen Theaters und Films, begründet sein Votum: «Ganz sie selbst, von anarchischem Humor, stiller Aggressivität und so unendlich traurig. Von immenser Kraft und beängstigender Zartheit, ganz weich und auch wie ein Muskel. Jede Bühnensekunde beschäftigt: mit ihrem Spiel, mit sich, mit der Liebe zu dem Riesen, der neben ihr sitzt. Existenz im Augenblick. Schwermut und Übermut zugleich.»
Die Preisverleihung fand am Pfingstmontag, den 20. Mai 2013 um 12.00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele statt. Der Intendant der Berliner Festspiele, Dr. Thomas Oberender, begrüsste die Gäste. Neben der Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer waren die Vertreter der Alfred-Kerr-Stiftung und frühere Juroren und Preisträger anwesend.
Der Alfred-Kerr-Darstellerpreis wurde 1991 von der Familie Kerr und der Pressestiftung «Tagesspiegel» ins Leben gerufen. Mit dem Preis wird die herausragende Leistung eines/r jungen Schauspielers/erin ausgezeichnet, der/die in einer der zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen mitwirkt. 2012 ging der Preis an Fabian Hinrichs.
Julia Häusermann, geboren 1992, ist Schauspielerin bei Theater HORA und Sängerin. Seit 2011 wird über sie ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens SF1 gedreht. Zusammen mit Damian Bright und Sara Hess tanzt sie für einen Clip des Ex-Benneton-Models Melanie Alexander.
HORA-Produktionen: I can’t dance (2010), Ente, Tod & Tulpe (2011), Das Schiff der Träume (2011), The Democratic Set (2011), Box (2011), Disabled Theater ( 2012), Paganini &Ich (2012).
pd
Kontakt:
http://www.hora-okkupation.ch/
3sat-Preis zum 50. Theatertreffen 2013 an Sandra Hüller für
ihre Rolle in «Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.» von Elfriede Jelinek für
die Münchner KAMMERSPIELE
Die Schauspielerin Sandra Hüller erhält den mit 10’000 Euro dotierten 3sat-Preis des Gemeinschaftsprogramms von ZDF, ORF, SF und ARD beim Berliner Theatertreffen für ihre Darstellung in Elfriede Jelineks «Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.» für die Münchner Kammerspiele. Darauf hat sich die Jury, bestehend aus Vasco Boenisch, Theaterkritiker und Mitglied der Theatertreffen-Jury, Yvonne Büdenhölzer, Leiterin des Theatertreffens, und Wolfgang Horn, Redakteur bei 3sat, geeinigt.
Aus der Jurybegründung:
«Als verzweifeltes Fashion Victim in ‚Die Straße. Die Stadt. Der Überfall‘ wird Sandra Hüller zum unwiderstehlichen Model der Marke Jelinek. Sie entwickelt eine autarke künstlerische Position, die ein ganz eigenes Theaterereignis schafft. Jelineks beissender Spott klingt bei ihr weder aggressiv noch abgeklärt, sondern offenherzig – wie ein Staunen, als Haltung gegenüber der Welt. Hüller agiert virtuos und bleibt dabei unfassbar nahbar. Eine Menschenfreundin, eine Verzweiflungsstaunende, die das Publikum selber in Staunen versetzt.
Wie sich Sandra Hüller als Jelineks Alter Ego(-Shooter) mit ihrer Textflächenfigur identifiziert und sich als solche gleichzeitig über die Schulter guckt, ist schauspielerisch grandios und in Zeiten permanenter Selbstbespiegelung sehr modern – eine künstlerische Kreation, die Massstäbe setzt.»
Der Preis wurde am Montag, 20. Mai 2013, 17.00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele von Dinesh Kumari Chenchanna, Koordinatorin 3sat, überreicht.
Am Dienstag, 21. Mai, 19.20 Uhr, berichtet das 3sat-Kulturmagazin «Kulturzeit» von der Preisverleihung und stellt die 3sat-Preisträgerin vor.
Quelle:
Kommentare von Daniel Leutenegger