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28. März 2023

DIE SCHWEIZER KÜNSTLERIN KA MOSER IST GESTORBEN

Die am 28. Januar 1937 in Zürich als Katharina Wüthrich geborene Künstlerin Ka Moser (Bild) ist am 24. März 2023 gestorben. Die Bürgerin von Trub hatte seit 1968 in Bern gelebt und gearbeitet. Die Malerin, Zeichnerin und Objektkünstlerin Ka Moser beschäftigte sich ebenfalls mit Fotografie, Farbdruck, Texten, «digitalen Exkursionen» und Musikperformances mit Piano und Stimme. 2004 erschien die Monografie «Das Farbengedicht» bei der Edition Fink.

Bild: Ka Moser – Foto: https://schlachthaus.ch/stueck/2404 

Ka Moser, 2018 - Foto: © Alexander Egger

Bild: Ka Moser, 2018 – Foto: © Alexander Egger

Die Farben sind die Welt, mit der ich umgehen kann. Meine Bilder und Objekte, jedes in einer Art von Dringlichkeit entstanden, sind wie Fundstücke, die sich ansammeln, fortsetzen und zusammenwirken. Wie die Farben sich zusammenfinden und was daraus entsteht, ist Malerei.

Ka Moser, 2004

Sie liess die Farbe zu Wort kommen

Verschwommene Lichtfelder und visuelle Melodien: Ka Moser bewegte sich zwischen Musik, Performance und Malerei. Am Freitag ist die Berner Künstlerin im Alter von 86 Jahren gestorben.

Xymna Engel

https://www.derbund.ch/sie-liess-die-farbe-zu-wort-kommen-678606501119

Der bemerkenswerte Umstand, dass Ka Moser als bildende Künstlerin in den 1980er-Jahren nahezu ausschliesslich Musik gemacht hat, legt nahe, dass ihre Arbeiten als Visualisierungen einer Rückübertragung zu entziffern sind.

Moser malt Farben durch den Filter der akustischen Imagination und bedient sich dabei eines Rasters, das sowohl das Malerische als auch das Musikalische ihrer Kompositionen betont.

Grundelement ist das Quadrat, jede weitere Form ergibt sich aus dessen Wiederholung in gleicher oder unterschiedlicher Farbgebung, in der systematischen Wucherung von Dopplungen und Spiegelungen. So entstehen, je nach Rasterweite und Breite des Farbspektrums, mal ruhige, monochrome Bilder wie Rotmalgelb 6 Ton (1997), mal nervös flirrende Puzzlecollagen wie das aus 45 farbigen Quadratraster-Laserdrucken zusammengefügte Kaleidoscope-eye I (1996). Dass diese Arbeit entfernt an Computergrafiken der digitalen Frühzeit erinnert, ist kein Zufall. Tatsächlich entwickelt Ka Moser ihre Kompositionen seit den späten 1990er-Jahren zunehmend am Computer und ebnet ihrer konzeptuell-poetischen Malerei so den Weg ins Reich der Algorithmen.

https://kunst.mobiliar.ch/ka-moser

Das Farbengedicht, 1983 spontan während einer Konzertperformance entstanden, zehn Farbtöne in Lauten miteinander verkettend, ist Urknall wie anhaltender Bezugspunkt des künstlerischen Schaffens von Ka Moser.

Nach einer intensiven Beschäftigung mit kleinräumigen Farbfeldern in Öl, Acryl oder Aquarell, die durch Spiegelungen und Akkumulationen grossflächige Muster evozieren, ist die in Bern lebende Künstlerin vor einigen Jahren dazu übergegangen, Motive mit dem Computer zu bearbeiten, wodurch neue visuelle Erfahrungsfelder geöffnet wurden. Das strenge Formprinzip ihrer auf einer geometrischen Rasterstruktur aufgebauten Muster lockert sich, freie Farbwolken füllen ihre jüngsten Bilder, Muster in Grauwerten und an die Op-Art erinnernde Verzerrungen. Die Farbfelder scheinen in Bewegung geraten zu sein.

Alice Henkes, 2012

https://www.artlog.net/de/kunstbulletin-6-2012/ka-moser

Die Künstlerin bewegt sich seit den Achtzigerjahren phasenweise zwischen musikalischer Konzertperformance, Malerei und digitalen Bildwelten.

Transformationen von einem Medium zum anderen sind grundlegend für ihre Arbeitsweise. Dabei findet eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der digitalen Bildfindung und Manipulation statt. Jedoch versteht die Künstlerin ihre Arbeit primär als Malerei, die im Wechselspiel zwischen verschiedenen medialen Ebenen ihr Potential entfaltet.

Dabei entwickelte Moser verschiedene Arbeitsweisen. Oft beginnt sie mit fotografischen Motiven, die sie digital mehrfach bearbeitet. Mittels Spiegelungen und Multiplikationen verschiebt sie Farben, Ausschnitte oder Grössenverhältnisse. Manche Bilder werden zu Pigmentprints, andere zu Ölmalerei auf Leinwand, wobei sie die digital erzielten Farbwerte präzise nachmischt. In akribischer Arbeit löst die Künstlerin auf, transformiert, setzt neu zusammen, bis die von ihr angestrebte Choreografie von Farben und Formen erreicht ist. 

2016 

https://www.duflon-racz.ch/bern/ausstellungen/2016/ka-moser 

Die Publikation von Ka Moser schliesst eine Lücke: Erstmals ist das vielschichtige Werk der Berner Künstlerin – die sich seit Jahrzehnten zwischen Musik, musikalischer Performance und Malerei gewandt bewegt – im Band «Das Farbengedicht» als Einheit dargestellt. Die schöne Gestaltung und die einfühlsamen Texte tragen ihren Teil zur Attraktivität und Übersichtlichkeit des Bandes bei.

«Das Farbengedicht» stellt ein Werk dar, das mit Konzertperformances begann und zeigt mit zahlreichen farbigen Abbildungen Arbeiten – mit selbstredenden Titeln wie «Von rot zu gelb», «rotmalgelb, TON» oder «Kaleidoscope-eye» und «Grosse Themen als kleine Muster» – aus allen Schaffensperioden der Künstlerin.

2004

https://www.editionfink.ch/oldsite/presse/presse_ef_76.html

Bei meinem Eintreten in die Wohnung an der Eigerstrasse in Bern, wo Privates und Ateliersituation nicht getrennt sind, begegnet mir auf Schritt und Tritt ein ungewöhnliches Werk. Die rotgelbe Tulpe, die mir im grossen Raum entgegenschaut, blüht in der ersten und in der letzten Farbe ihres minimalen Farbengedichts. Und beim zweiten Hinschauen fallen auch die Farben und Bilder auf, die herumstehen und an Wänden und Türen hängen. Selbst ihr Pullover und die Strümpfe erinnern mich an ihre Kunst, die vielleicht nur aus einem Werk, einem aus ganz vielen unterschiedlichen Teilen, besteht. Und auch die vielen offenen und verschlossenen Türen, die Winkel und schmalen Gänge, die wuchernden Pflanzen, die vielen Bücher und die an die Wände gelehnten Bilder sollen erwähnt sein, um in die Welt der Künstlerin einzutauchen.

Von der bildenden Kunst her kommend, ist Ka Moser in den 1980er-Jahren in performativen und musikalischen Bereichen an die Öffentlichkeit getreten. Ihre Konzertperformances mit Piano und Stimme verdichteten sich zu Klangbildern, in denen das Farbengedicht ein erstes Mal aufgetreten ist. Das Farbengedicht entstand als Gesang mit den Wörtern von Farben in freier vokaler Gestaltung, ähnlich wie sie auch in der Ursonate von Kurt Schwitters vorkommen. «rotblaugrünviolettorangetürkisgoldenlilarosagelb», das Farbengedicht, kurz «FG» genannt, wurde zum Alphabet ihrer visuellen Sprache.

Simon Baur, 2004

https://www.editionfink.ch/oldsite/presse/presse_ef_76.html

Mit den Augen gehen wir in die Welt hinein, durchs Ohr kommt die Welt zu uns. Man überprüfe das, stelle sich auf ein Bein und schliesse die Augen. Man fällt um. Wenn wir nichts mehr sehen, verlieren wir den Halt in der Welt. Andererseits drohen wir zu vereinsamen, wenn uns keine Worte, Klänge, Geräusche mehr erreichen. Die Kunst hat in ihrer Geschichte diese Wahrnehmungsweisen oft und variantenreich thematisiert. Ka Moser steht und spielt, malt und klingt in dieser Tradition.

Peter Kraut, 2004

https://www.editionfink.ch/oldsite/presse/presse_ef_76.html

© Ka Moser, Carrément-4 4x4, 2013_aus digitale Exkursionen_Pigmentprint auf Papier_A4_Edition 7/7

Bild: © Ka Moser, Carrément-4 4×4, 2013_aus digitale Exkursionen_Pigmentprint auf Papier_A4_Edition 7/7

Mehr:

http://www.kamoser.ch/

https://recherche.sik-isea.ch/de/sik:person-4002292/in/sikart/actor/list

https://kunst.mobiliar.ch/ka-moser 

https://www.duflon-racz.ch/fileadmin/user_upload/Austellungen/2016/Ka_Moser/CV_KaMoser_2016.pdf 

https://www.mm.directories.be.ch/files/158/10696.pdf

https://www.editionfink.ch/oldsite/presse/presse_ef_76.html 

https://www.ch-cultura.ch/museum-ausstellung-galerie/kuenstlerinnen-in-der-kunsthalle-bern-eine-archivrecherche 

#KaMoser #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Bild: «Das Farbengedicht», © Edition Fink, 2004, https://www.editionfink.ch/oldsite/presse/presse_ef_76.html

   

 

 

 

   

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 28. März 2023
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design

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