Ausstellung im Muzeum Susch, Eröffnung am 15. Juni 2025, 13 bis 17 Uhr

Bild: Ausstellungsansicht «Gabriele Stötzer: Mit Hand & Fuss, Haut & Haar», 2025 © Muzeum Susch / Art Stations Foundation – Fotograf: Federico Sette
Die Ausstellung «Mit Hand & Fuss, Haut & Haar» ist die erste Ausstellung von Gabriele Stötzer (*1953) in der Schweiz und sie konzentriert sich auf eine Auswahl ihrer fotografischen Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren.
Die Bilder verdeutlichen zentrale Schnittstellen ihrer Kunst: zwischen bewusster Handlung (Hand und Fuss) und tief empfundener Intimität (Haut und Haar). Werke wie «Eine Hand voll» (1982) oder «Ich bin / Angebunden» (1984) veranschaulichen Stötzers ausgeprägtes Vertrauen in den Körper als letztes Mittel sowie als letzte Instanz, der ihrer bildnerischen Praxis und ihrer gesellschaftlichen Haltung innerhalb der Zwänge und Lebensumstände in der DDR Ausdruck verlieh — Ausdruck, der nicht selten untrennbar mit der Auflehnung gegen staatliche Repressionen verbunden war.
Nachdem sie 1977 inhaftiert worden war, weil sie eine Petition gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterschrieben hatte, wurde sie auch danach weiterhin von der Stasi überwacht und von offiziellen künstlerischen Institutionen ausgeschlossen. Doch wie Christa Wolf in ihrer Erzählung «Was bleibt» (1979/1989) nach einer Begegnung mit Stötzer schrieb: «Das Mädchen kann man nicht zurückhalten, dachte ich. Wir können sie nicht retten, wir können sie nicht verderben. Sie soll tun, was sie tun muss, und uns unserem eigenen Gewissen überlassen.»
Geprägt von der Dringlichkeit und der Suche nach Gemeinschaft sowie künstlerischer und persönlicher Eigenständigkeit, erweiterte sich Stötzers Arbeit vom Schreiben über ihre Erfahrungen hin zur bildenden Kunst –Fotografie, Performance und kollektive Projekte – und machte so ihren Körper zu einer Erweiterung ihrer Stimme.
Gabriele Stötzer wurde 1953 in Emleben (DDR) geboren und studierte in Erfurt im Lehramt für Deutsch und Kunst bevor sie Mitte der 1970er-Jahre aus politischen Gründen zwangsexmatrikuliert wurde. Ihr fortgesetzter Dissens führte zu einer strafrechtlichen Verfolgung und einer einjährigen Haftstrafe im DDR-Frauengefängnis Hoheneck, – eine Erfahrung, die ihren künstlerischen und aktivistischen Werdegang tiefgreifend prägte. Auch nach ihrer Entlassung blieb sie unter Stasi-Überwachung, während sie im kulturellen Untergrund aktiv wurde, eine unabhängige Galerie betrieb und ein Netzwerk von Künstler:innen abseits des offiziellen staatlich sanktionierten Systems pflegte.
Seit 1990 hat Stötzer acht Bücher veröffentlicht und an zahlreichen internationalen Ausstellungen teilgenommen, darunter die documenta 14 (2017) und in Institutionen wie der Berliner Akademie der Künste und dem Albertinum in Dresden. Neben ihrer künstlerischen Praxis lehrt sie Performance an der Universität Erfurt und hält regelmässig Vorträge über feministische Kunst, kollektive künstlerische Strategien und ihre Erfahrungen als Zeitzeugin des kulturellen Widerstands in Ostdeutschland. In Würdigung ihres politischen und künstlerischen Engagements wurde sie 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Kuratiert von Daniel Blochwitz
ms
Kontakt:
https://www.muzeumsusch.ch/de/2207/Gabriele-Stotzer-with-Hand-Foot-Skin-Hair
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Kommentare von Daniel Leutenegger