2. August 2025
WERKE DES SCHWEIZER KÜNSTLERS MARC GONTHIER (1895-1954) SIND JETZT GEMEINFREI VERFÜGBAR
Marc Gonthier (1895–1954), Schweizer Druckgrafiker, hielt mit Holzstich, Radierung oder Kaltnadel seine alltägliche Umgebung fest. Aufgewachsen in Lausanne, fand er am Seeufer sein Leben lang seine Motive. Die Schweizer Nationalbibliothek (NB) bewahrt eine der grössten Sammlungen seines Werks auf, das seit 2025 gemeinfrei ist – jetzt auch auf Wikimedia Commons.

Bild: Marc Gonthier, Ouchy – Voiliers aux reflets, 1935 – Photo: Bibliothèque nationale suisse, cabinet des estampes, Berne

Bild: Marc Gonthier, Dents de Morcles (aux curieux nuages), 1935 – Photo: Bibliothèque nationale suisse, cabinet des estampes, Berne
Der Druckgrafiker Marc Gonthier (1895–1954) absolvierte seine Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Genf und war von 1917 bis 1919 Schüler von Cuno Amiet. Es folgten mehrere Reisen nach Italien und Frankreich. Ab 1928 belegte er bis zu seinem Lebensende ein Atelier im Quartier Mon-Repos in Lausanne. Gonthier wandte sich ab 1930 vermehrt der Druckgrafik zu und konnte als Mitglied der Société des peintres, sculpteurs et architectes Suisses (SPSAS, heute Visarte), des «Graphischen Kreis» und von «Tailles et Morsures» regelmässig in der Schweiz ausstellen.
Gonthiers Werke spiegeln seinen Lebensraum am Genfersee wider. Während Holzschnitte und -stiche mit Ansichten von Dörfern und Kirchen fast schon einen dokumentarischen Charakter haben, zeugen die zahlreichen Radierungen von Segel- und Motorbooten auf dem Genfersee vom lebendigen Treiben in Ufernähe.
Zwei Mappenwerke mit Zirkus- und Jahrmarktsszenen als Hauptgegenstand sind aufgrund ihrer Thematik eine Besonderheit im Bestand der Nationalbibliothek. Ein Buch mit acht Holzstichen von Marc Gonthier zeugt von seiner Tätigkeit als Illustrator. Bemerkenswert sind die Zeichnungen auf Transparentpapier, die Skizzen und die Druckplatten. Sie veranschaulichen den behutsamen Arbeitsprozess Gonthiers und damit auch den virtuosen Umgang mit seinen bevorzugten Drucktechniken: Dem Holzstich, der Radierung und der Kaltnadelradierung.
Die Nationalbibliothek besitzt vermutlich die grösste Sammlung von Werken Marc Gonthiers, einschliesslich der Vorstudien und Druckplatten. Sie umfasst das grosse druckgrafische Oeuvre, Zeichnungen und Vorstudien, Briefe an Marc Gonthier adressiert, sowie die Druckplatten in Holz und Kupfer. Die ursprüngliche Sammlungsstruktur nimmt eine Trennung zwischen Tiefdruck und Hochdruck sowie eine thematische Einteilung vor. Die Nationalbibliothek hält sich, unter Berücksichtigung der konservatorischen Massnahmen und den Erschliessungsgrundsätzen, an die vorgegebene Struktur.
Inhalt und Umfang
- 527 Druckgrafiken (320 Hochdrucke, 207 Tiefdrucke)
- Skizzen, Zeichnungen und Studien (122 für Hochdrucke, 81 für Tiefdrucke)
- 289 Druckplatten (168 Druckplatten für Hochdrucke, 121 Kupferplatten)
- 47 Schriftdokumente (45 Briefe von Cuno Amiet, 1 Brief von Edmond-Henri Crisinel, 1 Brief von René Auberjonois)
Eine weitere umfassende Sammlung von Druckgrafiken besitzt das Cabinet cantonal des estampes im Musée Jenisch in Vevey. Im Jahr 1992 fand dort die bisher einzige monographische Ausstellung zu Marc Gonthier statt.
Quellen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:CH-NB-Archive_Marc_Gonthier
https://www.nb.admin.ch/snl/de/home/ueber-uns/gs/sammlungen/grafik/gonthier.html
Mehr:
https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?id=1889360
https://www.nb.admin.ch/snl/de/home/ueber-uns/gs/augenweiden/cirque.html

Bild: Marc Gonthier, Le Wagon, 1945 – Photo: Bibliothèque nationale suisse, cabinet des estampes, Berne

Bild: Marc Gonthier, Les couturières, 1950 – Photo: Bibliothèque nationale suisse, cabinet des estampes, Berne

Bild: Marc Gonthier, St.Martin au pauvre (grand), 1940 – Photo: Bibliothèque nationale suisse, cabinet des estampes, Berne
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Kommentare von Daniel Leutenegger