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3. April 2026

«ELEANOR ANTIN. EINE RETROSPEKTIVE»

Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, bis am 27. September 2026

Eleanor Antin Nurse Eleanor, R.N., 1976/2007 Irisdruck, Visitenkarte 70,5 x 93,4 cm Courtesy the artist und Diane Rosenstein Gallery, Los Angeles, und Andrew Kreps Gallery, New York © Eleanor Antin

Bild: Eleanor Antin, Nurse Eleanor, R.N., 1976/2007, Irisdruck, Visitenkarte, 70,5 x 93,4 cm, Courtesy the artist und Diane Rosenstein Gallery, Los Angeles, und Andrew Kreps Gallery, New York © Eleanor Antin

I always tend to see the funny side of things. That’s the richest experience, when it’s the laughter and it’s the tears together.

Eleanor Antin

Seit über 50 Jahren zählt Eleanor Antin (geb. 1935 in New York, USA) zu den wegweisenden Stimmen ihrer Generation. Als Pionierin der künstlerischen Selbstinszenierung erschafft und verkörpert sie fiktive Figuren und stellt so zentrale Fragen nach Identität, Geschichte und Repräsentation. Dabei verbindet ihr Werk tiefgründigen Humor mit feinsinniger Erzählkunst.

Antins medienübergreifende Praxis – Fotografie, Film, Text, Performance, Skulptur und Installation – lädt dazu ein, vertraute Narrative neu zu betrachten und verblüffende Perspektiven auf unser individuelles und gesellschaftliches Selbstverständnis zu entdecken.

Diese Retrospektive – die erste überhaupt in Europa – beleuchtet die Vielschichtigkeit von Antins Œuvre und macht deutlich, wie aktuell und wirkmächtig ihre Arbeit bis heute ist. Die Ausstellung spannt den Bogen von Antins frühen performativen Arbeiten der 1960er-Jahre bis zu jüngsten Werken.

Bild: Eleanor Antin. Eine Retrospektive. Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein 2026 – Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Zu den frühen ikonischen Arbeiten der Künstlerin zählen die legendäre Aktion und Postkartenserie 100 Boots (1971–1973) – eine abenteuerliche, inszenierte Reise von hundert schwarzen Gummistiefeln von Kalifornien nach New York – sowie die Fotoarbeit CARVING: A Traditional Sculpture (1972). In dieser formt und protokolliert sie ihren eigenen Körper über 37 Tage hinweg im Sinne einer Bildhauerin und hinterfragt dabei radikal Vorstellungen von Selbstbestimmung und Körperlichkeit.

Antins Personas: König, Ballerina, Krankenschwester

Im Zentrum ihres Schaffens steht die performative Selbstinszenierung, mit der Antin seit den späten 1960er-Jahren die fluide Existenz des Selbst erkundet. Sie schlüpft in verschiedene Rollen – den König, die Ballerina oder die Krankenschwester –, die verschiedene Identitäten, historische Bezüge und innere Widersprüche in sich tragen. So untersucht sie gesellschaftliche Rollen, Machtstrukturen und kulturelle Zuschreibungen. Ambivalenz, Fiktion und Inszenierung nutzt sie bewusst als künstlerische Mittel.

«Der König kam zuerst, als ich herausfinden wollte, wie mein männliches Selbst sein würde, wer er wäre. Und mir wurde klar, dass mein bärtiges Ich ein König war – ein Doppelgänger von Karl I, und dass Könige ein Land, ein Königreich haben müssen ‒ selbst wenn es ein verlorenes ist. Er wurde
mein politisches Selbst.»

Eleanor Antin Aus der Serie The King of Solana Beach, 1974–1975 S/w-Pressefotografien 5-teilig, je 20 x 25 cm Courtesy the artist und Diane Rosenstein Gallery, Los Angeles, und Andrew Kreps Gallery, New York © Eleanor Antin

Bild: Eleanor Antin, Aus der Serie The King of Solana Beach, 1974–1975, S/W-Pressefotografien, 5-teilig, je 20 x 25 cm, Courtesy the artist und Diane Rosenstein Gallery, Los Angeles, und Andrew Kreps Gallery, New York © Eleanor Antin

Nach dem König entstehen weitere Personas oder «Selbste», wie Antin sie nennt. Die Ballerina tritt erstmals 1973 auf. Während sie in Fotoserien als ideale Verkörperung einer Primaballerina erscheint, zeigt ein Video das Making-of im Fotostudio und entlarvt damit die Konstruktion der Posen. Die Krankenschwester, Antins dritte Persona, ist ihre ambivalenteste und verschmitzteste Figur: Verführerin und Verführte zugleich, oszilliert sie zwischen Ausgeliefertsein und Handlungsmacht. Wie ein Kind, das ganz in sein Spiel vertieft ist, entwickelt sie ihre Narrative mit aus Papier ausgeschnittenen Figuren; sie lässt sie sprechen und handeln, weinen, lachen und Sex haben.

Eleanor Antin. Eine Retrospektive Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Bild: Eleanor Antin. Eine Retrospektive. Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein 2026 – Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Historische Referenzen und bewusste Theatralik

In späteren Arbeiten setzt sich Antin, deren Eltern von Polen in die USA migriert waren, explizit mit ihrem jüdisch-kulturellen Erbe auseinander: mit The Man Without a World (1991), einem Stummfilm in Spielfilmlänge, der sich als Werk des fiktiven sowjetisch-jüdischen Regisseurs Yevgeny Antinov ausgibt, oder in der imposanten, raumgreifenden Installation Vilna Nights (1993–1997/2025). Wie eine Theaterkulisse lässt diese die Betrachtenden in eine Welt eintauchen, die nicht mehr existiert.

Eleanor Antin Vilna Nights, 1993–1997/2025 (Detail) Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Sandra Maier © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Bild: Eleanor Antin, Vilna Nights, 1993–1997/2025 (Detail), Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein – Foto: Sandra Maier © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Im Spätwerk wird die Künstlerin zur Regisseurin, die ihre Schauspieler:innen in sorgfältig inszenierte Rollen führt. Die Historical Takes (2004–2008), hollywoodeske Bilder einer überzeichneten griechisch-römischen Antike, zeigen dekadente Exzesse und thematisieren den Niedergang von Imperien. Indem sie historische Szenerien nachstellt, legt Antin Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart frei und entlarvt die Illusionen des Spektakels sowie die Fragilität von Macht am Rand des Zusammenbruchs.

Eleanor Antin Field Operation, aus The Angel of Mercy, 1977 (Detail) Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Sandra Maier © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Bild: Eleanor Antin, Field Operation, aus The Angel of Mercy, 1977 (Detail), Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein – Foto: Sandra Maier © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Die Ausstellung wurde vom Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean initiiert und organisiert und war dort bis 8. Februar 2026 zu sehen. Nach Vaduz wandert sie an das MOCAK – Museum für Gegenwartskunst in Krakau.

Die Ausstellung wird begleitet von der Publikation Eleanor Antin. Works 1965–2017, der bislang umfassendsten Monografie zu Eleanor Antin, sowie der Edition 2 Boots (after Eleanor Antin) (2026) von Manfred Naescher, die eigens für das Kunstmuseum Liechtenstein entsteht.

Kuratiert für das Kunstmuseum Liechtenstein von Christiane Meyer-Stoll mit Henrik Utermöhle.

kml

Kontakt:

https://www.kunstmuseum.li/index.php?page=17&aid=576&lan=de

Eleanor Antin. Eine Retrospektive Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

Bild: Eleanor Antin. Eine Retrospektive. Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein 2026 – Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich © Eleanor Antin / Kunstmuseum Liechtenstein

#EleanorAntin #EleanorAntinEineRetrospektive #KunstmuseumLiechtenstein #ChristianeMeyerStoll #HenrikUtermöhle #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 3. April 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie

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