17. Mai 2026
«OLAF BREUNING. HUMANS»
Sonderausstellung im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, vom 6. Juni bis am 27. September 2026 - Vernissage: Freitag, 5. Juni 2026, 18.30 Uhr

Bild: Olaf Breuning, The Edge, C-Print, 155 x 124 cm, Courtesy: the artist & Galerie Semiose, Paris
Schweizer Künstler Olaf Breuning über KI, Klima und Menschsein
Mit «Humans» kehrt der Schweizer Künstler Olaf Breuning nach 25 Jahren ins Museum zu Allerheiligen Schaffhausen zurück. Es ist die erste grosse Präsentation des international erfolgreichen, in Upstate New York lebenden Künstlers in der Schweiz seit mehr als zehn Jahren. Im Fokus stehen künstliche Intelligenz, Klimakrise und menschliche Widersprüche. Humorvoll und bildstark fragt Breuning, was vom Menschen bleibt, wenn Technik, Konsum und Krisen das Leben prägen.
Olaf Breuning (geboren 1970 in Schaffhausen) gelang früh der internationale Durchbruch. Sein Werk bewegt sich spielerisch zwischen Zeichnung, Fotografie, Video, Skulptur und Installation. In der bewusst reduzierten, unmittelbar lesbaren Bildsprache verbindet er Humor mit präziser Beobachtung und macht gesellschaftliche Gegenwartsthemen überraschend zugänglich.

Bild: Olaf Breuning, Leave Me Alone, 2024, C-Print, 122 x 150 cm, Courtesy: the artist & Galerie Semiose, Paris
In der Ausstellung «Humans» untersucht Breuning das Erwachsenwerden, das Mannsein heute und menschliche Verhaltensweisen in all ihrer Ambivalenz – zwischen Neugier und Naivität, Fortschritt und Verantwortungslosigkeit, Ernsthaftigkeit und Absurdität.
Gleichzeitig greift die Ausstellung zentrale gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart auf: die ökologische Krise, den Ressourcenverbrauch und die zunehmende Anwesenheit künstlicher Intelligenz. Breuning fragt, wie sehr die neue Technologie unser Denken und Handeln bereits prägt – und ob wir ihr überhaupt noch Widerstand entgegensetzen können.

Bild: Olaf Breuning, Clouds, 2008, InkJet Fine Art Print, 150 x 180 cm, Courtesy: the artist & Galerie von Bartha, Basel
Ein Grossteil der gezeigten Werke entsteht eigens für die Ausstellung. Dazu gehören 60 neue Zeichnungen, zwei raumgreifende Installationen sowie Videoarbeiten: «20 mm» zeigt einen kleinen bronzenen Affen auf einem Marmorsockel, der ein 300 Meter langes Seil hält. Dieses steht für die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte, seine vergoldete Spitze für die kurze Zeit menschlicher Existenz. Zugleich verweist die Installation auf eine Konstante im Œuvre von Olaf Breuning: Der Affe taucht seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit immer wieder auf, fungiert als Spiegel menschlichen Verhaltens oder bricht mit stereotypen Erwartungen und Zuschreibungen der «Spezies Mensch» an die «Natur».
«Out of Balance» besteht aus einem unübersichtlichen Hügel ineinander verschlungener Ritter auf Rollschuhen. Die Installation wird zum Bild für Machtverlust, Scheitern und ein aus dem Gleichgewicht geratenes System. Die Ritter stehen für das Eingeständnis einer Niederlage, vor der auch die stärkste Rüstung keinen ausreichenden Schutz bietet.

Bild: Olaf Breuning, AI Animal, 2026, Bleistift auf Papier, 21,6 x 27,9 cm, Courtesy: the artist & Galerie von Bartha, Basel
Zeichnungen gehören seit jeher zum Werk von Olaf Breuning. Häufig bilden sie den Ausgangspunkt für Werke, die der Künstler später in anderen Medien weiterentwickelt. Die neuen kleinformatigen Arbeiten in Schwarz-Weiss zeigen skurrile Szenen aus dem Alltag von Menschen, Tieren und des Planeten. Pointiert verdichten sich darin die grossen und kleinen Dramen unserer Zeit.
Olaf Breunings frühere Videoarbeiten entstanden mithilfe aufwändiger Settings voller Requisiten und Menschen. Seine jüngsten, erstmals im Ausstellungskontext gezeigten Videos sind hingegen mit künstlicher Intelligenz erzeugt. Indem der Künstler sich selbst als Vorlage für verschiedene Charaktere verwendet, befragt er nicht nur, welche Rolle KI in der Kunst spielt, sondern auch, was Kunst und Kunstschaffende in einer politisch, sozial und wirtschaftlich angespannten Weltlage für einen gesellschaftlichen Beitrag leisten können.

Bild: Olaf Breuning, No Astroid, 2024, C-Print, 122 x 155 cm, Courtesy: the artist & Galerie Semiose, Paris
Breunings jüngste Arbeiten wirken ernster und nachdenklicher als frühere Werke. Die Zeit der lauten, provokativen Ironie ist einer leiseren, doppelbödigen Haltung gewichen. Zwar bleibt sein humorvoller Blick erhalten, doch rücken existenzielle Fragen, Ernüchterung und eine gewisse Melancholie stärker in den Vordergrund. Schonungslos legt er menschliche Schwächen, Widersprüche und Dummheiten offen – ohne dabei die Lust am Komischen zu verlieren. So entsteht ein eindringlicher Kosmos, der gleichermassen zum Lachen wie zum Nachdenken anregt.
Die Ausstellung lädt das Publikum ein, eigene Schlüsse zu ziehen – zwischen Zuversicht und Zweifel, zwischen Weltuntergangsstimmung und der Hoffnung auf Veränderung.

Bild: Olaf Breuning, Selfportrait, 2026 – Foto: Olaf Breuning, Courtesy: the artist
Kurzbiografie Olaf Breuning
Geboren 1970 in Schaffhausen, lebt und arbeitet Olaf Breuning in Upstate New York, USA. Olaf Breuning erlangte internationale Bekanntheit durch ein vielschichtiges Werk, das heutige Realitäten hinterfragt und eine oberflächliche Lesart der uns umgebenden Welt untergräbt. Seit den späten 1990er-Jahren werden seine Werke international in Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen, Galerien sowie im öffentlichen Raum gezeigt.
Einzelausstellungen u. a. im NRW-Forum, Düsseldorf (2016), im Zentrum Paul Klee, Bern (2013), und im Palais de Tokyo, Paris (2011). Er nahm an der Whitney Biennale 2008 teil und stellte in Gruppenausstellungen u. a. im Museum of Modern Art, New York, im Centre Pompidou, Paris, im Haus der Kunst, München, in der Kunsthalle Zürich, im Walker Art Center, Minneapolis, im Jeu de Paume, Paris, im KW Institute for Contemporary Art, Berlin, in der Whitechapel Gallery, London, und im Mori Art Museum, Tokio, aus.
Seine Werke sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter im Kunsthaus Zürich, in der Sammlung Goetz, München, im Louisiana Museum, Kopenhagen, in der Centre Pompidou Collection, Paris, in der Saatchi Collection, London, sowie im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.
Für sein vielseitiges Schaffen wurde Olaf Breuning bereits früh mit Preisen ausgezeichnet: Dreimal in Folge erhielt er das Eidgenössische Kunststipendium (1998, 1999, 2000; heute Swiss Art Award) sowie im Jahr 2000 den Manor Kunstpreis Schaffhausen.
Begleitpublikation
Zur Ausstellung erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess die Publikation «Olaf Breuning. Humans». Hrsg. Sarah Merten, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Mit Beiträgen von Katja Brunner, Heinz Helle, Sarah Merten und Nadine Wietlisbach. Gestaltet von Hammer. Deutsch / Englisch. Erhältlich ab Mitte Juli 2026 im Museumsshop.
Kuratiert wird die Ausstellung von Sarah Merten
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Kontakt:
https://allerheiligen.ch/ausstellungen/ausstellung/olaf-breuning/
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Kommentare von Daniel Leutenegger