17. Mai 2026
DOK.FEST MÜNCHEN: «THE NARRATIVE» VON BERNHARD WEBER UND MARTIN SCHILT GEWINNT IM INTERNATIONALEN WETTBEWERB
Beim 41. DOK.fest in München hat der Schweizer Dokumentarfilm «The Narrative» von Bernhard Weber und Martin Schilt die VIKTORIA DOK.international Main Competition gewonnen. Der vom Bayerischen Rundfunk gestiftete Preis ist mit 10’000 Euro dotiert. Nominiert waren Filme, «die ein breites inhaltliches und formales Spektrum aufweisen und sich durch ihre hohe künstlerische Qualität auszeichnen», wie auf der Webseite des DOK.fest 2026 zu lesen ist.

Bild: Aus «The Narrative» – © https://www.thenarrative.film/home#download
Film von Bernard Weber und Martin Schilt
Bernard Weber und Martin Schilt sind Schweizer Dokumentarfilmer. Weber arbeitet seit 1991 als freier Filmschaffender und erhielt u. a. den Publikumspreis der Solothurner Filmtage. Schilt arbeitet als Produzent und Autor. «The Narrative» ist ihr erstes gemeinsames Projekt.
Solange Kweku Adoboli für die UBS Gewinne einfährt, ist er willkommen. Als 2011 in den Bilanzen ein Verlust von 2,3 Milliarden Dollar klafft, wird er zur zentralen Figur eines der grössten Finanzskandale der Schweizer Grossbank. Die Medien beschreiben ihn als Zocker, das Gericht verurteilt ihn zu sieben Jahren Haft, 2018 wird er aus England abgeschoben. Er lebte dort seit seinem 12. Lebensjahr.
Die Filmemacher begleiten Adoboli über viele Jahre, stellen den Prozess mit Laienschauspieler:innen nach und hinterfragen das von den Medien verbreitete Narrativ. Ein Film über strukturelles Versagen, mediale Vorverurteilung und die Frage, wie viel individuelle Verantwortung in einem globalen System existieren kann.
Helga-Mari Steininger
Jurybegründung
«Unser Gewinnerfilm ist eine Meisterleistung darin, mit der überwältigenden Komplexität der Wahrheit umzugehen. Mit einem Protagonisten, der ebenso sympathisch wie resilient ist, führen uns die Filmemacher in eine Geschichte, die ‹emotional intensiv› ist, dabei aber durch einen scharfsinnigen, unverzichtbaren Sinn für Humor bemerkenswert ausgeglichen wird. Wir sind nicht bloß Beobachter:innen seiner Reise; wir dürfen und sollen mit ihm lachen, selbst wenn sich die Schwere seiner Lage immer deutlicher abzeichnet.
Aus einer zutiefst menschlichen Perspektive beleuchtet der Film die verheerenden Folgen, die es mit sich bringt, in einer Welt, die gegen einen gerichtet ist, ein s.g. ‹People Pleaser› zu sein, also jemand, der es anderen permanent recht machen will und dabei sich selbst vernachlässigt. Er deckt eine tiefgreifende systemische Ungerechtigkeit auf und enthüllt die kaltherzige Verantwortungslosigkeit sowie die vielschichtigen Täuschungsmanöver mächtiger Bankinstitute. Im Kern ist der Film eine schonungslose Anklage darüber, wie leicht ein Mensch zum Sündenbock gemacht werden kann, und beleuchtet eine Geschichte des Widerstands angesichts allgegenwärtigen, alltäglichen Rassismus.
Was die Jury am meisten beeindruckt hat, ist die Fähigkeit des Films, seinen Protagonisten nicht nur als Opfer, sondern als vielschichtigen Überlebenden darzustellen. Er fängt auf brillante Weise die Spannung zwischen seiner anfänglichen Naivität und der harten Realität des Verrats durch die Institutionen ein. Letztendlich fordert uns ‹The Narrative› dazu auf, über die offiziellen Berichte hinauszuschauen, um das darunter liegende menschliche Herz zu entdecken. Diese Geschichte von Widerstandskraft verlangt nach Empathie, Gerechtigkeit und einer längst überfälligen Auseinandersetzung mit den Wahrheiten, die wir lieber ignorieren.»
Quellen / Kontakt:
https://www.dokfest-muenchen.de/Award-winners-2026?lang=de
https://www.dokfest-muenchen.de/films/the-narrative
https://www.thenarrative.film/
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Kommentare von Daniel Leutenegger