9. Juni 2026
ZUM TOD DES SCHWEIZER SCHLAGZEUGERS, PERKUSSIONISTEN UND BANDLEADERS PETER GIGER
Der am 12. April 1939 in Zürich geborene Schweizer Schlagzeuger, Perkussionist und Bandleader Peter Giger (Bild) ist am 27. Mai 2026 gestorben. Gigers Laufbahn führte von der Zürcher Dixieland-Band The Tremble Kids über Swing, Modern Jazz, Rock-Jazz, freie Improvisation bis hin zu interkulturellen Projekten, die sich mit Rhythmus- und Perkussionstraditionen aus unterschiedlichen Teilen der Welt beschäftigten. Er arbeitete dabei u.a. mit Duke Ellington, Teddy Wilson, Bill Coleman, Albert Nicholas, Stephane Grappelli, Claude Bolling, Memphis Slim, Max Roach, Archie Shepp, Benny Bailey, Joe Haider, Heinz Bigler, Isla Eckinger, Alex Bally, Marc Hellman, Albert Mangelsdorff, Volker Kriegel, Eberhard Weber, Gerd Dudek, Steve Swallow, Jasper van `t Hof, Trilok Gurtu, Naná Vasconcelos und Dom Um Romão zusammen. Peter Giger war einer der Gründer der Swiss Jazz School in Bern. Tourneen und Austauschprojekte führten ihn rund um die ganze Erde.

Bild: Peter Giger © http://www.peter-giger.de/

Bild: Peter Giger © http://www.peter-giger.de/ – Foto: © Jonas
Peter Giger war Berufsmusiker seit 1958, als er mit den Tremble Kids durch Europa tourte und zwei Alben aufnahm. 1960 übersiedelte er nach Paris; ab 1961 spielte er mit dem Sextett und der Big Band von Claude Bolling. In den 1960er-Jahren machte er LP-Aufnahmen u. a. mit Duke Ellington, Billy Strayhorn, Alice Babs und begleitete Musiker wie Bill Coleman, Albert Nicholas, Stéphane Grappelli, Miriam Klein und Memphis Slim. Mit Beryl Bryden ging er 1963 auf Tournee.
Von 1969 bis 1972 unterrichtete Giger an der von ihm mitgegründeten Swiss Jazz School in Bern und spielte mit Four For Jazz, mit Joe Haider, Heinz Bigler, Isla Eckinger und Benny Bailey. Mit Alex Bally und Marc Hellman gründete er den Drum Circus, zu dem auch (…) Gerd Dudek, Joël Vandroogenbroeck und Isla Eckinger gehörten. 1972 zog er nach Frankfurt, um bis 1976 im Albert-Mangelsdorff-Quartett bzw. in Mangelsdorffs Trio mitzuarbeiten. Daneben wirkte er u. a. an den Biton-Produktionen von Volker Kriegel mit.
1976 arbeitete Giger im Trio mit Eddy Marron (…) und Günter Lenz. Mitte der 1970er-Jahre spielte er weiterhin zusammen mit den Klarinettisten Perry Robinson, Theo Jörgensmann, Michel Pilz und Bernd Konrad in der Gruppe Clarinet Contrast. 1977 gab er auf dem Jazzfestival in Berlin ein vielbeachtetes Solokonzert.
1986 hatte Giger auf dem Jazzfestival Hofheim einen Auftritt im Duo mit Max Roach. 1988 bildete er mit Jasper van ’t Hof, Tomasz Stańko und Vitold Rek das Peter Giger Quartet. Ausserdem spielte er unter anderem mit Volker Kriegel, Steve Swallow und Eberhard Weber. (…) Im Jahr 2004 unternahm er eine Solotournee durch Kamerun, Senegal und die Elfenbeinküste. 2005 gab er in Dakar, Senegal, mit Géwél Rhythm Begg Falou ein Konzert für das Goethe-Institut (…).
1999 schufen Frank Nestler und Hanna Sommer einen 45-minütigen, biographischen Fernsehfilm über den Musiker mit dem Titel «Peter Giger – Herr der Trommeln» in deutscher Fassung und «Peter Giger – Lord of the Drums» in englischer Fassung.
Im Jahre 1975 veröffentlichte Giger sein erstes Soloperkussionsalbum mit dem Titel «Family of Percussion» (…). 1976 spielte er unter dem gleichen Titel mit den Schlagzeugern Joe Nay, Christoph Haberer, Heinrich Hock und dem Vibraphonisten Wolfgang Schlüter.
1977 gehörten zur Family of Percussion (FOP) Doug Hammond, Tom Nicholas und Trilok Gurtu als feste Mitglieder. Weiterhin spielten wechselnde Gäste mit, u. a. Archie Shepp, Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner und Alan Skidmore. In den 1980er-Jahren waren als Gäste u. a. Naná Vasconcelos, Barry Altschul, wiederholt Archie Shepp (1981–1982), Stu Goldberg, Christof Lauer und immer wieder Albert Mangelsdorff und Wolfgang Dauner beteiligt. 1993 organisierte Peter Giger mit Jürgen Wuchner das Projekt «Family Meets Bass Strings» mit Tom Nicholas und Dom Um Romão. In den 1980er- und 1990er-Jahren unternahm die FOP & Friends zahlreiche Tourneen, u. a. 1984 nach Indien und dreimal nach Mosambik (…).
1973 und 1977 veröffentlichte Giger sein Buch «die neue schlagzeugschule» in zwei Bänden, die aber beide mittlerweile vergriffen sind. Das Buch «Die Kunst des Rhythmus – eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Musik als organisierte Zeit», publizierte er 1993. Die mittlerweile 6. Neuauflage erschien 2006.
https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Giger
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Bild: Peter Giger over Africa, 2003 © http://www.peter-giger.de/
Mit Peter Giger verliert die Schweizer Jazzszene einen prägenden Musiker
Peter Giger war weit mehr als ein Schlagzeuger. Er war ein Klangforscher, ein Freigeist und ein Musiker, der sein Instrument stets neu dachte. Über Jahrzehnte prägte er den euorpäischen Jazz. Seine Projekte führten ihn mit internationalen Grössen wie Archie Shepp zusammen, und mit seiner Family of Percussion verband er Jazz mit afrikanischen Musiktraditionen und ging neue, eigene Wege. Seine Musik verband archaische Rhythmen mit experimenteller Klangarbeit, Präzision mit Spielfreude.
Luca Koch
Schweizer Perkussionist des Zeitgenössischen Jazz
Viel hat man in den letzten Jahren nicht mehr gehört von dieser eigenwilligen Persönlichkeit, die wie kaum eine zweite in die Tiefen des Perkussionsspiels eingedrungen war und stets nach neuen Klängen forschte, die man dieser grossen Zahl von Instrumenten entlocken konnte. Denn ist es nicht so, dass archaische Instrumente aus der Perkussionsfamilie am Beginn der Geschichte vieler Musikkulturen gestanden und Menschen in grosser Hörweite verbunden hatten?
Man kann kaum glauben, dass am Beginn Gigers Laufbahn die Tremble Kids, eine hierzulande wohlbekannte Dixieland-Band standen. Ab 1961 war er für einige Jahre in Paris Mitglied in den Bands des französischen Pianisten Claude Bolling. Er bewegte sich viel in Europa und gründete mit Heinz Bigler, Joe Haider und Isla Eckinger die Swiss Jazz School an der er von 1969-72 unterrichtete.
Aus der Produktion der Soloplatte «Familiy of Percussion», die er noch im Mehrspurverfahren einspielte, entwickelte sich unter demselben Namen ein Ensemble von wechselnden Perkussionisten, wie Joe Nay, Wolfgang Schlüter, Trilok Gurtu, Doug Hammond oder Tom Nicholas. Hinzu gesellten sich Bläsersolisten wie Archie Shepp (ts) oder Albert Mangelsdorff (tb). Es war klar, dass ihn sein Forscherdrang später auch nach Indien und Westafrika führen musste.
Er setzte seine Lehrtätigkeit 1990 an der Hochschule für Musik in Köln fort und schrieb auch Lehrbücher, darunter das Werk «Die Kunst des Rhythmus – eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Musik als organisierte Zeit».
https://swissjazzorama.ch/index.php?id=195
Peter Giger 1939 – 2026
Geboren am 12. April 1939 in Zürich, gehörte Giger seit den 1960er-Jahren zu den markanten Persönlichkeiten des europäischen Jazz. Sein musikalisches Spektrum reichte von Rockjazz in den 1970er-Jahren, modernem Jazz über freie Improvisation bis hin zu interkulturellen Projekten, die sich mit Rhythmus- und Perkussionstraditionen aus unterschiedlichen Teilen der Welt beschäftigten.
Besondere Bedeutung erlangte er mit der 1977 gegründeten Family of Percussion. Die Formation gehörte zu den frühen und einflussreichen jazzorientierten Perkussionsensembles Europas und verband Jazz, Improvisation sowie afrikanische, asiatische und europäische Rhythmustraditionen zu einer eigenständigen musikalischen Sprache. Die Formation verband Jazz, Improvisation sowie afrikanische, asiatische und europäische Rhythmustraditionenn zu einer eigenständigen musikalischen Sprache und arbeitete im Laufe der Jahre mit Musikern wie Trilok Gurtu, Naná Vasconcelos, Archie Shepp, Wolfgang Dauner und Albert Mangelsdorff zusammen.
https://jazzpages.de/peter-giger-1939-2026-2606151/
Giger blieb nie lange an einem Ort
Seine Musik war geprägt von endloser Neugier und Offenheit, seine Kraft und sein intensives, polyrhythmisches Spiel erinnerte an Ginger Baker, während er seine Mitmusiker durch innere Ausgeglichenheit, Loyalität und Fürsorge beeindruckte.
In einem 45-minütigen TV-Porträt von Frank Nestler und Hanna Sommer mit dem Titel «Peter Giger – Herr der Trommeln» ließ Giger seine Musikkarriere bis 1999 Revue passieren. Der Film ist auf Deutsch und Englisch auf Youtube zu sehen und gibt einen Eindruck von seiner Philosophie und Arbeitsweise. Er endet mit einem Zitat aus seinem Buch «Die Kunst des Rhythmus»: «Rhythmus ist Wechsel und Wiederkehr, Fortbewegung und Innhalten, Spannung und Entspannung, Zusammensetzung und Spaltung, Freude und Schmerz, Leben und Tod. Gehen ist Rhythmus, Sprache ist Rhythmus. Musik ist rhythmische Klangsprache.»
Eric Mandel
https://www.jazzthing.de/news/2026-6-19-rip-peter-giger/?fbclid=IwY2xjawSlKPhleHRuA2FlbQIxMQ
Audios / Videos:
Peter Giger – Lord of the drums, 1999
Peter Giger – Herr der Trommeln, 1999
Ben’s Blues, 1970
Ben Webster, Teddy Wilson, Isla Eckinger, Peter Giger
POWER OF NATURE (Giger) 1971
FOUR FOR JAZZ Heinz Bigler, alto sax, Joe Haider, piano, clavinet, Isla Eckinger, Bass, Peter Giger, drums/percussion
Gospel to music (Peter Giger), 1976
Albert Mangelsdorff: Trombone – Peter Giger: Bass-Marimba-Boxes, Gongs, Percussion
Peter Giger – Family of Percussion, 1976
Peter Giger Solo Jazztage Philharmonie Berlin 1977 part1
Ufip 70 anni 6° Peter Giger, Dom Um Romao, 2002
Peter Giger Interview, 2008
Mehr:
https://www.facebook.com/peter.giger.96
http://www.peter-giger.de/html/fop_NEU.htm
https://bazillusarchive.ch/person/1465
https://www.schott-music.com/de/person/peter-giger
https://www.schott-music.com/de/peter-giger-s-family-of-percussion-a-drum-is-a-woman-no223725.html
https://ecmrecords.com/artists/peter-giger/
https://www.discogs.com/de/artist/538420-Peter-Giger
https://www.allmusic.com/artist/peter-giger-family-of-percussion-mn0002560892
https://web.archive.org/web/20210620014042/https://www.challengerecords.com/products/1303911947
https://www.psychedelicbabymag.com/2019/05/peter-giger-interview.html#google_vignette
(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Giger
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
#PeterGiger #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger