Anlässlich des kürzlichen offiziellen Besuchs von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider in Nigeria begab sich der Direktor der Cinémathèque suisse, Vinzenz Hediger, nach Lagos, um zwei langfristige Kooperationsprojekte zur Erhaltung des nigerianischen audiovisuellen Kulturerbes zu konkretisieren. «Sie sind Teil der Bemühungen zur Stärkung der Beziehungen zwischen der Schweiz und Nigeria in den Bereichen Kultur, Bildung und Vermittlung von Wissen», schreibt die Cinémathèque suisse in ihrer Mitteilung von gestern Mittwoch.

Bild: Festac ’77, https://www.afterall.org/publications/festac-77-the-2nd-world-black-and-african-festival-of-arts-and-culture/
Das erste Projekt betrifft die Restaurierung und Digitalisierung von «Kulba Na Barna» (Blaming the Innocent) von Brendan Shehu aus dem Jahr 1992. Der Film gilt als wichtiges Scharnier zwischen dem auf Zelluloid gedrehten nigerianischen Kino und dem Aufkommen von Nollywood und existiert nur noch in einer einzigen Kopie, die in Berlin in einem fragilen Erhaltungszustand aufbewahrt wird.
Die Restaurierung wird am Sitz der Cinémathèque suisse in Penthaz im Kanton Waadt durchgeführt, in Zusammenarbeit mit der Nigerian Film Corporation (NFC) und dem Institut Arsenal in Berlin. Nigerianische Fachleute werden an den Arbeiten teilnehmen, um ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der digitalen Restaurierung zu erweitern; dies im Sinne eines Austausches und einer nachhaltigen Zusammenarbeit.
Nach Abschluss des Projekts werden die restaurierten Elemente an Nigeria zurückgegeben. Vinzenz Hediger erklärt: «Dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein postkolonialer afrikanischer Staat dafür einsetzt, sich ein eigenes Kino zu schaffen».
An der Seite des nigerianischen Centre for Black and African Arts and Civilization (CBAAC) engagiert sich die Cinémathèque suisse auch für die Erhaltung von 1’800 Film- und Videoarchiven des Festac ’77, eines bedeutenden panafrikanischen Festivals, das 1977 in Lagos stattfand und sich der afrikanischen Kunst und Kultur widmete. Als wichtige Zeugnisse der Kulturgeschichte des Kontinents sollen diese Dokumente von den Teams in Lagos und Penthaz im Rahmen eines gemeinsamen Programms digitalisiert und archiviert werden.
«Über die Sicherung einzigartiger Sammlungen hinaus zeigen diese beiden Projekte, wie stark sich die Cinémathèque suisse für eine Zusammenarbeit im Bereich des Kulturerbes einsetzt, die auf Wissensaustausch, Stärkung der lokalen Kapazitäten und der Aufwertung eines audiovisuellen Erbes von internationaler Bedeutung beruht», heisst es in der Medienmitteilung abschliessend.
FR:
https://www.cinematheque.ch/actualites/toutes-les-actualites/la-cinematheque-suisse-au-nigeria
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
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Kommentare von Daniel Leutenegger