Ausstellung im Kunsthaus Baselland, Münchenstein / Basel, bis am 4. April 2027, in Kooperation mit der Contemporary Art Collection «la Caixa» Foundation

Bild: Geneviève Cadieux, Hear Me with Your Eyes, 1989. Collection of Contemporary Art «la Caixa» Foundation. Ernesto Neto, Globulocell, 2001. Collection of Contemporary Art «la Caixa» Foundation. Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2026. – Foto: Gina Folly © Kunsthaus Baselland

Bild: Ernesto Neto, Globulocell, 2001. Collection of Contemporary Art «la Caixa» Foundation. Maya Rikli, Sonido, 2026. Courtesy of the artist. Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2026. – Foto: Gina Folly © Kunsthaus Baselland
Mit Werken von
Geneviève Cadieux, Esther Ferrer, Douglas Gordon, Cristina Iglesias, Anish Kapoor, Ernesto Neto, Tobias Rehberger, Maya Rikli, Giacomo Santiago Rogado, Hagar Schmidhalter, Soledad Sevilla, Rémy Zaugg
Die für diese Ausstellung «Sinnesumschmeichelungen» ausgewählten und eingeladenen Kunstschaffenden kommen sowohl aus Basel und der Region als auch aus Kanada, Spanien, England, Italien, Brasilien, Deutschland usw. Denn dank der Kooperation mit der renommierten «la Caixa» Foundation ist es möglich, erstmals in dieser Auslage Werke der Kunstschaffenden Geneviève Cadieux, Esther Ferrer, Douglas Gordon, Cristina Iglesias, Anish Kapoor, Ernesto Neto, Tobias Rehberger und Soledad Sevilla zu zeigen. Zusammen mit Maya Rikli, Giacomo Santiago Rogado, Hagar Schmidhalter und Rémy Zaugg bilden sie im Kunsthaus gemeinsam einen Parcours, der dazu einlädt, sich innerhalb der Räume und Werkauslagen auf besondere Weise zu verhalten. Denn bereits der Titel spürt dem Wunsch nach, sich mit allen Sinnen nahezu wellenartig inmitten der Kunst zu bewegen und von ihr bewegen zu lassen.
Folgt man dem Gedanken des Philosophen und Psychiaters Thomas Fuchs, ist es essenziell für unsere menschliche Wahrnehmung, dass wir uns körperlich verorten, das heisst uns physisch in eine Situation begeben und nicht allein den Intellekt und unser Gehirn als grosse Schaltzentrale und Vermittlungsapparat wirken lassen. Man könnte es gut mit Extremkletterern vergleichen, die sich – jede Saison aufs Neue – allmählich an unterschiedlichste Situationen vor Ort herantasten müssen, um ihre eigene Wahrnehmung, ihre Orientierung und ihren Gleichgewichtssinn in der Höhe und unter extremen Bedingungen konsequent zu trainieren. Denn die Wahrnehmung kann lernen, aber auch verlernen.
Ähnliches wünscht man sich auch im Kontext eines Ausstellungs- und Museumsbesuchs: dass man durch die unmittelbare Anschauung und zugleich die leibliche Verortung sich selbst und seine Wahrnehmung «trainieren» kann. Dadurch können grössere Offenheit, Agilität und damit auch Resilienz gegenüber den zum Teil extremen Herausforderungen entstehen, die der Alltag jedem und jeder Einzelnen abverlangt.
Eine Ausstellung zum Thema Wahrnehmung am neuen Ort des Kunsthaus Baselland auf dem Dreispitz ist in vielfacher Hinsicht sinnvoll und schon längere Zeit ein Wunsch, gerade im Hinblick auf die vor zwei Jahren neu bezogenen Räume. Lädt dies doch Besuchende gerade doppelt dazu ein, mit schauendem Auge durch Ausstellung und Gebäude zu gehen und dabei sowohl die ausgestellten Werke in ihrem räumlichen Kontext als auch die vielen Ein- und Ausblicke wahrzunehmen, die sich durch die Architektur nach aussen eröffnen – in den Himmel, auf das Birkenwäldchen und auf die urbane Struktur des Dreispitz, zwischen den Arbeiten. Dies ist bei nahezu jeder Werkauslage der Fall. Mit dieser Ausstellung kommt jedoch eine weitere Ebene hinzu: Die präsentierten Werke thematisieren auf jeweils spezifische Art und Weise die Wahrnehmung an sich. Im Vis-à-Vis mit den ausgestellten Werken und raumgreifenden Installationen eröffnen sich das unmittelbare Erleben der eigenen, individuellen Wahrnehmung und die Möglichkeit, diese zu verfeinern und zu trainieren und letztendlich auch zu verstehen.

Bild: Giacomo Santiago Rogado, Growing together through emotions over time, 2017. Courtesy of the artist. Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2026. – Foto: Gina Folly © Kunsthaus Baselland
Grundlage für die Ausstellung ist einerseits eine Auswahl an Werken der renommierten Sammlung zeitgenössischer Kunst der «la Caixa» Foundation. Die seit den 1980er-Jahren aktive, äusserst umfangreiche Privatsammlung in Spanien gilt als eine der bedeutendsten des Landes. Durch ihre kontinuierlichen Ankäufe, darunter oftmals von grossen Installationen, ist sie zudem für viele zeitgenössische Kunstschaffende weltweit von besonderer Bedeutung.
Die präzise Auswahl an Werken unter dem Aspekt der Wahrnehmung im Kunsthaus zu zeigen, geht auf Nimfa Bisbe, Sammlungsmanagerin der Contemporary Art Collection «la Caixa» Foundation, und Ferran Barenblit, freier Kurator, ehemaliger Direktor des MACBA – Museu d’Art Contemporani de Barcelona und leitender Kurator der 16. Shanghai-Biennale 2027, zurück. Sie wurde vom Kunsthaus Baselland durch die Einladung an Kunstschaffende aus der Region Basel ergänzt, die einen künstlerischen Dialog mit den internationalen Gästen eingehen. Auch eine Reihe neuer Arbeiten ist explizit für diese Ausstellung entstanden. Dieses Miteinander – das durch die grosse Einzelausstellung des in Basel tätigen Künstlers und Musikers Yanik Soland im Obergeschoss ergänzt wird – fügt sich in das kuratorische Gesamtprogramm des Kunsthauses ein, das immer wieder einen Schwerpunkt auf einen solchen Austausch legt.
Kurator:innen: Ferran Barenblit und Ines Goldbach. Kuratorische Assistenz: Ida Biegel und Martina Stähli
Quelle / Mehr / Kontakt:
https://kunsthausbaselland.ch/ausstellungen/sinnesumschmeichelungen
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Kommentare von Daniel Leutenegger