Ausstellung im Kunsthaus Baselland, Münchenstein / Basel, bis am 15. November 2026

Bild: © Yanik Soland
Die erste institutionelle Einzelausstellung des Basler Künstlers und Musikers Yanik Soland (1990) widmet sich einer künstlerischen Praxis, die unter anderem Sound, Skulptur und Performance miteinander verbindet. Im Kunsthaus Baselland entsteht eine neue Auslage, die Yanik Solands langjährige Auseinandersetzung mit den Übergängen zwischen Klang, Material und Raum erstmals umfassend zusammenführt. Zugleich spürt Soland der Frage nach, wie sich Sound ausstellen und sichtbar oder körperlich spürbar machen lässt.

Bild: Yanik Soland, Breath Tunnel, 2026; Dorm, 2026; All these feelings, 2026; Fragile Axt, 2025. Courtesy of the artist. Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland 2026. – Foto: Gina Folly © Kunsthaus Baselland
Ausgehend von einer neuen Komposition, «Walking on Rubber Eggshells», entwickelt Yanik Soland im gesamten Obergeschoss des Kunsthauses Baselland eine akustische Landschaft, die sich über alle drei Räume hinweg ausbreitet. Langanhaltende Töne, Flötenmelodien, Subbässe und Perkussionspassagen bilden das wesentliche Material, wobei auch der Hall der architektonischen Umgebung als Teil des Sounds aktiv miteinbezogen wird. Beim Komponieren sind dem Künstler besonders Leichtigkeit und zugleich Rohheit im Klang wichtig. So arbeitet er seit Jahren an einem umfassenden Archiv aus unterschiedlichsten Aufnahmen, Rhythmen, Melodien und Field Recordings, die er immer wieder neu zusammensetzt, überlagert und ergänzt. Das Einladen anderer Musiker:innen und Künstler:innen ist dabei fester Bestandteil seiner Praxis; mit ihnen spielt er Klänge ein, experimentiert und improvisiert.
Schon beim Betreten der Ausstellung im Kunsthaus Baselland wird deutlich, dass wir als Hörende bereits unmittelbar von Sound und Körper umgeben sind. Eine räumliche Intervention bettet Besuchende in eine weiche textile Oberfläche ein, die in unregelmässigen Abständen in Schwingung versetzt wird. Diese Körperlichkeit verstärkt, was die Philosophin Salomé Voegelin für das Hören als grundlegend beschrieben hat. «(…) There is no place where I am not simultaneously with the heard.» (1). Während beispielsweise das Sehen von einem distanzierten Standpunkt erfolgen kann, teilen wir als Hörende immer Raum und Zeit mit dem Gehörten, so Voegelin. Diese Unmittelbarkeit wird in Yanik Solands Installation physisch erfahrbar: Geräusche werden gedämpft, Stimmen klingen anders und eine Intimität stellt sich ein.

Bild: Yanik Soland, «Walking On Rubber Eggshells», 2026; Tanuki, 2026. Courtesy of the artist. Ausstellungsansichten Kunsthaus Baselland 2026. – Foto: Gina Folly © Kunsthaus Baselland
Für die Auslage werden die Tracks des im Vorfeld entstandenen Albums, das im September 2026 als LP bei Futura Resistenza erschien, in Einzelteile zerlegt und asynchron neu zusammengesetzt. Hört man genauer hin, entdeckt man neben Gitarre, Stimme und modularen Synthesizern auch selbstgebaute Instrumente aus Spachtel, Stahlwolle oder Gummibändern sowie Spielzeuge oder Rechen. In alltäglichen, unscheinbaren Objekten erkennt der Künstler klangliche Qualitäten, die er mischt, verstärkt oder kombiniert. Klassische Perkussionsinstrumente, Drumcomputer und Flöten ebenso wie japanische Instrumente wie das Koto oder Shamisen lotet er bis an ihre klanglichen Grenzen aus und interpretiert ihre traditionelle Spielweisen neu.
Für das Kunsthaus Baselland hat er nun eigens für die Räume zwei neue skulpturale Instrumente entwickelt, die er mithilfe des Basler Künstlers Samuel Tschudin produziert hat. Saiten spannen sich hier durch eine Ausstellungswand hindurch oder über wäscheklammerähnliche Objekte – das Kunsthaus wird zum Instrument selbst, wobei der Künstler nicht zwischen Instrument, Wand und Raum unterscheidet.
Als freistehende Arbeiten bieten sie die Möglichkeit, sich um sie herumzubewegen und Töne an verschiedensten Orten des Ausstellungsraums wahrzunehmen. Dank ihrer sensiblen Einstellung können sie während der Laufzeit der Ausstellung selbst kleinste Bewegungen und Sounds wiedergeben. Angelehnt an eines der Miniaturinstrumente, die Yanik Soland vor längerer Zeit aus einem Tisch-Zen-Garten gebaut hatte, sind diese nun für Performende begehbar und in einer vergrösserten Masstäblichkeit realisiert. Trotz ihrer überdimensionalen Grösse verlieren sie nicht an Zartheit und Schlichtheit, die uns vorsichtig gehen und gelegentlich innehalten lässt.
An dieser Stelle klingt besonders der Titel «Walking on Rubber Eggshells» mit seiner Fragilität und zugleich Resilienz nach. In vielen der visuellen Medien des Künstlers sind Untersuchungen zu Materialien und deren verborgenem Potenzial eingeschrieben: Wie klingt die raue Beschaffenheit eines Schleifpapiers? Durch welche Formen kann Holz oder Textil zu einem Resonanzkörper werden? Wie reagieren Glas oder Keramik, wenn sie angeschlagen werden? Gesamthaft spiegeln sie einen fürsorglichen und respektvollen Aspekt, der sich nicht nur im Entstehungsprozess, sondern auch später sowohl im Bespielen der Arbeiten als auch im Zusammenspiel mit anderen wiederfindet.

Bild: Yanik Soland – Foto: © Bündner Kunstmuseum / Yanik Bürkli
«Walking on Rubber Eggshells» von Yanik Soland zeigt, wie unermüdlich der Künstler Klänge erforscht und neue, abstrakte Qualitäten in unterschiedlichsten Objekten, Formen und Materialien entdeckt. Durch Strategien wie Improvisation und Experiment schafft der Künstler vielschichtige, wandelbare Situationen, in denen Sound als etwas erfahrbar wird, das sich stets im Wandel befindet und starren, festgeschriebenen Einordnungen entzieht.
Die skulpturalen Elemente und Zeichnungen erscheinen dabei als zarte Manifestationen im Raum: Sie laden zu einem vielseitigen Zuhören ein und bewegen sich materiell sowie räumlich zwischen Schutz und Verletzlichkeit. Klang erscheint dabei immer flüchtig und zugleich im höchsten Mass verbindend und synchronisiert die Bessuchenden für einen Moment mit allen Personen, die ihn ebenfalls hören. Denn Hören kennt keine beobachtende Distanz: «Wir befinden uns stets unmittelbar mittendrin», schreibt das Kunsthaus Baselland.
(1) Salomé Voegelin, Listening to Noise and Silence. Towards a Philosophy of Sound Art, New York 2010, S. xii
Kuratorin: Ines Tondar
Quelle / Mehr / Kontakt:
https://kunsthausbaselland.ch/ausstellungen/yanik-soland
https://www.yaniksoland.com/about
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Kommentare von Daniel Leutenegger