Ausstellung im Museum im Bellpark, Kriens, vom 29. August bis am 8. November 2026 - Eröffnung am Samstag, 29. August 2026, ab 17 Uhr

Foto: © Daisuke Hirabayashi
Wie verändert sich die Bedeutung eines Gebäudes über vier Jahrzehnte hinweg? Und wie bewahrt ein Bauwerk seine Qualität gerade durch Wandel? Eine neue Ausstellung im Museum im Bellpark rückt ein spannendes Frühwerk von Herzog & de Meuron ins Licht — und erzählt die Geschichte eines Hauses, das in der Architekturgeschichte als Schlüsselprojekt gilt, mit der Zeit jedoch zunehmend in Vergessenheit geriet und nur knapp dem Abriss entging.
Architektur wird dabei nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden, sondern als etwas, das sich durch Nutzung, Aneignung, Alterung und Weiterbauen fortschreibt. Das Fotostudio Frei dient als Fallbeispiel dafür, wie heute mit einem architektur-geschichtlich bedeutenden Bestand weitergearbeitet werden kann und wie Architektur durch neue Nutzungen weiterhin Öffentlichkeit, Begegnung und Auseinandersetzung anstösst.
Die Ausstellung erzählt die Wandlung dieses Hauses entlang seiner Entstehung, seiner Nutzungen, seiner Gefährdung und seiner architektonischen Transformation. Fotografien, Pläne, Skizzen und Archivmaterial bilden die tragende Erzählebene und zeigen, wie das Gebäude Veränderungen aufnimmt und seine Qualität gerade durch Wandel bewahrt.
Das 1981/82 für den Werbefotografen Rolf Frei errichtete Fotostudio in Weil am Rhein ist der erste gewerbliche Bau von Herzog & de Meuron und nimmt eine besondere Stellung im Werk des international gefeierten Büros ein. Denn bereits dort zeigen sich wesentliche Merkmale ihrer späteren architektonischen Haltung —die präzise Verwendung einfacher Materialien, die sorgfältige Lichtführung und ein offenes, anpassungsfähiges Raumgefüge. Die Materialität des Gebäudes greift die heterogene Umgebung auf: An der einen Fassade dominiert Dachpappe, an der anderen Holz. Das urbane Nebeneinander unterschiedlicher Materialien und Strukturen wird so zum Ausgangspunkt einer eigenständigen architektonischen Antwort.
Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Florian Stroh von studio ne, der das denkmalgeschützte Gebäude von 2023 bis 2025 im Sinne eines sensiblen Weiterbauens für eine neue, vielfältige kulturelle Nutzung transformiert hat. Historisches und aktuelles Materialien treten in einen Dialog und zeigen, wie sich das Gebäude über mehr als vier Jahrzehnte verändert hat, ohne seine architektonische Eigenart zu verlieren.
Zur Ausstellung erscheint bei Park Books die von Florian Stroh herausgegebene Publikation «Fotostudio Frei». Das Buch folgt dem Ort über mehr als vier Jahrzehnte. Erstmals publizierte Bilder aus Archiven und neu aufgenommene Fotografien sowie Pläne der Architekten verdichten sich zu einer vielschichtigen Bildfolge, die das Gebäude in seiner heutigen Präsenz erfahrbar macht. Begleitet wird dies von einem Gespräch zwischen Jacques Herzog, Rolf Fehlbaum und Niklas Maak über die Entstehungszeit des Hauses, seinen Platz in der Gegenwart und die Frage, wie ein Gebäude nach dem Verlust seines ursprünglichen Zwecks weiterlebt.
Für die Ausstellung konnten Originalunterlagen aus dem Archiv von Herzog & de Meuron ausgeliehen werden —handgezeichnete Skizzen aus der Planungsphase sowie handgezeichnete Ausführungspläne, die den Entwurfs- und Entwicklungsprozess unmittelbar nachvollziehbar machen. Ergänzt werden diese durch ausgewählte Dokumente, Unterlagen und Bildmaterial von Rolf Frei, von studio ne, vom Stadtarchiv Weil am Rhein und weiteren Leihgeber:innen.
Besonders bedeutsam ist die Vielstimmigkeit fotografischer Perspektiven auf dieses Gebäude. Rolf Frei hielt Bauphase und Fertigstellung fest, während die Architekten ihre eigene fotografische Dokumentation tätigten. Dazu kommen Aufnahmen der renommierten Architekturfotografin Margherita Spiluttini, die dokumentarische Begleitung der architektonischen Transformation durch Florian Stroh (2023–2025) sowie die umfassende fotografische Würdigung des japanischen Fotografen Daisuke Hirabayashi nach Abschluss der Arbeiten. Diese unterschiedlichen Bildbeiträge – eine bildhafte Lektüre des Gebäudes über vier Jahrzehnte hinweg – bilden einen zentralen Aspekt der Präsentation.
Die Ausstellung wird gemeinsam mit der Schau «Orte ohne besondere Lagequalitäten» eröffnet. Beide Präsentationen befassen sich mit dem gebauten Bestand und hinterfragen, wie Architekturen und Siedlungsräume durch Zeit, Nutzung und gesellschaftliche Wahrnehmung bewertet werden.
mbk
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Kommentare von Daniel Leutenegger