Ausstellung im Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus Stans, noch bis am 4. Oktober 2026

Bild: Pravoslav Sovák, Homesick, 1985–1993, Druckgrafik, aquarelliert © Stiftung Pravoslav Sovák Hergiswil, https://www.sovak.ch/

Bild: «Homesick Anderswo. Räume, Orte, Erinnerungen im Werk von Pravoslav Sovák» – Besuchende in der Ausstellung mit der Kuratorin Martina Kral, Nidwaldner Museum 2026 – Foto: Christian Hartmann
Er war ein bedeutender Druckgrafiker mit weltweiter Ausstrahlung: Pravoslav Sovák. 1926 im ostböhmischen Vysoké Mýto geboren, lebte der Künstler ab 1978 bis zu seinem Tod 2022 in Hergiswil. Anlässlich seines 100. Geburtstags widmet ihm das Nidwaldner Museum eine umfassende Ausstellung. Im Fokus stehen Werke, die sein lebenslang reflektiertes Heimweh widerspiegeln. Ein Heimweh, das seinen Ursprung im Einmarsch der sowjetischen Armee 1968 in Prag hat, das der 42-Jährige noch am selben Tag «verlässt» – so seine eigenen Worte. Die Schweiz gewährt ihm 1969 Asyl, 1978 baut er sich ein Haus mit Atelier hoch über Hergiswil, mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Von hier bricht Sovák immer wieder auf in die Welt.
Die in Stans gezeigte Ausstellung soll keine Retrospektive im klassischen Sinn sein, sondern widmet sich einem immer wiederkehrenden Thema in Sováks künstlerischem Werk: dem Aufsuchen von heimatspendenden Orten, Räumen und Landschaften. Die rund 100 Werke aus über sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens spiegeln eindrücklich wider, wie Sovák sich mit Heimat, Identität und mit Erinnerungen an Orte und Architekturen auseinandergesetzt hat. Fasziniert von den namenlosen Weiten der Wüsten Arizonas und Utahs, von Stadtansichten, vertikalen Gebäude-Strukturen der New Yorker Wolkenkratzer oder malerischen Strand- und Meereslandschaften entstehen zeitlose Werke zu (menschenleeren) Orten der Zuflucht, zu imaginären Räumen und Plätzen, unter die sich Erinnerungen an Böhmen, an vergangene Reisen und an das Leben im Hergiswiler Haus, Garten und Umfeld mischen.
Sovák hat sich nie laut über Heimweh oder den Verlust der Heimat geäussert. Es ist sein sinnliches, technisch brillantes Œuvre, das häufig eine tiefe Sehnsucht nach Identität oder Verortung widerspiegelt und uns miterleben lässt, dass Heimat immerfort wandel- und gestaltbar ist. In einem einzigen Bild, das über acht Jahre lang entstand, spricht er es im Titel aus: «Homesick».
mk
Kontakt:
https://nidwaldner-museum.ch/ausstellungen/homesick-anderswo

Bild: Pravoslav Sovák, 2010 – Foto: Paolinu – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pravoslav_Sov%C3%A1k.jpg
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Kommentare von Daniel Leutenegger