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29. Mai 2026

«KATJA SCHENKER. CARYATIDS GO FOR A SWIM»

Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv, Zürich, vom 4. Juni bis am 6. September 2026 - Vernissage am Mittwoch, 3. Juni 2026, 18 Uhr

Katja Schenker, Die Augen der Hand, Ausstellungsansicht, Kunstraum Kreuzlingen, 2024, Foto: Sebastian Stadler

Bild: Katja Schenker, Die Augen der Hand, Ausstellungsansicht, Kunstraum Kreuzlingen, 2024 – Foto: Sebastian Stadler

Das Museum Haus Konstruktiv eröffnet seine neuen Räumlichkeiten im Westteil des Löwenbräukunst-Areals mit einer Einzelausstellung von Katja Schenker (*1968). Die Schweizer Künstlerin widmet sich seit mehr als zwei Jahrzehnten performativen Arbeiten, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen im Innen- und Aussenraum. Ihre Werke entwickelt sie überwiegend aus natürlichen Materialien, wobei neben deren sinnlicher Qualität auch räumliche und zeitliche Aspekte wie Dichte oder Vergänglichkeit eine wichtige Rolle spielen.

Ein herausragendes Merkmal von Schenkers Schaffen ist ihre Bezugnahme auf den jeweiligen architektonischen Raum. Auch in ihrer Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv greifen Werk und Architektur ineinander. So nutzt sie die acht massiven Pfeiler für die titelgebende Performance Caryatids Go for a Swim, die am Abend der Vernissage uraufgeführt wird. In der antiken Architektur sind Karyatiden weibliche Figuren, die anstelle von Säulen oder Pfeilern Lasten tragen. Im Gegensatz zu ihrem männlichen Gegenpart Atlas, der unter der ihm aufgebürdeten Last häufig gebeugt dargestellt ist und seine Muskeln zeigt, vollbringen die Karyatiden ihre Arbeit aufrecht und scheinbar mühelos.

Für die Performance verlassen fünf Frauen ihre festgelegten Positionen und werfen einander Schnurknäuel zu, sodass sich nach und nach eine dichte, netzartige Struktur bildet. Gleichzeiti werden die Schnüre über und durch zwei Metallobjekte geführt, deren inneres Raster aus Kupferfedern besteht. Durch das wiederholte Werfen, Spannen und Verformen verändern sich diese Drähte; sie stehen mithin für einen Prozess der Transformation, des Zusammenwirkens und der Öffnung.

Die Performance Caryatids Go for a Swim besteht also aus Bewegung und Gegenbewegung, aus Aktion und Reaktion, aus Werfen und Fangen. In diesem dynamischen Gefüge eröffnen sich Analogien zu Standhaftigkeit und Verlust, zu Stabilität und Auflösung. Diese Spannung ist beispielhaft für Schenkers künstlerische Praxis, die sich seit vielen Jahren mit Schwerkraft und dem Aushebeln derselben auseinandersetzt.

Diese Aspekte kommen auch in den ausgestellten Zeichnungen zum Ausdruck, die Schenker zu einem Grossteil eigens für die Präsentation im Museum Haus Konstruktiv geschaffen hat. In den 2022 bzw. 2025 begonnenen Serien Volcano Street, Jubilee Street und Red Is Not the Only Colour ist der Körper unmittelbar präsent: Schenker hat ihren Körper eingesetzt – in einem performativen Akt, der Vorbereitung, Konzentration und bewusste Entscheidungen erfordert. Bei genauer Betrachtung der Zeichnungen zeigt sich häufig ein Zentrum oder ein verdichteter Moment – ein Punkt, an dem der Körper besonders intensiv mit dem Bildträger in Kontakt gekommen ist und deutliche Spuren hinterlassen hat. Von dort aus entfalten sich Linien, Verdichtungen und Bewegungsbahnen, die den Entstehungsprozess sichtbar und dessen räumliche Dynamik spürbar machen.

Schenker verwendet für diese Arbeiten auf Papier Ölsticks und Ölpastellkreide in verschiedenen Rottönen. Für einen Farbauftrag als Resultat von Druck und Bewegung eignen sich diese Materialien besonders gut, da deren Intensität nicht nachlässt wie bei einem Pinselstrich. Mit Farben wie Rouge Vermillon (Zinnoberrot) oder Rouge Cadmium wählt sie warme und körpergebende Töne, die sie als dramatisch, innerlich und explosiv zugleich bezeichnet.

Wirft man erneut einen Blick auf die Metallobjekte aus der Performance Caryatids Go for a Swim, zeigen sich Parallelen zu den Zeichnungen: Wie die Farbe Rot wird auch das Metall Kupfer aufgrund seiner hohen Wärmeleitfähigkeit mit Wärme und Energie assoziiert. In der Alchemie der Göttin Venus zugeordnet, ist Kupfer zugleich ein essenzielles Spurenelement, also lebensnotwendig für den menschlichen Körper, der hier seine Spuren auf dem Papier hinterlässt.

Ergänzend zur Ausstellung im Westteil sind in der Glasbox im Durchgang zum Ostteil des Gebäudes fünf Videos von Performances der Künstlerin zu sehen. Entstanden zwischen 2011 und 2026, geben sie einen exemplarischen Einblick in ihren Werdegang: moll (Performance), vesuv (Performance), peau articulée (Performance), dress (Performance) und Caryatids Go for a Swim (Performance) (wird nach Fertigstellung Mitte Juni integriert).

Alle Arbeiten haben gemeinsam, dass Schenker – ausgehend vom Thema Körper, Körperlichkeit und Körperwahrnehmung – Räume einnimmt oder hervorbringt. Dabei interessiert sie besonders die Durchlässigkeit von Grenzen – zwischen Körper und Körper, zwischen Körper und Raum, zwischen Material und Bewegung, zwischen Stabilität und Veränderung. Ihre Werke sind keine abgeschlossenen Formen, sondern offene Gefüge, die sich im Prozess des Entstehens kontinuierlich transformieren und in die sich Präsenz und Vergänglichkeit gleichermassen einschreiben.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Texten von Deborah Levy, Gioia Dal Molin und einem Interview zwischen Sabine Schaschl und Katja Schenker im Verlag für moderne Kunst, Wien.

Kuratiert von Sabine Schaschl und Muriel Pérez

mhk

Kontakt:

https://www.hauskonstruktiv.ch/ausstellungen/katja-schenker

#KatjaSchenker #CaryatidsGoForASwim #MuseumHausKonstruktiv #SabineSchaschl #MurielPérez #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 29. Mai 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie

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