10. Dezember 2024
«KONSUM! PAT NOSER UND MONSIGNORE DIES»
Ausstellung im Kunsthaus Zofingen, bis am 16. Februar 2025

Bild: Pat Noser und Monsignore Dies, Konsum, 2024, Installation, Masse variabel

Bild: Pat Noser, Kinderkram, 2024, Aquarell auf Papier, 200 x 262 cm
Pat Noser, geboren 1960 in Aarau, lebt und arbeitet in Biel
Monsignore Dies, geboren 1969 in Lengnau, lebt und arbeitet in Biel
In der Ausstellung «Konsum!» dreht sich alles ums Konsumieren. Unter dem Motto: «Ich konsumiere, also bin ich» untersuchen Pat Noser und Monsignore Dies das Konsumverhalten unserer Zeit. Sie befragen die eigene Motivation ebenso wie den Konsumzwang der anderen. In den Ausstellungsräumen stehen Pat Nosers ausdrucksstarke Gemälde und Monsignore Dies überbordende Installationen aus Gebrauchsgegenständen im Dialog miteinander. In gemeinsamen subversiven Werken kommentieren und reflektieren die beiden als Duo, das auch privat ein Paar ist, die Verflechtung von Kapital und Konsum.
Die Aussage «Ich konsumiere, also bin ich» ist eine Abwandlung des berühmten philosophischen Ausspruches «Ich denke, also bin ich» von René Descartes. Descartes Satz bezieht sich auf das Bewusstsein und die Selbstwahrnehmung des Denkens; der veränderte Satz reflektiert die Problematik unserer modernen Gesellschaft, in der der Konsum von Produkten und Dienstleistungen oft eng mit der eigenen Identität und dem Selbstwert verknüpft ist. Unsere westliche Konsumgesellschaft konsumiert im Supermarkt oder auf Onlineportalen. Wir bestellen bequem vom Sofa aus und der Lieferservice bringt uns die gewünschte Ware nach Hause. Das World Wide Web spielt in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle:
Das meiste konsumieren wir direkt aus dem Internet: Bildung, Wissen, News, Unterhaltung, Abenteuer, Anerkennung, Freundschaft, Liebe. Durch gezielte, personalisierte Werbung lernen wir im Internet auch, was uns noch fehlt, um brauchbar und attraktiv zu sein. Wir werden angehalten, uns ständig selbst zu optimieren, ständig weiter zu konsumieren.

Bild: Monsignore Dies, Hundesalon, 2024, Installation, Masse variabel
In den Ausstellungsräumen bilden die Gemälde von Pat Noser auf Leinwand, Papier oder Gegenständen sowie kleine und grosse Installationen mit Konsumgütern von Monsignore Dies ein vielschichtiges Zusammenspiel. Der Dialog zwischen den unterschiedlichen Werken der beiden Kunstschaffenden lässt eine Ausstellung entstehen, die als ganzheitliches Erlebnis wahrgenommen wird.
BesucherInnen werden im Erdgeschoss von einem Kunst-Shop empfangen. Hier können Postkarten oder Drucksachen, kleinere Objekte und Malereien direkt gekauft und mitgenommen werden. Im Kunstshop wird gekauft, konsumiert und in der logischen Folge wird sich der Shop im Laufe der Ausstellung leeren und macht das Kaufverhalten der BesucherInnen sichtbar.
Pat Noser und Monsignore Dies machen mit den ausgestellten Werken direkt auf unsere Eigenarten betreffend Konsum aufmerksam. So finden wir beispielsweise eine Reihe von Gemälden mit Handtaschen, die mit expressivem Pinselstrich auf altes, schäbiges Papier gemalt wurden. Handtaschen spielen in der Modewelt eine zentrale Rolle und sind nicht nur funktional, sondern gelten als Statussymbole. Marken wie Louis Vuitton, Gucci oder Hermès stehen für Luxus und Wohlstand und sollen den sozialen Status ihrer Trägerinnen und Träger betonen.
Spielsachen oder Güter für Katze und Hund werden in einer Installation von Monsignore Dies thematisiert. Denn: In unserer Konsumwelt spielen Kinderspielsachen eine wesentliche Rolle. Die ständige Verfügbarkeit von neuen Spielsachen und das breite Angebot in Geschäften und online bringt viele Eltern dazu – beeinflusst durch gezielte Werbung – ihren Kindern immer wieder neue Waren zu kaufen. Auch der Markt mit Dingen für Hund und Katze bietet eine Vielzahl von Produkten, die auf die Bedürfnisse und den Komfort von unseren Haustieren abgestimmt sind. Angehäuft in einer umfassenden Installation – die auch angefasst werden darf – wird die Überhäufung dieser Gebrauchsgegenstände und der Überfluss, in dem wir leben, visualisiert.

Bild: Monsignore Dies und Pat Noser, Geplante Obsoleszenz, 2021, Installation, Masse variabel
Seit Jahren sammelt Pat Noser liegengebliebene Getränkedosen auf ihren Spaziergängen ins Atelier. Diese Dosen, die oft mehrere Tage auf der Strasse lagen, plattgedrückt und teilweise von Autos überfahren wurden, bemalt die Künstlerin gekonnt mit Gegenständen unseres täglichen Konsums. Die Serie heisst Plattitüden, also abgedroschene, inhaltsleere Redewendungen oder Aussagen, die wenig Originalität oder Tiefgang haben, Weisheiten, die so oft wiederholt wurden, dass sie ihre Bedeutung oder ihren Effekt verlieren.
Im grossen barocken Kronleuchtersaal empfängt ein grossräumiger Einbau von Monsignore Dies die Besuchenden. Die überbordende Installation kombiniert Skulptur, Film und Sound zu einem immersiven Erlebnis und besteht aus erlesenen Gegenständen unserer Konsumgesellschaft: Designobjekte, ausgesuchte Alltagsgegenstände, Elektroschrott oder Abfallmaterial von besonderer Qualität, die der Künstler über Jahre gesammelt hat. Diese Dinge werden üppig und kunstvoll arrangiert und in neuer Zusammenstellung inszeniert.
Auf den ersten Blick chaotisch und überladen, entfaltet die Installation von Monsignore Dies bei genauer Betrachtung einen ästhetischen und überraschend ironischen Ausdruck. Die einzelnen Objekte werden so aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und erhalten eine neue Bedeutung. Der Künstler bearbeitet und inszeniert die Gegenstände so lange, bis sie ihre ursprünglichen Zuschreibungen und Funktionen verloren haben. Dabei schafft er mit der Verknüpfung von Bild und Klang, Licht und Raum einen intensiven Eindruck, der mehrere Sinnesebenen anspricht.
khz
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Bild: Pat Noser, Turtelparty, 2024, Aquarell auf Papier, 75 x 110 cm

Bild: Pat Noser, Plattituden, 2024, Malerei auf Aludosen, Masse variabel
Kommentare von Daniel Leutenegger