Eine Retrospektive im Küefer-Martis-Huus in Ruggell (Fürstentum Liechtenstein), bis am 25. Oktober 2026

Bild: Werk von © Maggy Mauritz

Bild: Maggy Mauritz – Foto: https://www.kuefermartishuus.li/16-08-25-10-maggy-altmann-mauritz-retrospektive/
Die 1941 geborene Maggy Mauritz war wie ihr Mann Roberto Altmann Mitglied der Lettristischen Bewegung in Paris. Sie ist eine der ersten Künstlerinnen, die für ihre lettristischen Werke Sprayfarbe verwendet und damit Street-Art-Techniken vorweggenommen hat. In der von Frédéric Acquaviva kuratierten Ausstellung werden ihre Arbeiten erstmals in einer Einzelausstellung gezeigt. Wie ihr 2023 verstorbener Ehemann ist sie Bürgerin von Ruggell.
Margarethe «Maggy» Mauritz wurde 1941 im sudetischen Böhmen geboren. Nach der Vertreibung der Sudetendeutschen lebte sie ab 1946 zehn Jahre in einem Flüchtlingslager bei Stuttgart. Später erlernte sie unter anderem Stenografie, die später eine wichtige Rolle in ihrem künstlerischen Werk spielen sollte. 1962 kam sie als Au-pair nach London, wo sie durch Museumsbesuche – insbesondere Rosetta-Stein im British Museum – entscheidende künstlerische Impulse erhielt. 1963 zog sie nach Paris und arbeitete als Sekretärin für den Verleger Robert Altmann. Dort begegnete sie dem Lettrismus und begann autodidaktisch eigene Werke zu schaffen. Obwohl sie wegen ihrer beruflichen Reisen nur eingeschränkt am Gruppenleben teilnehmen konnte, stellte sie ihre Arbeiten ab 1965 gemeinsam mit der lettristischen Bewegung aus.
Ihr Werk der Jahre 1963 bis 1974 umfasst Gemälde, Arbeiten auf Papier, Objekte und Druckgrafiken, die in bedeutenden Ausstellungen in Paris, Vaduz, Berlin, Hamburg und anderen Städten gezeigt wurden. Dennoch wurde ihr Name in zeitgenössischen Dokumenten häufig verschwiegen oder ausgelassen – selbst bei Ausstellungen und Projekten, an denen sie massgeblich beteiligt war. Auch nach ihrer Heirat mit Roberto Altmann im Jahr 1970 blieb ihre künstlerische Leistung weitgehend im Schatten ihres Mannes.
Erst ab 2019 wurde die Qualität und Bedeutung ihres Werkes umfassend wiederentdeckt. Heute gilt Mauritz als eine der wichtigsten, aber lange übersehenen Künstlerinnen des Lettrismus.
Besonders hervorzuheben sind zwei innovative Leistungen:
- Sie war bereits ab 1966 eine der ersten Künstlerinnen, die Sprühfarbe und Schablonen für Buchstaben- und Zahlenkompositionen einsetzte und damit als frühe Pionierin der Graffiti-Kunst gelten kann.
- Sie integrierte Stenografie systematisch in ihre hypergraphischen Arbeiten und entwickelte damit eine einzigartige Form der Schriftkunst, noch bevor ähnliche Ansätze bei bekannteren Künstlern sichtbar wurden.

Bild: Arbeiten der Künstlerin Maggy Mauritz – Foto: PD / Paul Trummer
Nach der Geburt ihrer Kinder und ihrem Engagement als Mitorganisatorin zahlreicher Ausstellungen in Liechtenstein trat ihre eigene künstlerische Produktion zeitweise in den Hintergrund. Nach der Trennung von Roberto Altmann 1982 begann sie jedoch erneut, intensiv zu arbeiten. Seit den 1980er-Jahren entstand ein umfangreicher zweiter Werkkomplex mit zahlreichen Gemälden, Objekten und Rekonstruktionen früher Arbeiten.
Das Gesamtwerk von Maggy Mauritz umfasst heute rund 464 bekannte Arbeiten und stellt das erste vollständige Werkverzeichnis einer lettristischen Künstlerin dar. Kunsthistoriker:innen sehen sie inzwischen als zentrale Figur des Lettrismus und als bedeutende Pionierin der Schrift-, Spray- und Graffiti-Kunst. Ihr Lebensweg steht zugleich exemplarisch für die lange Unsichtbarkeit vieler Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und deren späte Anerkennung.
Werkverzeichnis:
Frédéric Acquaviva (Hrsg.): Maggy Mauritz. Œuvres lettristes (1963-2025)
Werkverzeichnis mit einer umfassenden Zusammenstellung von 464 bekannten Arbeiten, die Maggy Mauritz im Laufe von mehr als sechs Jahrzehnten geschaffen hat. Der Band enthält neben rund 600 Farbabbildungen einen Text von Frédéric Acquaviva und ein Interview, das er mit Maggy Mauritz geführt hat.
Dreisprachige Ausgabe (englisch, deutsch, französisch), DNA Verlag, Vertrieb Les Presses du Réel, 2026
320 Seiten (ill.), ISBN: 978-2-37896-695-9
Frédéric Acquaviva, geboren 1967, ist neben seiner Tätigkeit als Klangkünstler und Komponist experimenteller Musik zu einem der wesentlichen Protagonisten der Wiederentdeckung der historischen Avantgarde, insbesondere des Lettrismus geworden. Er editiert Bücher, kuratiert Kunstausstellungen, organisiert Veranstaltungen, hält Vorträge, erstellt Werkverzeichnisse und bibliografische Datenbanken.
fa / cp
Kontakt:
https://www.kuefermartishuus.li/16-08-25-10-maggy-altmann-mauritz-retrospektive/
Mehr:
Bericht im Ostschweizer Magazin «Saiten»:
Ein Rückblick auf die vergessene Künstlerin Maggy Mauritz
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Sieglinde Wöhrer
https://www.saiten.ch/ein-rueckblick-auf-die-vergessene-kuenstlerin-maggy-mauritz

Bild: Blick in die Ausstellung im Küefer-Martis-Huus – Foto: PD
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Kommentare von Daniel Leutenegger