8. Dezember 2024
«MAYA DUNIETZ. SWARM»
Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 16. Februar 2025

Bild: Maya Dunietz, Boom, 2024, Videostill, Courtesy of the artist, Foto: Dana Dunietz

Bild: Maya Dunietz, Chilling Mammoths 2022-2024, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2024, siebzehn Klaviere mit Niederfrequenz-Schallwandlern, Verstärker, Programmierung und zusätzliche Komposition von Daniel Meir, Foto: Marc Latzel
Maya Dunietz (*1981) ist Künstlerin, Komponistin und Performerin. Sie verbindet in ihrer Arbeit klassische Musik und bildende Kunst, Installation und Konzert, Klang und Rhythmus. In ihrem Werk finden der Herzschlag des Publikums, die Atmung, Vogelgezwitscher oder die Tagträume ausrangierter Klaviere zusammen. Maya Dunietz’ Ansatz ist postmodern-avantgardistisch, ihr Werk kann humorvoll, zärtlich oder auch rau sein – immer aber ist ihr Œuvre eine freundliche Einladung, sich mit allen Sinnen einzulassen und mit dem ganzen Körper zu hören.
Inspiration findet die israelische Künstlerin in musikalischen Traditionen auf der ganzen Welt oder in der Natur: Das Verhalten eines Schwarms von Fischen, Vögeln oder Insekten fliesst ebenso in ihre Arbeit ein wie der samische Joik, der eintönig-gutturale Gesang der Ureinwohner:innen Laplands. Das verbindende Element ist die Arbeit am Klang, am weltumfassenden Sounderlebnis.
Maya Dunietz‘ Projekte reichen von kleinen Gesten, die die Regeln einer Zeremonie in einem Konzertsaal erweitern, bis hin zu Performances mit Massenbeteiligung. Während ein einsames Piano von Geisterhand bewegt eine neue Komposition der Künstlerin spielt und von Anwesenheit in der Abwesenheit erzählt, hat sich in einem anderen Raum eine Herde altersschwacher Klaviere versammelt. In der Klanginstallation 17 Chilling Mammoths (2022) schnaufen, brummen und röhren die Instrumente wie die eiszeitlichen Viecher. Mittels einer raffinierten elektronischen Steuerung werden die Relikte einer bürgerlicheren Epoche zu Klangskulpturen, zwischen denen man über das Vergehen der Zeit, das Brausen der Welt, über Vereinzelung und Gemeinschaft nachdenken kann.
Was Töne von sich gibt, was sich bewegt, atmetet, pulsiert, nimmt man als lebendig wahr. So erhalten nicht nur die Klaviere, sondern auch die pochende, glänzende Membran in 25Hz–25fps (2022), das Brain on a Plate (2022) oder die Mechanical Lungs (2022) etwas Wesenhaftes. Gleichzeitig spielt die Künstlerin mit dem Kontrast von Gleichklang und Disharmonie, von synchronen und asynchronen Rhythmen, Klängen und Bewegungen. Boom (2024) wiederum basiert auf einer Performance, in der die Künstlerin singt, überblendet mit einer Projektion ihrer selbst. So verschwimmen ihre Umrisse, während sie wie in einem Loop gefangen von einer Art Alptraum erzählt.
Oft kreiert Maya Dunietz ortsbezogene Werke. Im Dezember 2023 hat die Künstlerin am traditionellen Küssnachter Klausjagen teilgenommen. Kern des Zentralschweizer St.-Niklaus-Brauchs ist ein nächtlicher Umzug mit Hunderten von Geiseln, Glocken, Kuhhörnern, Blasinstrumenten und bunten Laternen. Für das Kunstmuseum Luzern hat Maya Dunietz nun aus ihren Tonaufnahmen eine vielstimmige Klanginstallation entwickelt.
Der Ausstellungstitel «Swarm», dt. Schwarm, zielt auf viele. In «Swarm» ist «warm» enthalten, also die Wärme von Tönen, Menschen und Begegnungen. Aber auch «war» steckt darin, engl. für «Krieg». Solche Ambivalenzen miteinander im geschützten Museumsraum auszuhalten, Angst und Trauer zu teilen, aber nicht zu verzweifeln – genau dies will Maya Dunietz’ Ausstellung ermöglichen.
Kuratiert von Fanni Fetzer
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/maya-dunietz/
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Bild: Maya Dunietz, Bird Whistle, 2016, kinetische Skulptur, verschiedene Materialien, Courtesy Candida Gertler

Bild: Maya Dunietz, Swarm, 2024, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, 2024, Foto: Marc Latzel
Kommentare von Daniel Leutenegger