«Tamedia kündigt Sparmassnahmen in Höhe von 34 Millionen Franken an», schreibt heute die «sda». Der Berufsverband impressum der Schweizer JournalistInnen dazu: «Diese Sparmassnahmen würden ein Debakel für die Pressevielfalt darstellen und für das Personal, das bereits unter starkem Druck steht, einem Schlag ins Gesicht gleichkommen.»

Foto: Tamedia
«Der Zürcher Medienkonzern Tamedia will bei seinen
Zeitungstiteln in der Schweiz offenbar 34 Millionen Franken einsparen. 18
Millionen davon fallen auf die Westschweizer Zeitungen ‚Le Matin‘, ’24 Heures‘
und ‚Tribune de Genève‘. Deren Chefredaktoren wollen nun das Gespräch mit der
Konzernführung suchen.» (sda)
Mehr:
Die Gewerkschaft Medien und Kommunikation, syndicom, titelt heute: «Unverantwortliches und skandalöses Sparprogramm bei Tamedia» und schreibt:
«Gemäss Informationen der Westschweizer Radiosendung Forum (RTS) von gestern Abend will die Zürcher Mediengruppe Tamedia in der ganzen Schweiz 34 Millionen Franken einsparen. Fast 18 Millionen davon allein in der Romandie.
syndicom erachtet diesen Entscheid als skandalös. Umso mehr, als Tamedia vor einigen Tagen hervorragende Ergebnisse für das Jahr 2012 bekanntgeben hat, das von Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino als ‚guter Jahrgang‘ bezeichnet wurde. Trotz des leichten Rückgangs des Reingewinns um 15% gegenüber 2011, dem laut Supino ‚besten Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte‘, beläuft sich die Gewinnmarge vor Amortisationen (EBITDA-Marge) 2012 auf 19,3%. Ein durchaus beachtliches Ergebnis.»
Mehr:
Medienmitteilung Tamedia vom 21. März 2013:
Dazu die «NZZ»:
impressum im O-Ton:
»
Geplante Sparmassnahmen bei der Tamedia Publications Romandes –
ein Debakel für die Pressevielfalt
Am Montag wurde bekannt, dass die
Tamedia-Gruppe im Zeitraum 2014-2016 Einsparungen von rund 34 Millionen
Franken machen will. Davon sollen 18 Millionen Franken allein in der
Westschweiz eingespart werden.
Diese Sparmassnahmen würden ein Debakel für
die Pressevielfalt darstellen und für das Personal, das bereits unter starkem
Druck steht, einem Schlag ins Gesicht gleichkommen.
impressum kann nicht
nachvollziehen, wieso die Sparmassnahmen im angekündigten Ausmass notwendig
sein sollen. Im vergangenen Jahr erzielte Tamedia in der Schweiz das beste
Geschäftsergebnis in der Geschichte der Gruppe. Dieses Jahr ist der Gewinn
etwas kleiner, aber noch immer erheblich. Die Finanzen der Tamedia-Gruppe sind
gesund.
Wieso also sparen? Wieso immer grössere Gewinne machen? Es ist für impressum
unverständlich. Informationen sind kein beliebiges Konsumgut. Die Medienhäuser
tragen eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und der direkten
Demokratie. Das Ziel, den Ansprüchen der demokratischen Gesellschaft gerecht zu
werden, sollte wichtiger sein als das Gewinnstreben.
Die Sparmassnahmen, von welchen die Westschweiz betroffen sein sollen, wiegen so
schwer, dass sie die Existenz und Qualität verschiedener Zeitungstitel
gefährden würden. Bereits im Jahr 2009 kam es in den Redaktionen zu
Restrukturierungsmassnahmen, welche zu einem erheblichen Personalabbau geführt
hatten – dies bei gleichbleibender Arbeitslast. Wenn Sparmassnahmen tatsächlich
in dem Umfang umgesetzt werden, wie es am Montag kommuniziert wurde, wären
zahlreiche Kündigungen oder sogar die Einstellung oder Zusammenlegung von
Zeitungen unumgänglich.
impressum appelliert an die soziale und kulturelle Verantwortung der Verleger.
impressum appelliert weiter an die Zivilbevölkerung wie auch an die Politiker und fordert sie auf, zu reagieren, sich zu mobilisieren und sich gegen diesen Angriff auf die Qualität der Information und die Pressevielfalt in der Westschweiz zur Wehr zu setzen.
»
Quelle:
http://www.impressum.ch/web/impressum-de/service/Presse/Tamedia-Publications-romandes.html
—
Nachtrag vom 27.03.2013:
«Während die Sparpläne des Medienhauses Tamedia in der Deutschschweiz keine grossen Wellen schlagen, geht ein Aufschrei durch die Westschweiz. In die Debatte schalten sich auch die Regierungen der Kantone Waadt und Genf ein.
Redaktoren der ‚Tribune de Genève‘ legten ihre Arbeit nieder. Am Mittwochmorgen demonstrierten in Genf rund 50 Journalisten gegen die Sparpläne. Ihrem Demonstrationszug schlossen sich auch Sympathisanten an.»
(sda)
http://www.persoenlich.com/news/medien/protest-gegen-sparpl-ne-der-westschweiz-305433#.UVMsrBlDsjU
Nachtrag vom 28.03.2013:
«Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe eines Jahresgewinns von 152 Mio. Franken (-15% gegenüber 2011) sahen sich Verwaltungsrat und Unternehmensleitung von Tamedia am vergangenen Dienstag gezwungen, in einer internen Mitteilung ‚zu Gerüchten und Spekulationen über ein Kostensenkungsprogramm‘ Stellung zu nehmen.
Die in den Medien herumgereichten Zahlen – gemeint sein dürfte v.a. der vom Westschweizer Radio RTS kolportierte Abbau von rund 100 Stellen in der Romandie – seien ‚reine Spekulation‘, liess die Tamedia-Führung ihre Angestellten wissen.»
http://www.medienspiegel.ch/archives/005099.html
Kommentare von Daniel Leutenegger