Mit insgesamt 36 Schweizer Filmen und Koproduktionen bildet das Locarno Film Festival (5. bis 15. August 2026) ein vielbeachtetes Schaufenster für das Filmschaffen aus der Schweiz. Highlights sind unter anderem Petra Volpes erster englischsprachiger Spielfilm «Frank & Louis» auf der Piazza Grande sowie Regisseur Basil Da Cunhas dritte Weltpremiere im Concorso Internazionale.

Bild: «Frank & Louis» wurde in einem stillgelegten Gefängnis in Shrewsbury in England gedreht, und der letzte Teil wurde in der Schweiz abgeschlossen – Petra Volpe und die Hauptdarsteller, v.l. Kingsley Ben-Adir, Rob Morgan und René Pérez Joglar aka Residente. – Foto: © SRF / Ali Painter, 2025
«FRANK & LOUIS» läuft als Europa-Premiere auf der Piazza Grande. Die schweizerisch-englische Koproduktion (Zodiac Pictures, Caspian Films, SRF, SRG-SSR) mit Kingsley Ben-Adir und Rob Morgan in den Hauptrollen beleuchtet eine Männerfreundschaft im Gefängnis. Petra Volpes neuester Film seit dem Publikumshit «HELDIN» hatte seine Weltpremiere anfangs Jahr am Sundance Film Festival.
Mit «IL CILENO» (THE CHILEAN) von Sergio Castro San Martín ist ein zweiter Spielfilm mit Schweizer Beteiligung auf der Piazza Grande zu sehen. An der italienisch-chilenisch–schweizerischen Koproduktion waren die Tessiner Produktionsfirma Cinédokké sowie RSI und SRG-SSR beteiligt.
Schweizer Weltpremieren im Wettbewerb
Im Concorso Internazionale feiert Basil Da Cunhas die Weltpremiere seines neusten Spielfilms «O JACARÉ» (Thera Production, Continue Walking, RTS). Die schweizerisch-portugiesische Koproduktion spielt wie seine bisherigen Filme im kreolischen Viertel Reboleira von Lissabon. Nach «O FIM DO MUNDO» (2019) und «MANGA D’TERRA» (2023) ist dies bereits Da Cunhas dritter Film im internationalen Wettbewerb von Locarno.
Ebenfalls als Weltpremiere zeigt der Concorso Cineasti del Presente «SMALL TALK» von Mateo Ybarra. In seinem hybriden Film (Produktion: L’ARTIFICE, RTS) porträtiert der Regisseur das Institut Villa Pierrefeu, die letzte Schule für Etikette in der Schweiz.
In der Auswahl der unabhängigen Dokumentarfilmsektion Semaine de la Critique läuft die Langzeitgeschichte «GABIN» von Maxence Voiseux, die in Cannes uraufgeführt wurde (Koproduktion: Rita Productions, RTS).
Kurzfilm- und Kindersektionen
Die Kurzfilm-Sektion Pardi di Domani bietet im nationalen Wettbewerb zehn Schweizer Weltpremieren eine Plattform. Darunter die Animationsfilme «GHERKING» von Claudius Gentinetta und «SINGULARITY» von Marjolaine Perreten, der Kurzdokumentarfilm «LÄÄNE / VOSTOK» oder der Spielfilm «TYPHOON MAMBO» von Domenico Singha Pedroli.
Zwei Schweizer Koproduktionen laufen in den Pardi di Domani – Concorso Corti d’Autore: «THE BLESSING» von Caroline Poggi und Jonathan Vinel (FR / CH) sowie «ÃSHEGHETAM» von Filmsaaz (FR / CH / IR).
Die Locarno Kids Screening gelten neu als Wettbewerbssektion und werden von einer Jugendjury beurteilt. In der Auswahl laufen die Naturdoku «DERBORENCE LE TEMPS DES ANIMAUX» von Vincent Chabloz (Produktion: JMH & FILO Films, RTS) sowie der Spielfilm «CERCATORI D’ANGELI» von Leopoldo Pescatore, eine Schweizer Koproduktion mit Rough Cat und RSI.
Weltpremieren ausser Konkurrenz
Zwei Schweizer Weltpremieren laufen in der nicht-kompetitiven Sektion Fuori Concorso: die vierteilige True-Crime-Serie «DER ENGELMACHER» von Marina Klauser (tellfilm, SRG-SSR, 3sat Schweiz) über die Schweizer Glaubensgemeinschaft Methernitha und ihren Gründer, der wegen Kindesmissbrauchs zu Fall gebracht wurde. Regisseur François-Christophe Marzal präsentiert «AH QUE LE BONHEUR EST PROCHE!» (Light Night Production, Point Prod) mit dem legendären Westschweizer Schauspieler Jean-Luc Bideau in der Rolle eines legendären Schauspielers.
Das Filmjahr im Rückblick
Das «Panorama Suisse» zeigt zehn lange und zwei kurze Schweizer Filme, die im Laufe des vergangenen Jahres an internationalen Festivals oder beim Kinopublikum Erfolge gefeiert haben. Darunter den Dokumentarfilm «ELEPHANTS & SQUIRRELS» von Gregor Brändli, Gewinner der Silbernen Taube des DOK Leipzig, den zweifach mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichneten Spielfilm «À BRAS-LE-CORPS» von Marie-Elsa Sgualdo oder die schweizerisch-argentinische Koproduktion «LAS CORRIENTES» von Milagros Mumenthaler, die am TIFF Weltpremiere feierte und am Filmfestival von San Sebastian einen Preis erhielt. Das Panorama Suisse wird von Swiss Films, den Solothurner Filmtagen und der Schweizer Filmakademie kuratiert.
Das Programm Histoire(s) du Cinéma – Cinéma Suisse Redécouvert präsentiert zwei digital restaurierte Filme, «SIRENEN-EILAND» (1981) und «GEISTER UND GÄSTE» (1989) von Isa Hesse-Rabinovitch (1917-2003) – eine der ersten Schweizer Künstlerinnen und Filmemacherinnen, die multimedial arbeitete.
Branchenevents bei Locarno Pro
Swiss Films organisiert jährlich in Partnerschaft mit Locarno Pro die Swiss Films Previews. Sechs aktuelle Schweizer Filmprojekte kurz vor Release werden von Regie und Produktion vor einem internationalen Branchenpublikum gepitcht. (Fr. 7.8., 11:00, Cinema Rialto). Im Cinema Rialto ist ausserdem neu der Swiss Films Infostand zu finden, wo die internationale Branche sich zum Schweizer Filmschaffen informieren kann.
Quelle / Mehr / Kontakte:
https://www.swissfilms.ch/de/news/locarno-2026/7569
https://swissfilms.ch/de/line-up/locarno-2026/48?
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Kommentare von Daniel Leutenegger